Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Oktober 2018


Maschinenkauf will geplant und abgeklärt sein

Ausgabe Nummer 49 (2014)

Jahresversammlung VTL/Landtechnik

Vor den Mitgliedern der VTL/Landtechnik zeigte Ueli Lehmann in Weinfelden auf, was beim Maschinenkauf und bei der Maschinenbewertung zu beachten ist. Der Kauf von Maschinen ist anspruchsvoll und soll gut überlegt sein. «Wir müssen dabei abwägen, ob eine neue Maschine oder eine Occasion angeschafft werden soll», führte Ueli Lehmann vom Bildungszentrum Salez aus. Wer hohe Auslastung und Zuverlässigkeit anstrebt und nicht von laufend neuen Reparaturen überrascht werden oder eine Anschaffung über Leasing finanzieren will, muss gemäss Lehmann auf eine neue Maschine setzen. Ist die Auslastung kleiner, und führt ein Ausfall nicht gleich zum Chaos, bietet sich der Kauf einer Gebrauchtmaschine an. Wenn der Halter selbst in der Lage ist, allfällige Reparaturen auszuführen und zugleich bereit ist, ein gewisses Risiko zu tragen, spricht dies auch für eine solche Maschine.
Was ist ein Traktor mit Baujahr 2005 und 4900 Stunden bei einem Neupreis von 98 000 Franken, zusätzlich eines Frontladers für 14 000 Franken, noch wert, wollte Lehmann von den Versammlungsteilnehmern wissen. In der Zwischenzeit ist der Euro massiv gesunken, was sich direkt auch auf den Occasionspreis mit Druck nach unten auswirkt. Der damals bei einem Kurs von 1.55 Franken für 72 260 Euro ausgewiesene Neupreis liegt heute noch, umgerechnet auf den tieferen Kurs, bei 88 160 Franken, was auch den Occassionswert des Traktors schwinden lässt. Beim Kauf einer Occasionsmaschine gilt es aber Verschiedenes zu beachten, um nicht unbedacht Fehler zu machen. «Bei einem Probeeinsatz eines Traktors sollte dieser auch wirklich gefordert werden, um allfällige Mängel aufzudecken. Zudem sind das Alter bei der ersten Immatrikulierung wie auch das Datum der letzten Motorfahrzeugkontrolle zu beachten», so Lehmann. Weiter rät der Maschinenberater dazu, das Serviceheft mit den entsprechenden Einträgen zu kontrollieren. Oftmals kann man sich aber auch nicht nur auf die Angaben des Stunden-, Ballenoder Fasszählers verlassen, da sie sich leider immer wieder manipulieren lassen. Beim Kauf von Maschinen ab Platz rät Lehmann in jedem Fall dazu, einen schriftlichen Vertrag aufzusetzen und die Einsatzbereitschaft zu prüfen. Zudem sind Werkstatt- und Herstellergarantieren genau abzuklären.

Maschinenkauf im Ausland
«Für uns ist das Internet der grösste Feind im Maschinenhandel », habe ihm kürzlich ein Landmaschinenhändler geklagt, erklärte Lehmann. Für ihn ist aber klar, dass dieses neue Kommunikationsmittel Transparenz schafft, es ermöglicht auch den Kauf von Maschinen im Ausland. Doch nicht jedes vermeintlich attraktive Schnäppchen im Internet hält, was es verspricht. Lehmann zeigte dies anhand des Kaufs eines Traktors aus Frankreich auf. Dabei machte er deutlich, dass der Kaufpreis nur eine Seite der Medaille ist. So addierten sich zum bar geleisteten Kaufpreis von 24 650 Franken Transportkosten, Mehrwertsteuer, Typengenehmigung und weitere Kosten, sodass zusätzlich 10 000 Franken aufgewendet werden mussten. Ein aufgetretener Schaden am Zapfwellengetriebe wäre ein Garantiefall für den Verkäufer gewesen. «Er hätte mich wohl ausgelacht, wenn ich auf dieses Recht gepocht hätte», so Lehmann. Deshalb sein Rat: vorgängig abklären, wer der Verkäufer ist. Das Kaufobjekt erst beim Aufladen bezahlen, das Einlösen in der Schweiz zuerst abklären. Grundsätzlich ist bei Occasionsmaschinen der Garantieanspruch fraglich. Zudem sollte nach Möglichkeit der lokale oder regionale Händler involviert werden.


Roland Müller




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