Ausgabe Nummer 7 (2004)

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Milchkuhprämie weiterhin zentrale Forderung

width="30"> TMP-Präsident Ruedi Schnyder zur Zukunft der Milchwirtschaft  
Milchkuhprämie weiterhin zentrale Forderung
 
Am Mittwoch trafen sich mehrere hundert Interessierte zum Tag der Thurgauer Milchwirtschaft. Laut Ruedi Schnyder, Präsident der Thurgauer Milchproduzenten (TMP), geht es darum, sowohl beim Preis als auch bei den Kosten zu optimieren, die Direktzahlungen gerechter zu verteilen und den Export der «Lokomotive Käse» wieder in Schwung zu bringen.  
«Es geht nicht darum, die Direktzahlungen umzuverteilen, sondern die Kriterien für deren Ausschüttung neu zu regeln», sagt Ruedi Schnyder mit Blick auf die von den Milchproduzenten verlangte «Milchkuhprämie». (hil)
 

Thurgauer Bauer: Welches sind für Sie die grössten Herausforderungen, die auf die Milchwirtschaft zukommen?
Ruedi Schnyder: Für mich als Milchproduzent sind dies der weiterhin sinkende Milchpreis und das Kostenumfeld, das sich leider nicht in die gleiche Richtung bewegt. Für den Verband ist die Überführung der öffentlich-rechtlichen Milchkontingentierung in ein privates System der Mengenregelung die grösste Aufgabe für die nächste Zeit.

Thurgauer Bauer: Wie regieren Sie auf die sinkenden Milchpreise?
Ruedi Schnyder: Fragen Sie mich das jetzt als Landwirt oder als Verbandespräsident?

Thurgauer Bauer: Erst einmal als Landwirt und Unternehmer…
Ruedi Schnyder: Der sinkende Milchpreis ist im Grunde genommen kein neues Problem. Die Entwicklung war vorauszusehen, und man konnte sich lange genug darüber Gedanken machen. Jetzt ist Zeit, zu reagieren. Jetzt heisst es «wachsen, weichen oder aushalten». Für unseren Pachtbetrieb beantworte ich die Frage, was wir unternehmen werden mit einem einfachen «Nichts». Auf unserem Betrieb geht es in erster Linie darum, die Kosten zu senken. Hier gibt es noch Möglichkeiten zur Verbesserung. Aber im Grundsatz ändert sich an der Situation auf meinem Betrieb nichts. Jeder Betrieb ist verschieden. Jeder muss die für ihn passenden Antworten finden. Und wenn es jetzt stimmt, heisst dies noch lange nicht, das es in vier, fünf Jahren nicht anders beurteilt werden muss.

Thurgauer Bauer: Und reagiert der «Verbandsfunktionär» Schnyder?
Ruedi Schnyder: Wir müssen alles daran setzen, dass auch die vor- und nachgelagerten Betriebe sich preis- und kostenmässig in die gleiche Richtung entwickeln wie die Milchproduzenten. Es wird zwangsläufig grössere und weniger Käsereien geben. Die Entwicklung ist schon im Gange. Das muss aber nicht heissen, dass es nur noch «Käsefabriken» geben wird. Was wir wollen, sind gut ausgelastete, gewerbliche Käsereien.
Dann muss es uns als Vertreter der bäuerlichen Interessen vordringlich darum gehen, die Direktzahlungen neu auszurichten. Die bereits im Rahmen der Agrarpolitik 2007 geforderte Milchkuhprämie steht für uns weiterhin klar im Mittelpunkt. Es geht dabei nicht darum, die Direktzahlungen umzuverteilen, sondern die Kriterien für deren Ausschüttung neu zu regeln. Meiner Meinung nach sollen die Direktzahlungen weniger pauschal auf die Fläche, sondern auf die Arbeit bezogen werden. Ich erwarte vom Bundesrat, dass er in dieser Beziehung die Verantwortung wahrnimmt und den «Schwarzen Peter» nicht einfach weitergibt.
Ich finde es beispielsweise stossend, wenn die Verkäsungszulagen gekürzt werden, und das Geld dafür für Öko-Beiträge an Mutterkuhhalter verwendet wird. Betriebe mit viel Fläche, aber mit relativ wenigen Arbeitsstunden, sind mit dem jetzigen Verteilsystem für Direktzahlungen die Gewinner, Betriebe mit wenig Fläche, aber mit vielen Arbeitsstunden die Verlierer.
Wir müssen uns einerseits dem Markt mit seinen neuen Herausforderungen wie WTO, Bilaterale Verträge und so weiter stellen, das ist mir klar. Aber mit einem gerechteren System bei den Direktzahlungen muss andererseits auch versucht werden, dass sich die Strukturen wieder stabilisieren können.

Tag der Thurgauer Milchwirtschaft
Am Mittwoch dieser Woche luden die Thurgauer Milchproduzenten zum «Tag der Thurgauer Milchwirtschaft». Laut Auskunft TMP-Geschäftsstelle haben sich rund 600 Personen dazu angemeldet. Drei Themenblocks sind an diesem Tag zur Sprache gekommen: Milchproduktion und Milchverwertung aus nationaler Sicht, Rahmenbedingungen mit der Aufhebung der Milchkontingentierung sowie Betriebswirtschaftliche Aspekte der Milchproduktion. Referenten waren unter anderem SMP-Direktor Samuel Lüthi, Othmar Dubach, Direktor der Emmi Käse AG, und MIBA-Geschäftsführer Jacques Gigax. Da die Veranstaltung erst nach Redaktionsschluss dieses «Thurgauer Bauer» war, erfolgt die Berichterstattung erst in einer Woche. (hil)


«Schnyder for president»?
TMP-Präsident Ruedi Schnyder aus Ellighausen ist offizieller Kandidat der Thurgauer Milchproduzenten für die Nachfolge von Josef Kühne als Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Der Nachfolger Kühnes wird an der Delegiertenversammlung am 14. April in Bern gewählt. Schnyders Mitbewerber sind der in Züchterkreisen bestens bekannte Berner Peter Gfeller und der Luzerner SVP-Nationalrat Josef Kunz. Als Verbandspräsident, SMP-Vorstandsmitglied und als Thurgauer Grossrat verfüge er über genügend politische Erfahrung für dieses Amt, wirft Schnyder für sich in die Waagschale. Er sei es gewohnt, auch in schwierigen Zeiten und mit schwierigen Themen vor die Leute zu treten, meint er weiter. Die Basis der Milchproduzenten wünschten einen nach vorne orientierten Schweizer Dachverband, ist er überzeugt. Man habe beim SMP viel zu sehr zurückgeschaut, nimmt er kein Blatt vor den Mund. Wichtiger als Gespräche mit Parlamentariern und Behördenmitglieder seien für die Schweizer Milchproduzenten in Zukunft Diskussionen mit den Marktpartnern, hält er weiter fest. Schnyders Chancen bei der Wahl zum SMP-Präsidenten werden allgemein als gut eingeschätzt, allerdings könnte ihm zum Verhängnis werden, dass mit ihm ein weiterer Thurgauer an die Spitze einer landwirtschaftlichen Organisation drängt. Dies jedenfalls vermutet die «Thurgauer Zeitung» in einem Bericht am Dienstag dieser Woche. (hil)


Thurgauer Bauer: Wo klemmt es Ihrer Meinung nach beim viel zitierten «Kostenumfeld»?
Ruedi Schnyder: Der Tierarzt wird höchstens billiger, wenn ich ihn weniger brauche… Das ist halt eine Tatsache. Den grösseren Spielraum haben wir bei den Strukturkosten, bei der Arbeitsproduktivität, bei den Gebäudekosten – Stichwort «günstig bauen» – und bei den Fremdlöhnen. Das gesamt Kostenumfeld der Landwirtschaft ist halt eine Spirale, die sich nur sehr, sehr langsam dreht. Und dann gibt es in diesem Zusammenhang noch zweierlei zu bedenken: Erstens: Kaufen wir Landwirte beispielsweise alle Hilfsstoffe oder die Maschinen nur noch im Ausland, so vernichten wir im Inland Arbeitsplätze. Zweitens: Wenn wir Landwirte höhere Produzentenpreise wollen, brauchen wir in der Schweiz auch höhere Löhne. Was ich damit sagen will: Solange die Schweiz eine Hochpreis- und Hochlohninsel bleiben will, müssen wir irgendwie damit umgehen. Richtig umgehen ist für mich keine Frage der Geldmenge, die zur Verfügung steht, sondern in erster Linie eine Frage der Verteilung.

Thurgauer Bauer: Gerade im Milchsektor ist der Export von entscheidender Wichtigkeit. Wo sehen Sie da die Chancen?
Ruedi Schnyder: Ich höre das Wort Chancen nicht gerne, denn solche hatten wir in der Vergangenheit bereits zur Genüge. Im Export geht es meiner Meinung nach darum, Schwerpunkte zu setzen. Mit unseren «Premium-Produkten» sprechen wir eine vermögende Käuferschicht an, die in ganz Europa verteilt wohnt. Es wäre viel zu viel Aufwand notwendig, um die Leute überall zu erreichen. Daher müssen vordringlich die bestehenden Märkte gepflegt werden: Deutschland, Frankreich, Benelux und Italien. Es braucht zwar ein gewisses Basismarketing, aber ich bin durchaus der Meinung, dass Firmen wie Emmi mit ihrer Philosophie und ihrem Produktemix diese Märkte bearbeiten sollen. Wir müssen Überschneidungen im Bereich Marketing/Werbung eliminieren, das heisst genau unterscheiden, was ist effektiv Basismarketing und was ist «Branding» der einzelnen Exporteure. In diesem Bereich verpufft sonst weiterhin viel zu viel Geld.
Auf der Produktseite bin ich nach wie vor der Meinung, dass es die «Lokomotive Käse» braucht. Doch das Angebot muss besser segmentiert sein. Es muss der Branche gelingen, im «Premiumbereich» der Rohmilch-Hartkäse über eine zurückhaltende Mengensteuerung den Käsepreis möglich hochzuhalten. Wir dürfen keinesfalls mit vollen Lagern am Markt agieren; das wäre ganz schlecht. Ich weiss, dass dies in einem freien Markt nur sehr schwer zu realisieren ist.
Demgegenüber gilt es auch den Convienience»-Sektor zu stärken, das heisst Industrierohware anzubieten. Mit einer «Billig-Linie» können wir auch dem Einkaufstourismus entgegenhalten und Importen die Stirne bieten, wie etwa M-Budget-Raclette aus Frankreich. Allerdings darf dies nicht zu einem gesplitteten Produzenten-Milchpreis führen, wie es etwa Emmi vorhat. Ein Spot-Markt für Milch kann nicht das Ziel sein, denn dieser wird sowohl Preis wie Menge im Inland unter Druck setzen. (hil)