Ausgabe Nummer 9 (2009)

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Milchbauern wollen keine SMP Light

Kreisversammlungen der Thurgauer Milchproduzenten gestartet

Die temporäre Fettintervention und die Segmentierung stehen beim definitiven Ausstieg aus der Milchkontingentierung im Fokus.

Am Dienstagabend wurde die erste Kreisversammlung der Thurgauer Milchproduzenten (TMP) in Wil SG durchgeführt. Drei weitere Informationsveranstaltungen in Pfyn, Amriswil und Weinfelden folgen. «Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) und die TMP haben als Berufsorganisation zwischen den Fronten eine wichtige Funktion», begrüsste TMP-Präsident Ruedi Schnyder die rund 120 Besucher. Jürg Fatzer, Geschäftsführer TMP, erinnerte an die vollen Butter- und Käselager und die immer weiter sinkenden Milchpreise.

82 Prozent befürworteten eine Marktsegmentierung
Laut Peter Gfeller, SMP-Präsident, sprachen die Milchbauern bei einer Umfrage im März 2008 unter anderem von zu tiefen Milchpreisen, zu hohen Produktionskosten und einer schlechten Organisation des Milchverkaufs. 81 Prozent äusserten sich für die Ausübung der politischen Interessenvertretung und gleich viele für einen gemeinsamen Milchverkauf an die Verarbeiter. An der Delegiertenversammlung vom 19. November 2008 haben 98 Prozent der Krisenintervention zugestimmt. 98 Prozent sagten ja zur allgemein verbindlichen Marktstützung über die Fettintervention ab 1. Januar 2009 und 82 Prozent befürworteten eine Marktsegmentierung aufgrund des Basismenge und des Zusatzkontingentes. «Somit wollen die Milchbauern keine SMP Light, sondern dass die Dachorganisation die Führung übernimmt », bekräftigte Gfeller.

Angebotsbündelung, die Marktsegmentierung unabdingbar
Nach seiner Meinung wird der Preisdruck bei Milch durch die Aussenhandelspolitik der Schweiz, den europäischen Milchmärkten, den Abbau der Beihilfen des Bundes, den schlechten Organisationsgrad für Milchverkauf und der Konkurrenz unter den Milchverkaufsorganisationen erzeugt. Durch die Mehrmengenprojekte und die Einschränkungsmilch der Käsereien sei viel zu viel Milch am Markt, was Weiterverarbeiter und der Handel gnadenlos ausnutzen. Deshalb sei die Angebotsbündelung, die Marktsegmentierung, Selbsthilfemassnahmen der Produzenten, die verbleibenden Zulagen des Bundes, Grenzschutz und das Schoggigesetz auch in Zukunft sehr wichtig. Mit der Segmentierung sei ein Preisabschlag von 6 Rp/kg genug, der Verein Schweizer Milch empfehle einen Abschlag von 9 Rappen.

Partnerschaftliche Branchenlösung wichtig
Gfeller fordert die Umsetzung einer partnerschaftlichen Branchenregelung mit einer Marktsegmentierung im Normalmarkt und einer Marktabräumung mit abgestuften Preisen sowie die Aufteilung der Vertragsmengen mit Bezug zur Basismenge auf Stufe der einzelnen Organisationen. Heute bündeln 85 Prozent aller Milchproduzenten die Milch über 38 PO/PMO. Damit sei die Abhängigkeit der Milchverkaufsorganisationen von den Milchkäufern zu gross. Nach Gfellers Ansicht trifft der Verdrängungswettbewerb der PO und PMO die Produzenten. Der SMP-Präsident betonte, dass die Branchenorganisation Milch nicht aufgehoben sondern lediglich sistiert sei. Diese gelte es, wieder zu beleben. Der Verein Schweizer Milch habe mit seiner aktuellen Ausrichtung keine Zukunftsbasis. In der abschliessenden Diskussion äusserten sich einzelne Milchproduzenten kritisch gegenüber einer Marktsegmentierung. Vor allem für Käsereimilch dürfte dies schwierig sein.

Mario Tosato


Jürg Fatzer, Ruedi Schnyder und Peter Gfeller (von links nach rechts) informierten über
die Milchmarktstrategie der SMP. (tos)
Jürg Fatzer, Ruedi Schnyder und Peter Gfeller (von links nach rechts) informierten über die Milchmarktstrategie der SMP. (tos)