Ausgabe Nummer 8 (2008)
Migros reagiert auf Global Players
Agrarfreihandelsabkommen mit der EU bereitet den Gemüseproduzenten Sorgen
Andreas Allenspach, Migros Genossenschaftsbund, stellte an der Jahresversammlung der Gemüseproduzentenvereinigung in Tägerwilen die Strategien auf die sich anbahnenden Marktveränderungen vor.In seinem ersten Jahresrückblick als Präsident der Gemüseproduzentenvereinigung Thurgau und Schaffhausen sprach Hans Ott an der Jahresversammlung von einem für die Region erfreulichen Jahr. «Von der momentan guten Situation blicken wir aber mit einiger Sorge zum politischen Himmel. Mit der Diskussion um ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU sind wir gezwungen, eine möglichst realistische Beurteilung der Produktions- und Marktfaktoren vorzunehmen», so Ott. Damit die Gemüsebranche bei einem allfälligen EU-Agrarfreihandelsabkommen überleben könne, brauche es flankierende Massnahmen und verträgliche Lösungen, die dem Berufsstand solide Perspektiven bieten. Als weitere wichtige Themen für die Zukunft nannte Ott Weiterbildung, Raumplanung, Marketing, Pflanzenschutz und Energie. Bei der Neuorganisation der Thurgauer Landwirtschaft möchten sich die Gemüseproduzenten stärker einbringen.
Bereitstellung von Grundlagenmaterial
Laut Peter Konrad, Leiter Fachstelle Gemüse- und Beerenbau am Bildungsund Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg, hat sich ein Mitarbeiter seiner Fachstelle ausschliesslich mit der Ausarbeitung von Grundlagenmaterial für das Agrarfreihandelsabkommen mit der EU und der Raumplanung befasst. Auf Mitte Jahr sei der Fachstelle die Aufstockung um eine Person bewilligt worden. Diese werde sich mit der Beratung im Bereich Arbeits- und Betriebswirtschaft, Finanzplanung und der überbetrieblichen Zusammenarbeit befassen. Damit sollen die Betriebe auf die kommenden Strukturveränderungen getrimmt werden. Das Projekt Minikiwi entwickle sich weiterhin erfreulich, freut sich Konrad. So konnte die Anbaufläche auf fünf Hektaren ausgebaut werden. Im vergangen Jahr wurde der Anbau von Essiggurken mit acht Produzenten und einer Anbaufläche von fünf Hektaren neu lanciert.
Schweizer Markt neu aufmischen
Auf grosse Beachtung stiess das Referat «Entwicklungstendenzen im schweizerischen Detailhandel» von Andreas Allenspach, Leiter Category Management Früchte und Gemüse des Migros Genossenschaftsbunds Zürich. Nach seinen Aussagen wollen die Weltnummer 10 (Aldi) und 11 (Lidl) mit ihrer Marktpotenz den Lebensmittelhandel in der Schweiz aufmischen. Zum Vergleich belege die Migros weltweit Position 53. Der Schweizer Markt sei aber speziell, das zeige Carrefour (Weltnummer 2), welche zwei Fehlversuche hinter sich habe. Dennoch werde die Migros ihre Strategie den neuen Herausforderungen anpassen und die Kräfte bündeln. So werden unter anderem die Konzernabläufe überprüft und «schlanker » gestaltet. Dabei seien Grossplattformen für die Belieferungen von Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten sowie Obst eingerichtet worden. Damit können die Abläufe gestrafft und die Kosten gesenkt werden.
Mario Tosato

Peter Konrad, Andreas Allenspach und Hans Ott (von links) im Gespräch über EU-Agrarfreihandsabkommen und Tendenzen im Detailhandel. (tos)
