Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Martin Kilchmann in Osterfingen geehrt

Ausgabe Nummer 41 (2016)

Erstmals Blauburgunder des Jahres ernannt

Im Rahmen des Osterfinger Herbstsonntages ist an der Geburtstagsfeier des Blauburgunderlandes erstmals die Auszeichnung Blauburgunder des Jahres verliehen worden. Der Preis geht an den Weinjournalisten Martin Kilchmann, welcher eine enge Freundschaft mit dem Blauburgunder pflegt.

Am 15. Geburtstag des Blauburgunderlandes war in diesem Jahr vieles neu. Statt wie jeweils am ersten Hallauer Herbstsonntag in der Schaffhauser Weinmetropole, wurde die Feier erstmals in Osterfingen in der renovierten Bergtrotte am traditionellen Osterfinger Trottenfest und zugleich am letzten Herbstsonntag im Blauburgunderland durchgeführt. «In Lateinamerika ist der 15. Geburtstag ein wichtiges Alter, was mit grossen Festen gefeiert wird», hielt Pablo Nett, Präsident des Branchenverbandes Blauburgunderland fest. «Wir haben in den letzten Jahren einiges erreicht, und freuen uns, nun erstmals hier im Leuchtturm im Blauburgunderland den Titel Blauburgunder des Jahres zu vergeben.» In der Person von Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel hat das Blauburgunderland eine tolle Fürsprecherin im Schaffhauser Regierungsrat. Als Rebfrau ist sie täglich mit den Sorgen, Nöten, aber auch Freuden im Rebberg konfrontiert. «Ich darf euch heute zum 15. Geburtstag herzlich gratulieren. Es wurde schon sehr viel erreicht, und der Medaillensegen mit über 350 Auszeichnungen darf sich sehen lassen», so ihre Grussbotschaft. Sie machte aber deutlich, dass ihnen dieser Erfolg nicht einfach in den Schoss gefallen ist. Alle haben auf ein Ziel hingearbeitet um gemeinsam zum erfolgreichsten Deutschschweizer Weinbaukanton zu werden. «Ganz wesentlich haben aber die rund 500 Schaffhauser Rebleute zum Erfolg und Titel beigetragen», so Widmer Gysel. Bezüglich der Titelbezeichnung gab sie aber ihrer Hoffnung Ausdruck, dass er nicht nur den Männern offensteht. Doch der Vorstand der Branche hat entschieden, und es lag nun an Branchengeschäftsführer Beat Hedinger das Geheimnis zu lüften.

Spannung bis zum Schluss
«Es gäbe viele Personen, welche diese Ehre verdienten, und alle hätten diesen Titel verdient», hielt Beat Hedinger in seiner kurzen Laudatio fest. Er wies darauf hin, dass das Blauburgunderland mit diesem Titel einer ganz gewissen Person Danke sagen dürfe, aber ihn nicht auf den goldenen Sockel stellen wolle. «Unser Preisträger ist mit Jahrgang 1956 im besten Alter, versteht sehr viel von Wein und ist seit der Gründung des Blauburgunderlandes im Beirat dabei. Er ist ein ehrlicher Freund im Blauburgunderland.» Damit war klar, wer der erste Blauburgunder des Jahres werden würde. Mit der Person Martin Kilchmann wurde einem Weinjournalisten dieser Titel zugesprochen, welcher sich sehr stark engagiert und mit viel Herzblut für den Blauburgunder im Blauburgunderland eingesetzt hat. Kilchmann ist heute als freischaffender Weinjournalist tätig. «Ich bin noch nie so mit Lob verwöhnt worden und habe mich sehr über diese Anfrage gefreut», hielt der Preisträger in seiner Antwort fest. «Der Pinot Noir ist meine Lieblingsrebsorte und meine Beziehungen zu Schaffhausen und dem heutigen Blauburgunderland begannen bereits über unsere Haushaltslehrtochter, welche aus Neuhausen kam und mich mehrmals mit nach Hause nahm, wo ich den Rheinfall, den Munot und auch das Klettgau kennenlernen durfte. Zugleich haben wir Kinder immer an den Festtagen mit Rimuss anstossen dürfen», liess er seine Erinnerungen aufleben. Später, während der Studienzeit, war es der Graf von Spiegelberg, welcher ihm sehr nahestand. Im Blauburgunder sieht er das grosse Potenzial für einen tollen Wein. Besonders verwies er auf das gemeinsame Produkt Zwaa, welches er seit 20 Jahren begleiten darf und für ihn heute der bekannteste Schaffhauser Wein ausserhalb der Kantonsgrenzen ist. «Mit der Zeit ist bei den Schaffhauser Weinmachern auch das Selbstbewusstsein gewachsen, und das Blauburgunderland ist eine Erfolgsgeschichte », so Kilchmann. Er mahnte aber alle dazu, trotz der vielen Medaillen, die Selbstkritik nicht zu verlieren. «Der Trend zu süssen Weinen darf durchaus hinterfragt werden. Der Pinot sollte dank seinen besonderen Eigenschaften trocken sein», so der kleine Mahnfinger von Kilchmann.

Etwas Wetterpech beim Trottenfest
Gleichzeitig mit dem offiziellen Festakt in der Bergtrotte feierte man in ganz Osterfingen das traditionelle zweitägige Trottenfest, welches jeweils den Reigen der Klettgauer Herbstsonntage beendet. Das ganze Fest wurde unter das Motto «Mach mal Pause » gestellt. «Was gibt es Schöneres im Herbst als ein Spaziergang durch die herrlich bunten Rebberge rund um Osterfingen? Das ist Balsam für Herz und Seele. Im einladend geschmückten Osterfingen erwartet Sie die pure Gastlichkeit.» Im ganzen Dorf, vom Bad Osterfingen bei Meyers, vorbei am Weingut Lindenhof, Weingut Stoll, Weingut zum Hirschen und Deuber Weinbau konnte die enorm grosse Vielfalt an Rot- und Weissweinen aus den etwas mehr als 30 Hektaren Reblagen kredenzt und verkostet werden. Gleichzeitig kam das Kulinarische in den verschiedenen Festbeizli, wo immer auch der passende Wein nicht fehlen durfte, nicht zu kurz. Stände mit regionalen Produkten, Kinderattraktionen und musikalische Unterhaltung sorgten für eine Bereicherung des Trottenfestes, wo auch die Fahrt mit dem Pferdefuhrwerk nicht fehlen durfte. Einzig am Sonntagmittag war das Wetter etwas der Spielverderber, indem sich der Himmel verdeckte und Tränen für das schöne Fest weinte.


Roland Müller













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