Ausgabe Nummer 31 (2007)
Mähdreschernostalgie in Schlatt
Für die Jungen Oldtimer und für die Älteren Fortschritt
Im thurgauischen Schlatt hat der Lohnunternehmer Beat Herrmann drei alte Mähdrescher bei der Weizenernte vorgeführt.In den letzten Jahren hat der Schlatter Mähdrescher-Lohnunternehmer Beat Herrmann verschiedene ältere Mähdreschermodelle gesammelt. «Meine beiden Söhne Roman und Thomas haben mir in diesem Sommer keine Ruhe gelassen und stürmten immer wieder, diese Sammlerstücke nochmals einzusetzen, um ihre Einsatzfähigkeit zu testen», begründete Herrmann seine Vorführung am vergangenen Freitagabend in Schlatt. Zum Einsatz kamen dabei ein gezogener Claas und IF sowie ein selbstfahrender Fahr- Mähdrescher. «Alle diese Maschinen sind jahrzehntelang erfolgreich im Einsatz gestanden, bis sie eingemottet worden sind», betonte Herrmann. Mit grosser Spannung erwartete Herrmann und sein Team den Einsatz des Claas. Die Maschine mit Baujahr 1955 verfügt noch über ein, einem Bindermäher ähnliches, seitlich angebautes Mähwerk. Dabei wird das geschnittene Getreide, wie bei vielen Bindemähermodellen, über Transportbänder aus Tuch dem eigentlichen Mähdrescher zugeführt. Etwas moderner präsentierte sich der ebenfalls gezogene IF-Anbaudrescher. Dieser verfügt bereits über ein modernes Frontmähwerk. Viel Beachtung erhielt auch der über 40-jährige, selbstfahrende Fahr-Mähdrescher. Dieser zählte bei seiner Einführung als einer der modernsten Mähdrescher, welcher bereits eine beachtliche Flächenleistung erzielen konnte. «Ich bin erstaunt, wie diese Maschinen eine tadellose Arbeit geleistet haben», bilanzierte Herrmann die Qualität der Arbeit der drei Maschinen. Diese standen über Jahre hinweg nicht mehr im Einsatz und funktionierten jetzt dank guter Wartung und einfacher Technik wieder einwandfrei. Mit der Sommerweizensorte Greina habe man mit seinen speziellen Eigenschaften wie grünes Stroh und Granen (Haare) einen zum Ernten eher schwierigeren Weizen gewählt. Die Ähren waren sauber ausgedroschen und die Körner im Tank ohne einen übergrossen Anteil an Stroh- und Ährenteilen.
Fortschritt und Oldtimer
«Für mich und die junge Generation sind die vorgeführten Mähdrescher bereits Oldtimer», stellte Herrmann fest. Doch seine Eltern erlebten diese dazumal sehr neuartigen Maschinen als technischen Fortschritt. Noch in den Nachkriegsjahren wurde das Getreide vielerorts von Hand gemäht und gebunden. Erst Ende der Vierzigerjahre setzten sich die Bindemäher durch, was bereits eine enorme Arbeitserleichterung zur Folge hatte, indem das Mähen und Binden der Garben die Maschine übernahm. Als Anfang der Fünfzigerjahre die ersten Mähdrescher die Schweiz eroberten, waren viele Bauern noch sehr skeptisch. Doch auch diese Technologie setzte sich in den folgenden Jahrzehnten durch. Die weitläufigen Getreidefelder mit ihren Puppen verschwanden immer mehr aus der Landschaft. Die ersten Mähdreschergenerationen, wie sie in Schlatt zum Einsatz kamen, waren noch einfach und ohne jegliche Elektronik gebaut. Eher schmale Schneidwerke liessen nur kleine Flächenleistungen zu. Motoren waren teuer, deshalb setzte man zu Beginn vielfach auf von Traktoren gezogene und angetriebene Maschinen. Mit 40 bis 60 PS starken Traktoren wurde dazumal gearbeitet. Heute treiben Motoren mit teilweise mehreren Hundert PS die Mähdrescher an.
In der Zwischenzeit setzt Herrmann in seinem Lohnunternehmen auf modernste Mähdrescher, welche von der klimatisierten Kabine bis hin zur elektronischen Überwachung über die neuste Technologie verfügen. Herrmann stellte bei den Vorbereitungen des Anlasses fest, dass sich im Grundsatz bei der Technik und den verschiedenen Verfahrensabläufen für das eigentliche Dreschen im Fahrzeuginnern kaum etwas verändert hat. Das System mit den Sieben und Schüttlern, um die Körner aus den Ähren zu dreschen, ist in jedem Technikschritt, von der altwürdigen stationären Dreschmaschine bis hin zur modernsten Ausführung der heutigen Zeit abgesehen, von den technischen Verbesserungen übernommen worden.
Roland Müller

Der gezogene Claas-Mähdrescher verfügt über ein seitlich angebautes, dem Bindemäher ähnliches Mähwerk. (Roland Müller)
