Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Luft ist dein Freund

Ausgabe Nummer 9 (2016)

Die Frischluftversorgung der Kühe fordert uns in den Sommermonaten enorm. Für unsere Wiederkäuer beginnt Hitzestress schon bei Temperaturen über 21 Grad. Es gibt viele Wege, unseren Mitarbeiterinnen das Leben zu erleichtern und ihre Gesundheit zu verbessern.

Mobile Biogasanlage
Eine Kuh besteht zu rund 30 % aus einer Heizung. Ihr Pansen mit über 200 Litern Inhalt ist mit einer Biogasanlage zu vergleichen. Die Bakterien darin zerkleinern das Futter und produzieren dabei unerlässlich Gas und vor allem viel Wärme. Je mehr Futter eine Kuh umsetzt und je mehr Milch sie produziert, umso mehr Wärme entsteht. Diese Wärme muss laufend abgeführt werden. Daher ist für unsere Kühe eine wirkungsvolle Kühlung unerlässlich.

Schwitzen über Lunge
Kühe senken ihre Körpertemperatur vor allem, indem sie trockene Luft einatmen und feuchte Luft ausatmen. Auf diesem Weg scheidet eine Kuh an einem Sommertag bis zu 50 Liter Wasser aus. Das ist die einfachste Kühlmethode für den Wiederkäuer, denn das Schwitzen über die Haut ist weit weniger effizient als das Schwitzen über die Lunge. Trockene Luft hilft nicht nur beim Kühlen, sondern trocknet auch die Liegefläche und den Stallboden, was aus Sicht der Euter- und Klauengesundheit vorteilhaft ist.

Was wird gezüchtet?
Die ideale Temperatur für Kühe liegt zwischen 5 und 15 Grad Celsius. Bei etwa –25 °C beginnt für sie der Kältestress, ab 21 °C der Hitzestress. Bakterien und Viren mögen es warm und feucht, Kühe bevorzugen es kalt und trocken. Was züchte ich nun in meinem Stall? Bakterien und Viren sind immer an Staubpartikel gebunden. Wo viel Staub fliegt, sind auch entsprechend mehr Bakterien und Viren unterwegs. Fliegen belästigen unsere Tiere und übertragen Krankheiten. Sie halten sich vorwiegend an windstillen Plätzen auf. Es verlangt aber niemand, dass ich im Stall auch eine Ecke für die Fliegenvermehrung gestalte. Bereits eine minime Luftbewegung im Stall reicht aus, die Fliegen zum Auszug zu motivieren.

Hitze kostet Geld
Die Kühe kämpfen vom Frühling bis Herbst mit den Temperaturen, nicht im Winter bei null Grad. Die Aussage «Warmstall schlecht, Kaltstall gut» ist falsch. Lediglich die Frage: «Ist im Stall eine ausreichende Frischluftzufuhr möglich?» ist entscheidend. Viele Viehhalter bevorzugen einen stark geschlossenen Stall, da sie bei tiefen Temperaturen in der kalten Jahreszeit einen höheren Futterverzehr befürchten. Sind sie sich aber bewusst, wie viel Geld sie über den ganzen Sommer an jedem Hitzetag im Stall verlieren? In welcher Jahreszeit steigen die Zellzahlen an? Wann schlagen wir uns öfter mit Fruchtbarkeitsproblemen herum? In welchen Monaten sind die Tierärzte vermehrt wegen Acetonämie und Pansenübersäuerung unterwegs? Ihr Tierarzt kennt die Antworten.

Kuhsignale ernst nehmen
Ob die Umgebungsluft den Kühen zur nötigen Abkühlung verhilft, teilen sie uns täglich mit. Leider nehmen einige Tierhalter diese Mitteilungen nicht wahr oder ignorieren sie. Dabei ist die Körpersprache der Kühe klar und unmissverständlich. Atmet die Kuh mehr als 30 Mal pro Minute ein und aus, so sagt sie uns in den meisten Fällen, dass die Umgebungsluft zu warm und zu feucht ist. Fieber, Stress, Lungenprobleme oder auch Blähungen sind in vereinzelten Fällen auch der Auslöser für schnelle Atmung. Entscheidend ist immer, ob nur eine einzelne Kuh «pumpt» oder ob mehre Tiere davon betroffen sind. Viele stehende Kühe sind oft auch ein Zeichen für warme, feuchte Luft im Stall. Vor allem dann, wenn die Liegeflächen optimal wären und die Kühe nicht wegen Lahmheit stehen bleiben. Bei Hitze bleiben Kühe deswegen länger stehen, weil sie dadurch ein bisschen mehr Wärme über die Haut an die Umgebung abgegeben können. So heben auch wir bei Hitze zwischendurch die Arme an um die Achseln zu kühlen.

Tagung: Stallklima optimieren
Einfachste und billigste Möglichkeiten, wie öffnen und herausnehmen von Fenstern, sind ein guter Anfang. An der Tagung «Stallklima optimieren» präsentieren Landwirte, Berater und Forscher Lösungsmöglichkeiten und Umsetzungsbeispiele zur Verbesserung des Stallklimas bei Kühen und Kälbern. Innovative Ideen werden aufgezeigt, spannende Neuigkeiten diskutiert und Hilfsmittel zur Verbesserung des Stallklimas von verschiedenen Firmen direkt präsentiert. Der Kurs richtet sich sowohl an Landwirte mit einem Laufstall wie mit einem Anbindestall.


Christian Manser,
Landwirtschaftliches Zentrum SG,
Fachstelle Rindvieh










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