Ausgabe Nummer 4 (2007)
Mangelware Schweizer Mostobst
Informationsabend der Landi Thur AG in Zuzwil
Bereits zum dritten Mal lud die noch junge Landi Thur AG zum landwirtschaftlichen Informationsabend. Rund 100 Gäste folgten der Einladung und durften von den Erfahrungen eines Branchenleaders in der Mostobstverarbeitung profitieren.Als Schwerpunkt des Abends war der Vortrag des CEO der Thurella Gruppe, Paul Kundert, angesetzt. In den sechs Jahren seiner Tätigkeit beim Unternehmen konnte die Thurella ein steiles Wachstum aufweisen. Die Übernahme des gesamten Aktienpakets der Biotta AG in Jahr 2004 führte zur Erweiterung in den Bereich der Gemüsesäfte. Durch den Kauf des deutschen Gemüsesaftherstellers GESA ermöglichte sich Thurella im vergangenen Jahr auch den Sprung in den EU-Markt.
Hinter dem Erfolg des Unternehmens steht die konsequente Ausrichtung auf lange Wertschöpfungsketten, die sogenannte strategische Wertschöpfung. Von der Obstverarbeitung über die Konzentratherstellung über die Abfüllung bis hin zur Logistik und dem Vertrieb versucht Thurella, so viel als möglich im eigenen Haus zu machen. Ein weiterer Erfolgsfaktor sind innovative, neue Produkte, die laufend kreiert werden.
Apfelsaft ist hoch im Kurs
«Beim Rohstoff ?Mostobst? nähern wir uns in der Schweiz einer Unterdeckung», erklärte Kundert und appellierte an die Produzenten: «Bitte produziert weiter die gute Schweizer Mostobstqualität und pflanzt Bäume! Bringt uns Mostobst mit hohem Säureanteil!»
Der Grund für das heute geringe Mostobstangebot sei hauptsächlich die Fällung vieler Hochstämme als Folge der letzten «Mostobstschwemme». Auf der anderen Seite führe der steigende Inlandabsatz an Apfelsaftprodukten, der heute wieder das hohe Niveau der frühen 1980er-Jahre erreicht hat, zu einer Verknappung des Rohstoffs. Apfelsaft zeigt einen erfreulichen Aufwärtstrend, wohingegen der Apfelweinkonsum seit gut dreissig Jahren stetig zurückgeht.
Politische Veränderungen
Die politischen Voraussetzungen im Mostobstmarkt werden sich in den kommenden Jahren spürbar verändern. Die paritätische Mostobstsammlung, also der Ausgleich der Transportkosten, werde ganz verschwinden, was dazu führe, dass die Produktion in Randgebieten aufgegeben wird beziehungsweise dass ein noch höherer Anteil des inländischen Mostobsts (heute schon 60 Prozent) aus der Ostschweiz stammen wird.
Die Exportbeiträge für die Ausfuhr von Ernteüberschüssen zu Weltmarktpreisen werden ebenso wegfallen.
Für die inländischen Produzenten sei zu hoffen, dass zumindest der Zollschutz soweit gehalten werden könne, dass die Mostobstimporte nicht Überhand nehmen. Der EU-Preis für gute Qualität liege heute schon bei 8 bis 15 Franken pro 100 kg, der Weltmarktpreis gar bei 3 bis 7 Franken pro 100 kg.
Blick in Zukunft
Die Thurella wird vermehrt aktiv in den Mostobstbau investieren und versuchen, über Baumaktionen und Vertragsanbau das einheimische Rohstoffangebot langfristig zu fördern. Um auf die sich abzeichnende Unterdeckung zu reagieren, hat die Thurella die Mostobstbeschaffung auf die ganze Schweiz ausgedehnt. Kundert erklärte offen, dass sich das Unternehmen auch für den Fall rüsten muss, dass der Grenzschutz für Mostobst und Konzentrat wegfällt. Die Thurella befindet sich dafür im Aufbau eines Konzentrat- und Mischlagers.
Andreas Rohner, Thurgauer Bauernverband

