Ausgabe Nummer 29 (2004)
Milchmarkt, ein besonderer Markt
| Besserer Organisationsgrad im Milchmarkt bringt Chancen |
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Milchmarkt, ein besonderer Markt
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| Immer wieder wird die Land- und im Besonderen die Milchwirtschaft von aussenstehenden Kreisen an den Pranger gestellt, weil sie die Marktverhältnisse «nicht im Griff habe». Märkte weisen immer Besonderheiten auf, im Besonderen Märkte für Lebensmittel. Der Milchmarkt ist gekennzeichnet durch Besonderheiten, die ihn von anderen Märkten unterscheiden. Folgende Punkte prägen den Milchmarkt: Milch fällt täglich an und kann nur für kurze Zeit gelagert werden. Der Milchproduzent ist somit auf eine Abnahmesicherheit angewiesen. Auch bei einem nur kleinen Überangebot versucht der einzelne Milchproduzent oder seine Gruppierung, mit Preiskonzessionen einen Abnehmer zu finden. Die natürlichen Bedingungen (Wetter, Klima) verursachen Produktionsschwankungen, auf die der Produzent keinen Einfluss und auch nur bedingt Reaktionsmöglichkeiten hat. Der Markt reagiert jedoch unter Umständen mit massiven Preisänderungen. Abkalbezeitpunkt, Laktationsverlauf und Alpung verursachen weitere saisonale Schwankungen, welche sich direkt auf Menge und Preis sowie Überschussverwertung auswirken. Milchproduktion zeichnet sich kostenseitig durch einen hohen Anteil an Fixkosten aus. Investitionen erfolgen in der Regel langfristig. Dies hat zur Folge, dass es für den einzelnen Betrieb aus betriebswirtschaftlicher Sicht durchaus Sinn machen kann, Produktionspotenzial innerhalb gegebener Strukturen auch dann auszuschöpfen, wenn aus zusätzlichen Mengen nur noch ein geringer Deckungsbeitrag resultiert. Die Marktmacht in der Milchproduktion liegt eindeutig bei den Verarbeitern. Wenigen Abnehmern stehen Tausende von Anbietern bzw. Hunderte von Genossenschaften gegenüber. Der Marktdruck seitens der Grossverteiler wird durch Verarbeiter/Handel weitgehend auf die Produzenten überwälzt, und diese versuchen, sinkende Erlöse mit Mehrmengen zu kompensieren. Die Chance des Ausstiegs aus der Milchkontingentierung In der Vergangenheit konnten saisonale Schwankungen und Überproduktion weitgehend mit Hilfe von Bundesstützung aufgefangen werden. Nachdem diese in den letzten fünf Jahren um mehrere 100 Millionen Franken reduziert wurde und auch in den kommenden Jahren weiter reduziert wird, hat der Milchstützungsfonds der Schweizer Milchproduzenten SMP wenigstens einen Teil dieser Aufgabe übernommen. Im Zusammenhang mit dem vorzeitigen Ausstieg aus der Milchkontingentierung ab 2006 und nach deren vollständigen Aufhebung ab 2009, muss über neue Stützungsmodelle oder über neue Preismodelle nachgedacht werden, wenn nicht ein permanenter Druck auf die Milchpreise entstehen soll. Eines steht schon heute fest: Es ist ein Trugschluss zu meinen, Milchproduzenten, die sich im Hinblick auf die Aufhebung der Milchkontingentierung eng mit einem Milchverwerter verbünden, hätten entscheidende Vorteile. Auf die Dauer wird kein Milchverwerter einen höheren Milchpreis bezahlen als die Konkurrenz im gleichen Marktsegment. Vielmehr liegt eine grosse Chance darin, wenn sich die Milchproduzenten in Produzentenorganisationen mit mehreren Absatzkanälen (Molkereiprodukte, Käse, Pulver) organisieren. Gut organisierte Produzentenorganisationen können Preis- und Mengenschwankungen über den Milchverkauf in mehrere Absatzkanäle zugunsten einer Erlösoptimierung abfedern. Weitere Informationen zum Ausstieg aus der Milchkontingentierung und insbesondere zum Entwurf der Verordnung über den vorzeitigen Ausstieg folgen in einer der nächsten Nummern. Alfred Ernst, Thurgauer Milchproduzenten, Weinfelden |
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