Ausgabe Nummer 28 (2005)

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Milch bleibt in der Region

Die Käsereien Ammenhausen, Herdern und Lanzenneunforn planen den vorzeitigen Ausstieg

Milch bleibt in der Region

Die drei Käsereigenossenschaften Ammenhausen, Herdern und Lanzenneunforn haben vor Kurzem gemeinsam beschlossen, der Produzenten-Milchverwerter-Organisation (PMO) Thurgau-Fürstenland beizutreten. Damit werden die Landwirte und Käser vom Seerücken den vorzeitigen Ausstieg aus der Milchkontingentierung auf den 1. Mai 2006 vornehmen.

Rohmilch-Käsereien für den vorzeitigen Ausstieg (von links nach rechts:) Simon Blum, Käser in Ammenhausen, Andi Meili, Käsereigenossenschaft Herdern, Markus Hug, Käsereigenossenschaft Herdern, und Niklaus Dähler, Käsereigenossenschaft Ammenhausen.

Knapp drei Millionen Kilogramm Milch werden in den Käsereien in Ammenhausen, in Lanzenneunforn und im Schloss Herdern verarbeitet. Ihnen gemeinsam ist die kleingewerbliche Struktur und die Tatsache, dass in allen Betrieben Rohmilchkäse aus silofreier Milch hergestellt wird. Gerade Letzteres war sowohl für die beteiligten Käser als auch für die Milchlieferanten ein wichtiges Motiv, um die «Ausstieger-Gemeinschaft» in der PMO Thurgau-Fürstenland zu suchen. Käser Simon Blum aus Ammenhausen erklärt warum: «Ziel der PMO ist es, möglichst viele Verarbeiter von silofreier Milch in unserer Region unter einen Hut zu bekommen. Dank der Vielfalt in der Verarbeitung, insbesondere bei den freien Sorten, eröffnen sich den beteiligten Käsereien und Genossenschaften in der Ostschweiz neue, bessere Wege bei der Verwertung der Restmilch.»

Rohmilch stellt andere Anforderungen

Entscheidend ist für die Käsereien zudem, dass Milch aus der Region möglichst in der Region verbleibt. «Rohmilch für AOC-Emmentaler beispielsweise muss innerhalb von 24 Stunden verarbeitet werden und darf nur in einem Rayon von 30 Kilometern gehandelt werden», erklärt Andi Meili von der Käsereigenossenschaft Herdern. Nur eine regionale PMO für silofreie Milch gewährleiste einen label- und markenkonformen Milchaustausch, sind die Beteiligten überzeugt. Auch die Transportkosten, die zu Lasten des Milchpreises gehen, könnten dadurch tiefer gehalten werden.
Die Landwirte bringen noch einen weiteren Punkt zur Sprache: «Uns geht es nicht zuletzt darum zu verhindern, dass Landwirte aus der Produktion von silofreier Milch aussteigen», erklärt Markus Hug von der Genossenschaft Lanzenneunforn. Denn jeder Produzent, der sich aus der Käsereigenossenschaft verabschiede, schwäche diese letztlich. Und dann gehe es ja darum, in der Region auch Arbeitsplätze zu erhalten, sowohl in der Landwirtschaft wie bei den gewerblichen Käsereien.

Berufskollegen motivieren, mitzumachen

Noch fehlt der PMO Thurgau-Fürstenland die kritische Grösse von 20 Millionen Kilogramm Milch, welche der Bund für einen vorzeitigen Ausstieg verlangt. Daher hoffen die Genossenschafter und die Käser vom Seerücken, dass genügend weitere Käsereien zwischen Säntis und Bodensee ihrem Vorbild folgen und sich der Ostschweizer PMO für silofreie Milch anschliessen. «Wir sind überzeugt, dass sich noch genügend Käsereien motivieren lassen, mitzumachen», sind die Vertreter der drei Käsereien zuversichtlich.

Stefan Hilzinger