Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


LQ-Ackerbegleitflora mit Kornraden

Ausgabe Nummer 26 (2017)

Die Präsidenten der vier LQ-Projekte und die LQ-Geschäftsstelle trafen sich, um das weitere Vorgehen mit der Massnahme Ackerbegleitflora zu besprechen. Sie stehen ausserdem im Austausch mit den Samenlieferanten und dem Landwirtschaftsamt.

Grundsätzlich sollte die Diskussion über die Kornraden, welche in den Thurgauer LQ-Ackerbegleitflora- Mischungen enthalten sind, etwas differenzierter geführt werden. Zu erwähnen ist auch, dass die blühenden Feldränder an vielen Orten im Thurgau gelungen sind und ein sehr positives Bild der Landwirtschaft abgeben.

Allgemeines über die Kornraden:
Kornraden sind auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzen. Sie sind giftig und wurden früher auch als Heilpflanze angewendet. Wie bei allen Heilpflanzen, ist die Giftigkeit eine Frage der Dosierung. Bei den Kornraden sind die Giftstoffe hauptsächlich in den Samen, welche den Weg bis in die menschliche Ernährung und den Futtertrog der Tiere mit der heutigen Technik nicht mehr schaffen. In früheren Zeiten gab es damit ab und zu Probleme und sogar Vergiftungen, wenn sich die Landbevölkerung mit Brot ernährte, das aus Getreide mit Kornradenbesatz hergestellt wurde. Vergiftungen treten ab einer Aufnahme von 2,5 g Kornradensamen je Kilogramm Körpergewicht auf. Nachzulesen auf der Webseite des Tierspitals Zürich, Abteilung Veterinärtoxikologie www.giftpflanzen.ch. Somit müsste eine Kuh mehr als ein Kilogramm Kornradesamen fressen, bis gesundheitliche Probleme auftreten. Die Giftigkeit der restlichen Pflanzenteile ist geringer, und in Relation zu anderen einheimischen Wildpflanzen zu setzen, gibt es doch nebst Kornraden bekanntlich noch zahlreiche andere sogenannte «Giftpflanzen», welche in und neben Ackerkulturen und Heuwiesen wachsen. Als Beispiele seien die Zypressenblättrige Wolfsmilch und der Knollige Hahnenfuss erwähnt; beide Arten sind giftig und zählen zu den besonders wertvollen Wiesenpflanzen (QIIZeigerpflanzen). Im Übrigen enthält auch der Klappertopf Giftstoffe.
Die Verbreitung der Kornraden lief ungewollt über die Samen, welche im hofeigenen Saatgut weiter verbreitet wurden. Heutzutage ist dies nicht mehr möglich. Ausfallsamen der Kornrade bleiben im Boden nur über kurze Zeit keimfähig. Selbst auf Kornraden Vermehrungsfeldern keimen laut den Saatgutvermehrern schon im Folgejahr praktisch keine Raden mehr.

Einsatz:
Gemäss den Samenliederanten entbrannte die Diskussion über den Einsatz von Kornrade, als die Buntund Rotationsbrachen in den 90iger-Jahren entwickelt wurden. Nach umfassenden Abklärungen kamen dann aber BLW, BAFU und Agroscope zur Überzeugung, dass Kornradensamen in Brachemischungen gehören, und davon keine Bedrohung zu erwarten sei. Kornraden werden also seit 25 Jahren jedes Jahr in Brache, Saum- und Blühstreifenmischungen ausgesät. Nach aktuellem Wissensstand gab es keinen einzigen Fall von Vergiftungen bei Mensch oder Tier.
Das Durchwuchsproblem mit Kornraden ist sehr selten. Sollten jedoch wider Erwarten in einer Kunstwiese Kornraden auftreten, wird von den Saatgutfirmen empfohlen, den Säuberungsschnitt vorsichtshalber nicht zu verfüttern.

Weiteres Vorgehen:
Zukünftig sollen zwei Mischungen angeboten und der genaue Anteil und Inhalt der Mischung auf dem Saatgutsack deklariert werden. Bis anhin war die Praxis der Samenlieferanten, dass in Wildblumenmischungen auf die Einzeldeklaration auf den Säcken verzichtet wird und die Zusammensetzungen in den Samenkatalogen ersichtlich sind. Dass die Zusammensetzung und somit die Kornrade, welche für gewisse Betriebe doch eine Einschränkung bedeuten könnte, nicht ersichtlich war, muss als Versäumnis der Projektausarbeitung bezeichnet werden. Die Saatgutpreise und die LQ-Beitragshöhe bleiben für beide Mischungen gleich. In derjenigen ohne Kornrade wird der Saatgutanteil von Kornblume und Mohn erhöht. Dieses Vorgehen ist analog zum Kanton Aargau, wo optional schon in der letzten Aussaatsaison eine Mischung ohne Kornrade erhältlich war, und von rund der Hälfte der Landwirte gewählt wurde. Die Kornrade als Rote-Liste-Pflanze erhöht die Vielfalt der Flora auf unseren Getreidefeldern, doch soll dieser Umstand nicht dazu führen, dass – obwohl nur geringe – Vergiftungsrisiken eingegangen werden müssen. Daher wird den beteiligten Landwirten bewusst die Wahlmöglichkeit geboten, je nach Verwendungszweck des Strohs oder persönlicher Einstellung gegenüber dieser Pflanze, die für sie passende Variante der LQ-Ackerbegleitflora auszusähen.


Geschäftsstelle LQ Thurgau
Peter Schweizer







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