Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Markus Ritter informierte über die aktuelle Agrarpolitik

Ausgabe Nummer 27 (2017)

Nationalrat Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband, thematisierte in seinem Vortrag in Münchwilen die bevorstehende Volksabstimmung betreffend Ernährungssicherheit, den Grenzschutz, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Milchpreise.

Rund 150 Bäuerinnen und Bauern folgten der Einladung der Agroberatungsvereine Lauchetal, Wängi- Aadorf und Thurgau Süd zum Referat «Die aktuellen agrarpolitischen Herausforderungen – wohin führt der Weg?», von Nationalrat Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband. Solche Veranstaltungen seien für ihn sehr wichtig, zum einen könne er über die aktuelle Agrarpolitik informieren und zum anderen erfahre er, wo die Bauernfamilien der «Schuh drücke», sagte Ritter, der im Jahr rund 120 derartige Veranstaltungen besucht. «Es sind wohl noch nie so viele landwirtschaftliche Themen auf dem Tisch gelegen, wie zurzeit», stellte Ritter zu Beginn der Veranstaltung fest.

Wichtige Volksabstimmung
Wichtig sei, dass die Volksabstimmung vom 24. September betreffend Ernährungssicherheit erfolgreich werde. Wie Ritter erklärte haben Bundesrat und Parlament anerkannt, dass der aktuelle Verfassungstext nicht genüge, um längerfristig die Herausforderung der Ernährungssicherheit zu bewältigen und die inländische Produktion sowie die Lebensmittelverarbeitung zu erhalten. Der neue Artikel 104a ergänze den bestehenden Artikel 104 über die Landwirtschaft. Er sei ein Gesamtkonzept und berücksichtige die ganze Wertschöpfungskette – vom Feld bis auf den Teller. «Wir wollen diesen Abstimmungskampf gewinnen und haben eine wirkungsvolle Kampagne ausgearbeitet, die vom stellvertretenden Direktor des Schweizer Bauernverbandes Urs Schneider geleitet wird.»

Grenzschutz ist nicht verhandelbar
Nach Aussagen von Markus Ritter sind auch die Agrarpolitik 2022+ mit künftigen Freihandelsabkommen und der Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln im Fokus der Interessierten. Ein weiteres wichtiges Thema sei der Grenzschutz, der nicht abgebaut werden dürfe. Ritter wörtlich: «Der Grenzschutz ist für die Landwirtschaft nicht verhandelbar und muss im heutigen Umfang erhalten bleiben. Stabilität in der Agrarpolitik ist für die Landwirtschaft sehr wichtig.» Der Referent wies daraufhin, dass bei den Bundesfinanzen das Budget 2018 weiter massiv anwachse. Auf der anderen Seite wolle der Bundesrat bei der Landwirtschaft 100 Millionen Franken einsparen. Dies werde die Landwirtschaft nicht hinnehmen und sich mit aller Kraft dagegen wehren. Er wies auch darauf hin, dass bei den Bauern in den vergangenen 15 Jahren keine Teuerung beim Rahmenkredit aufgerechnet worden sei.

Revision Raumplanungsgesetz 2
Zur zweiten Etappe der Teilrevision des Raumplanungsgesetzes (RPG 2) führt der Bundesrat nach Angaben von Markus Ritter bis Ende August 2017 eine Vernehmlassung durch. In der Kritik stehen insbesondere der Planungs- und Kompensationsansatz, der Mehraufwand, Mehrkosten und die Rechtsunsicherheit. Die Landwirtschaft würde mit dem jetzigen Vorschlag kaum gewinnen, aber in vielen Bereichen massiv eingeschränkt.
Betreffend Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei ein Aktionsplan in Vorbereitung. Ritter mahnte, dass die Pflanzenschutzmittel sorgsam und verantwortungsvoll eingesetzt werden sollen. Er erinnerte daran, dass weniger Pflanzenschutzmittel auch weniger Kosten bedeute. Entscheidend sei aber, dass die Ernten gesichert werden können.

Milchpreise müssen deutlich steigen
In seinen Betrachtungen stellte er fest, dass die Milchproduktion in der Schweiz für die Bauern immer noch der grösste Teilmarkt, die Bedeutung aber abnehmend sei. Matchentscheidend für den Erfolg der Bauern sei ein guter Milchpreis. 50 Rappen pro Kilogramm Milch seien einfach viel zu wenig. Um die Fremdkosten zu decken sei im Talgebiet durchschnittlich ein Preis für Molkereimilch von 65 Rappen notwendig. Unter Einrechnung der Direktzahlungen sind es inklusive Entschädigung der Arbeit der Bauernfamilie 77 Rappen. Man kann auch günstiger Milch produzieren. Dies gehe aber klar auf Kosten des Arbeitsverdienstes und unter 65 Rappen zusätzlich auf Kosten der Substanz. «Dies hält über längere Zeit niemand durch.» Ritter erklärte, dass der Schweizer Bauernverband die Öffentlichkeit weiter informieren werde, um auch für die Bauern eine faire Wertschöpfung zu erzielen. Bauern seien Unternehmer und müssen selber entscheiden, wo sie investieren wollen. Unter den jetzigen Vorzeichen sei aber mit Molkereimilch, auch in grossen Betrieben, kein Geld zu verdienen.

Klagen über rücksichtlose Kontrollen
Ein Versammlungsteilnehmer wollte vom Präsidenten des Schweizer Bauernverbandes wissen, wie er als praktizierender Bio-Bauer den Bio-Markt beurteile? Ritter ist überzeugt, dass Bio-Produkte in der Schweiz weiter an Bedeutung gewinnen. Bio-Produkte werden durch ihre umweltfreundliche Produktion geschätzt. Wichtig sei aber, dass eine Zunahme der Produktion durch eine höhere Nachfrage am Markt ausgelöst werde. Ein Bauer beklagte sich über die Kontrollen auf den Bauernhöfen, die teilweise arrogant durchgeführt werden. Den Kontrolleuren gehe es in erster Linie darum Fehler zu finden, welche grosse Bussen für die Landwirte verursachen. Ritter empfahl den Bauern, ruhig Blut zu bewahren und sich gegebenenfalls bei den amtlichen Stellen für ihr Recht zu wehren.
Thomas Bruggmann, Präsident Agroberatungsvereine, sprach von einem interessanten Referat, welches den Bauern und Bäuerinnen Mut mache. Er freute sich auch über den grossen Zuschaueraufmarsch.


Mario Tosato










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