Ausgabe Nummer 24 (2004)

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Mehr Milch pro Fläche statt pro Kuh

Gut besuchte regionale Graslandtagung in Oppikon
 
Mehr Milch pro Fläche statt pro Kuh
 
Auf grosses Interesse stiess die regionale Graslandtagung in Oppikon am Donnerstag letzter Woche. Experten aus verschiedenen Fachgebieten referierten zu Themen rund um die Grünlandbewirtschaftung.
 
Der Schopf als Schulstube. Matthias Stettler von der SHL Zollikofen diskutierte mit den Graslandtagungs-Teilnehmern über Weidestrategien und Weideführung. (hil)
 
Bei klassischem «Scheunentorwetter» versammelten sich am letzten Donnerstag in Oppikon schätzungsweise 80 bis 90 Landwirte in Oppikon zur regionalen Graslandtagung der vier AgroBeratungsvereine «Am Nollen», Bissegg, Braunau und Bussnang. Referenten aus Beratung und Forschung informierten über neueste Trends in der Graslandbewirtschaftung. Einen Schwerpunkt bildete dabei das Thema Weidemanagement. Der gastgebende Betrieb von Doris und Andreas Guhl stand mit seinen Kurzrasenweiden für eine der möglichen Weidestrategien.

Gras ist günstig
Futterbauberater Bernhard Kraft vom LBBZ Arenenberg zeigte auf, wie verschieden teuer die Rationen für ein Kilogramm Milch abhängig von den Komponenten sind. Deutlich am günstigsten sind dabei reine Gras- und Weiderationen. Je mehr Dürrfutter oder Silage in der Ration übers ganze Jahr sind, desto teurer wird das Futter für ein Kilogramm Milch (siehe Grafik). Das heisst: Weiden zahlt sich aus. Dies bestätigt der Landwirt und «Weidepionier» Paul Christen aus Wäldi. Während der Weidesaison sind die Kühe nur zum Melken im Stall, sonst haben die Tiere Tag und Nach freien Zugang auf die Kurzrasenweide, wo sich auch eine Tränkestelle befindet. Pro Kuh stehen 20 Aren zur Verfügung. Die grosse Herausforderung dabei ist es herauszufinden, wie viel im Stall noch zugefüttert werden soll. «Im Stall soll nur so viel zugefüttert werden, wie der Betriebsleiter geben will und nicht so viel, wie die Kühe fressen wollen», war als Hinweis zu hören.

Mit viel Weide zum Erfolg
Matthias Stettler von der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen zeigte am Beispiel des Betriebes Waldhof in Langenthal, wie ein moderner Weidebetrieb heute aussehen kann. Wichtig sei es auf jeden Fall, das einmal gewählte Weidesystem konsequent durchzuziehen, zitierte er eine der Kernaussagen von Weidepionieren (siehe Kasten). Im Beispiel «Waldhof» werden sechs Hektaren Grünland als Kurzrasenweide genutzt. Die arrondierte Fläche wird mit (durchschnittlich) 15,2 Kühen bestossen, was gut 2,7 Kühe pro Hektar und Jahr macht. Der Weidebeginn ist am 17. März, Ende der Weidesaison ist am 21. November. Die Kühe kalben saisonal ab, das heisst, zur Winterszeit stehen die meisten Tiere galt. Gekalbt wird im Januar und Februar. Mit Beginn der Grünfütterungszeit wird die Winterration langsam, aber stetig durch Gras von der Weide abgelöst. Im April/Mai wird von den sechs Hektaren Weide die Hälfte für die Winterfütterung konserviert, vom zweiten Aufwuchs sind es noch zwei Hektar, und vom dritten Aufwuchs schliesslich noch eine Hektar. So werden Angebot und Nachfrage auf der Kurzrasenweide gesteuert. Dieses Weidesystem nach neuseeländischem Vorbild ermöglicht es, dass von sechs Hektaren Grünland 110 000 kg Milch «geerntet» werden können. Für ein konsequentes Weidesystem braucht es gemäss Stettler ein Umdenken. «Nicht möglichst viel Milch pro Kuh ist das Ziel, sondern möglichst viel Milch pro Fläche.» Ein Nachteil dieses Systems blieb an der Tagung nicht unerwähnt: Die Milchproduktion ist dann am höchsten, wenn der Milchpreis am tiefsten liegt. Doch Stettler beruhigte: «Dank tieferen Kosten können Sie tiefere Milchpreise auffangen – auch wenn der Preis noch weiter fällt.»
Ein weiteres Thema an diesem informativen Nachmittag waren Bestandeslenkung und Wiesenerneuerung. Letzteres wurde im Thurgauer Bauer vom 12. März (Nr.11) ausführlich behandelt. Bei Kaffee und Kuchen blieb den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Graslandtagung anschliessend noch einige Zeit zum Fachsimpeln. (hil)

Mehr zum Thema Milchproduktion und Weidesystem unter www.profi-lait.ch
 

Kernaussagen der Weidepioniere

  1. Gewähltes Weidesystem konsequent durchziehen
  2. Weidebeginn: Mitte März; Vollweidebeginn: Anfang April
  3. Besatzstärke immer im Auge behalten und rasch anpassen
  4. Zufütterung nur bei extremer Futterknappheit
  5. Kein Weideputzen (Nachmähen)
  6. Intensive Düngung (100 bis 150 kg N/ha)
  7. Trittschäden sind kein Problem
 
 
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