Ausgabe Nummer 32 (2008)

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Milchbauern diskutieren Milchpool

Rund 400 Milchproduzenten nahmen an der Informationsveranstaltung in Weinfelden teil

An einer Informationsveranstaltung befassten sich die Milchproduzenten mit der Zeit nach dem Ausstieg aus der staatlichen Milchkontingentierung ab 1. Mai 2009. Im Zentrum stand ein nationaler Milchpool.

Der Informationsabend diene nicht zur Schuldzuweisung, sondern vielmehr zur Findung von optimalen Lösungen, begrüsste Gesprächsleiter Ueli Niklaus die rund 400 Teilnehmer. Nach dem definitiven Ausstieg aus der Milchkontingentierung ab 1. Mai 2009, müsse die Milchmenge privatrechtlich geregelt werden. Bei der Konsultativabstimmung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) gelte es, vier Fragen zu beantworten. «Die Konsultativabstimmung dauert bis zum 8. August, dabei soll ein starkes Zeichen der Milchproduzenten gesetzt werden», stellte Ruedi Schnyder, Präsident der Thurgauer Milchproduzenten (TMP), fest. Befragt werden 27500 Milchproduzenten in der ganzen Schweiz. Mit einem nationalen Milchpool sollen die Milchproduzenten gegenüber den vier national tätigen Molkereien bei den Preisverhandlungen gestärkt werden. Bei den Verhandlungen soll die Strategie, welche mit den massgebenden POs und PMOs festgelegt wurde, koordiniert werden. Mit der nationalen Verkaufsorganisation soll die SMP zusammen mit den regionalen Milchverkaufsorganisationen eine nationale Milchverkaufsorganisation gründen, welche Menge und Preis für die Molkereinmilchproduzenten auf nationaler Ebene aushandelt. Ein wichtiger Bestandteil des Milchpools sei die Selbsthilfemassnahme zur Mengensteuerung. Die Abgabe bis zu 1 Rappen Milchgeld pro Liter zur Marktstützung zahle sich über den höheren Milchpreis mehrfach aus. Wer über die Nachfrage hinaus produziere, bezahle nach dem Verursacherprinzip mehr an die Kosten für die Marktabräumung. So könne der Basispreis stabilisiert werden, betont Schnyder. Er empfahl seinen Berufskollegen, die vier Fragen jeweils mit einem Ja zu beantworten.

Werner lehnt Milchpool ab
Für Roland Werner, Verwaltungsratspräsident der Thur Milch Ring AG, sind Fragen und Begleittext der Abstimmung unklar. Nach seiner Meinung wird zu Unrecht Stimmung gegen die Verarbeiter gemacht, was sich rächen könnte. Er nannte die Situation im Thurgau als eigentliches Erfolgsmodell. Bei einem überdurchschnittlichen Mengenwachstum werden nach seiner Meinung auch überdurchschnittliche Milchpreise bezahlt. Bei einem Milchpool bestehe die Gefahr, dass die Milchmenge bei einem möglichst hohen Milchpreis auf den Inlandbedarf reduziert werde. Bei ausgedehnter Milchmenge könnten hingegen Milchprodukte mit EU-Produkten konkurrenzfähig gemacht werden. Er plädierte für vier Nein bei der Konsultativabstimmung.

Milchpool bringt keine zusätzlichen Kosten
Karl Häcki,Kopräsident BIG-M (Bäuerliche Interessengruppe für Marktkampf), liess den erfolgreichen Milchstreik nochmals Revue passieren. Er warnte vor der Ausdehnung der Milchmenge, welche unweigerlich zu Preisreduktionen für die Milchproduzenten führe. In der anschliessenden Diskussion wurde kritisiert, dass einzelne POs und PMOs ihre Mitglieder aufforderten, die Fragen mit Nein zu beantworten. Walter Arnold, Schönenberg an der Thur, der zu den grössten Milchhändlern der Schweiz zählt, äusserte sich nicht direkt zum Milchpool, immerhin sprach er sich für die Selbsthilfemassnahmen zur Mengensteuerung aus. Albert Brühwiler,Fischingen, befürchtet, dass bei einem Milchpool neue Strukturen geschaffen werden, welche das Bewährte verdrängen. Zudem befürchtet er zusätzliche Kosten. Laut Schnyder werden die bisherigen Strukturen angepasst. Damit würden auch keine zusätzlichen Kosten entstehen. Diskussionen löste auch die Allgemeinverbindlichkeit aus. Schnyder stellte fest, dass bei einer Zweidrittelmehrheit für die Selbsthilfemassnahmen das Bundesamt für Landwirtschaft die Allgemeinverbindlichkeit wie bisher gewähre.

Mario Tosato


Ueli Niklaus, Ruedi Schnyder, Karl Häcki und Roland Werner (von links) sprachen über
Chancen und Gefahren des Milchpools. (tos)
Ueli Niklaus, Ruedi Schnyder, Karl Häcki und Roland Werner (von links) sprachen über Chancen und Gefahren des Milchpools. (tos)