Ausgabe Nummer 15 (2010)

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Maschinenkosten und Ernteverluste

Die Weizenernte ist stark abhängig von den Wetterbedingungen, was am Beispiel der Region Frauenfeld untersucht wird. Eine grössere Mähdrescherdichte in einer Region reduziert das Risiko von Ernteverlusten. Wirtschaftlich kann es aber durchaus Sinn machen, Verluste in Kauf zu nehmen.

 

Wenn der Weizen reif für die Ernte ist, wünscht man sich ein stabiles Hochdruckgebiet, das am besten zwei Wochen lang anhält. Leider ist dies zwischen Ende Juli und Mitte August selten der Fall. Starke Niederschläge, die über mehrere Tage anhalten können, sind möglich. Hört der Regen auf, sind Stunden allenfalls Tage nötig, bis das Getreide getrocknet ist und tatsächlich eine Erntegelegenheit besteht. Nun ist eine hohe Schlagkraft gefragt. Eine grosse Anzahl Mähdrescher gewährleistet ein schnelles Einbringen der Ernte und reduziert Ernteverluste in Form von Nachtrocknen und Auswuchs. Viele Maschinen sind aber auch infolge tieferer Auslastung mit höheren Maschinenkosten verbunden. Letztlich wird ein vermindertes Risiko von Ernteverlusten durch höhere Maschinenkosten ersetzt.

 

1000 Hektaren Weizen

Mähdrescher werden in den Regionen überbetrieblich eingesetzt. Das Untersuchungsobjekt war deshalb nicht ein einzelner Betrieb, sondern eine Fläche von 1000 Hektaren Weizen. Die Kosten der Weizenernte werden simuliert, indem wir einerseits die Maschinenkosten und andererseits die Kosten infolge Ernteverluste betrachten. Dabei verändern wir die Anzahl Mähdrescher, die für die 1000 Hektaren zur Verfügung stehen. Wir starten mit fünf Mähdreschern und erhöhen die Anzahl in Fünferschritten bis auf 50 Mähdrescher. Ausgehend von der Anzahl Mähdrescher erfolgt das Berechnen der Maschinenkosten. Diese sind von der Auslastung, sprich von der Anzahl Hektaren pro Mähdrescher, abhängig.

 

Wenige Erntestunden

Es stellt sich die Frage, wie viele Erntetage zur Verfügung stehen. Dabei kommt der Keimruhe, also der Zeit, die bis zum erneuten Auskeimen des Korns verstreicht, eine wichtige Bedeutung zu. Wir nehmen an, dass die Keimruhe fünf Tage dauert. Da verschiedene Sorten auf der betrachteten Fläche zum Anbau kommen, können wir eine Verzögerung der Keimruhe von sieben Tagen annehmen. Es resultiert eine Zeitdauer von 12 Tagen für die Ernte. Danach muss mit Auswuchs beziehungsweise Ernteverlusten gerechnet werden. Wichtiger als die Dauer der Keimruhe sind die Wetterbedingungen, wozu die Wetterstatistik der Region Frauenfeld als Basis dient: Im langjährigen Durchschnitt kann zwischen Ende Juli und Mitte August an der Hälfte der Tage geerntet werden. Bezogen auf das einzelne Jahr gibt es starke Abweichungen sowohl nach unten als auch nach oben. Dies wird berücksichtigt.
Der Feuchtigkeitsgehalt der Getreidekörner spielt eine Schlüsselrolle. Erfahrungsgemäss beträgt er während sechs Stunden maximal 15 Prozent. Dies ist optimal, ein kostspieliges Nachtrocknen entfällt. Während vier weiterer Stunden gilt es die Kosten für das Nachtrocknen zu berücksichtigen.

 

Totale Kosten

Zählen wir die Maschinenkosten und die Kosten infolge von Ernteverlusten zusammen, erhalten wir die totalen Kosten. In Tabelle 1 sind sie für alle untersuchten Fälle zusammengestellt und auf eine Hektare umgerechnet. Eine grafi sche Darstellung befi ndet sich in Abbildung 1. Bei fünf Mähdreschern kann nur ein kleiner Teil der Ernte unter guten Bedingungen eingebracht werden. Der überwiegende Teil muss nachgetrocknet werden. Zudem ist eine grössere Menge von Auswuchs betroffen. Entsprechend hoch sind die Ernteverluste pro Hektare mit 735 Franken. Umgekehrt sind die fünf Mähdrescher sehr gut ausgelastet, was sich in tiefen Maschinenkosten von 237 Franken pro Hektare niederschlägt. Totalfallen Kosten von 972 Franken an. Mit zunehmender Anzahl Maschinen sinken die Ernteverluste auf rund 35 Franken. Wegen extremer Jahre mit anhaltend schlechter Witterung sinken die Ernteverluste nicht auf null Franken ab. Die Maschinenkosten steigen bis 1035 Franken an (50 Mähdrescher). Das Minimum der totalen Kosten wird bei 20 Mähdreschern erreicht und beträgt 611 Franken pro Hektare.

 

Aussagen für die Praxis

In den Simulationsrechnungen gehen wir unter anderem von einer perfekten Wetterprognose aus. Auch wenn dies für die Praxis unrealistisch ist, können denoch Empfehlungen abgeleitet werden. Das Zulassen von Ernteverlusten kann wirtschaftlich Sinn machen kann. Dies ist dann der Fall, wenn die Einsparungen von Maschinenkosten grösser sind als der Ernteverlust. Beispielsweise trifft dies bei einer Reduktion der Mähdrescher von 25 auf 20 zu. Die Maschinenkosten sinken um 92 Franken, während die Ernteverluste um 37 Franken zunehmen. Damit reduzieren sich die totalen Kosten um 55 Franken pro Hektare.
Wie könnte dies konkret aussehen? Ähnlich wie bei der Ernteorganisation der Zuckerrüben könnten mehrere Landwirte mit einem Lohnunternehmer die Reihenfolge der Schläge vor der Ernte festlegen. Durch die bessere Auslastung können alle von tieferen Maschinenkosten profi tieren. Gleichzeitig müsste eine Vereinbarung getroffen werden, dass allfällige Ernteverluste von allen Beteiligten solidarisch getragen würden.

 

Markus Lips, Leiter der Forschungsgruppe Betriebswirtschaft von Agroscope Reckenholz- Tänikon ART.