Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Marssonina coronaria im Hochstamm-Apfelanbau

Ausgabe Nummer 47 (2014)

In diesem Herbst konnten in vielen Hochstammobstgärten Bäume mit verstärktem frühzeitigem Blattfall beobachtet werden. Einerseits kann starker Schorfbefall zu einem frühen Blattfall führen. Im September 2010 konnte in der Ostschweiz erstmals die neue Blattkrankheit Marssonina coronaria nachgewiesen werden, welche in diesem Herbst verstärkt auftrat.

Die Krankheit wurde in Japan im Jahr 1907 als Ursache von Blattflecken und vorzeitigem Blattfall beschrieben. Sie ist jetzt in Asien aber auch in Nordund Südamerika und in Europa verbreitet. Erste Krankheitssymptome waren bereits Ende Juni feststellbar. Zuerst sind braun-violette Blattflecken auf der Blattoberseite zu beobachten, welche sich dann zu grösseren, unregelmässigen, braunen bis schwarzen sternförmigen Flecken entwickeln. Die Blätter werden dann zum Teil gelblich und fallen zu Boden. Der frühzeitige Blattfall ist bereits ab August sichtbar und kann bis im Oktober die Bäume ganz entblättern, so dass nur noch Früchte am Baum hängen. Der Blattfall beginnt zuerst im Bauminnern, wo die Blätter länger feucht sind. Je nach Sorte tritt der Befall unterschiedlich stark auf. Der Blattfall hat negative Auswirkungen auf die Fruchtgrösse und Fruchtausfärbung und wirkt sich bei starkem Befall negativ auf die Blütenknospen für das folgende Jahr aus. Der Pilz überwintert im Falllaub, die Sporen werden durch Wind und Regen verbreitet. Für Infektionsbedingungen braucht es Temperaturen von mindestens fünfzehn Grad und eine Blattnassdauer von mindestens acht Stunden. Mit höheren Temperaturen und Blattnässe steigt das Infektionsrisiko. Im vergangenen Sommer waren daher für die Verbreitung der Marssonina-Krankheit die Bedingungen äusserst ideal. Die Sortenanfälligkeit muss noch genauer untersucht werden. Besonders anfällig sind Topaz, Rubinola, Boskoop, Jerseyred.
Die Krankheit tritt hauptsächlich auf Bäumen ohne oder reduziertem Pflanzenschutz auf (Hochstammobstbau, Bio-Obstbau, Hausgärten). So muss angenommen werden, dass die Krankheit mit den herkömmlichen Fungiziden, die zur Bekämpfung von Schorf, Mehltau und Lagerkrankheiten eingesetzt werden, in der Regel miterfasst wird. Bis Mitte Juni wird das herkömmliche Pflanzenschutzprogramm für den Mostapfelanbau durchgeführt (Austrieb, Vorblüte, Nachblüte, Mitte Juni). Für die Bekämpfung der Marssonina-Krankheit sind Ende Juni, Mitte Juli, Ende Juli und eventuell noch Mitte August total drei bis vier zusätzliche Behandlungen notwendig. Die Bekämpfung ist stark abhängig von der Witterung, das heisst: es gilt die anfälligen Sorten in der Hauptinfektionszeit vorbeugend zu behandeln. Dabei ist eine gute Applikationstechnik notwendig. Der Einsatz erfolgt vor längeren Regenperioden, die eine mehrtägige Blattnassdauer zur Folge haben. Mögliche Mittel: Difenoconazol (Slick und weitere + Captan), oder Kresoximmethyl (Stroby WG + Captan), Trifloxystrobin (Flint/Tega + Captan) oder Myco-Sin (Bio).


BBZ Arenenberg,
Obstbau,
Ueli Henauer







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