Ausgabe Nummer 38 (2008)

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Mehrmengen zerstören den Milchpreis

Milchmanifestation vor der Käse-Reifungs AG in Weinfelden

Rund 100 Käsereimilchproduzenten aus der Ostschweiz zeigten sich vor dem Lager der Käse-Reifungs AG in Weinfelden solidarisch mit ihren Westschweizer Kollegen, die am Montag vor dem Lokal in Pringy FR, wo die Preisverhandlungen mit der Sortenorganisation Gruyère AOC stattfanden, manifestierten.

«Es kann kein Zufall sein, dass am Vorabend unserer Manifestation, im Wirtschaftsmagazin Eco des Schweizer Fernsehens über den Butterberg berichtet und die Behauptung aufgestellt wird, dass der Export von Emmentalerkäse in die EULänder rückläufig sei, weil den Milchproduzenten 6 Rappen mehr bezahlt werden müsse», empörte sich Martin Haab, Kopräsident BIG-M (Bäuerliche Interessengemeinschaft für Marktkampf). Dabei hätten die wenigsten Käsereien ihren Milchlieferanten die Milchpreiserhöhung von 6 Rappen überhaupt gewährt. Überhaupt zeichne sich in den 15 Wochen nach dem Milchstreik ein düsteres Bild ab. Die Verarbeiter versuchten nun mit allen Mitteln, die Milchpreiserhöhung ins Wanken zu bringen. Dabei komme ihnen entgegen, dass aktuell in ganz Europa zu viel Milch auf dem Markt sei.

Überschüsse sind sinnlos
Nach Haabs Ansicht verschweigen die Verarbeiter wohlweislich die Gründe, welche zu dieser Situation führten. Bis am 30. April 2009 bestehe die stattlich kontrollierte Mengesteuerung. Deshalb müsse das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Mehrmengenprojekte bewilligen, was es auch grosszügig tue. So habe das BLW im vergangen Jahr mit dem Instrument der Mehrmengenbewilligung die Milchmenge um 6 Prozent erhöht. «Eine Mehrmenge, welche fern jeder Marktlogik liegt», so Haab. Nach seiner Meinung läuft der Milchmarkt in der Schweiz zusehends aus dem Ruder. Trotzdem bewillige das BLW wöchentlich Millionen von Litern zusätzliche Mengen. Und die Verarbeiter beantragen laufend weitere Gesuche für Mehrmengen, welche die Bauern melken sollten. Alleine in den vergangenen vier Wochen wurden vom BLW weitere 25 Millionen Kilogramm Milch bewilligt. «Überschüsse sind sinnlos und reine Ressourcenverschwendung. Sie haben nur einen Zweck, dem Produzenten den Preis zu vernichten. Eine so verstandene Partnerschaft mit den Verarbeitern lehnen wir ab», so Haab.

Milchbauern sind keine Sklaven
Geradezu widerlich sei, wie die Produzenten von Käsereimilch hingehalten werden. Diese produzieren mit höheren Kosten, da nur mit silofreier Milch der einzigartige Rohmilchkäse hergestellt werden könne. Bis heute hätten die Produzenten von Käsereimilch von der Preiserhöhung noch gar nichts gesehen. Deshalb unterstützte BIG-M die Forderungen der Westschweizer Kollegen. Danach soll den Produzenten von Käsereimilch rückwirkend auf den 1. Juli die versprochenen 6 Rappen pro Liter Milch nachgezahlt werden. Zudem sollen die Verarbeiter für ihre gezielte Strategie der Überproduktion zur Rechenschaft gezogen werden. «Sie müssen für den Schaden aufkommen, welche sie den Produzenten verursachten», fordert Haab. Werner Locher, Sekretär BIG-M, verlangt, dass die Allgemeinverbindlichkeit für Selbsthilfemassnahmen auch nach dem Ausstieg aus der staatlichen Milchkontingentierung gesetzlich festgehalten werden müsse. Hans Stalder, Präsident der Neuen Bauernkoordination Schweiz, stellte fest, dass die Verarbeiter mit der Mehrmengengarantie versuchen, die Milchpreise kaputt zu machen. Er forderte die Verbandsvertreter auf, sich vermehrt für einen fairen Milchpreis einzusetzen. «Die Milchbauern dürfen nicht weiter wie Sklaven gehalten werden», zürnte Stalder.

Mario Tosato


Rund 100 Milchproduzenten aus der Ostschweiz nahmen an der Manifestation vor dem
Lager der Käse-Reifungs AG teil. (tos)
Rund 100 Milchproduzenten aus der Ostschweiz nahmen an der Manifestation vor dem Lager der Käse-Reifungs AG teil. (tos)