Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Milchpreisdiskussionen nach dem Währungsschock

Ausgabe Nummer 6 (2015)

Die überraschende Aufhebung des Mindestwechselkurses beim Euro war ein Schock. Auch in der Milchbranche herrscht Unsicherheit. Was passiert mit dem Milchpreis, welcher nun neben den Weltmarktschwankungen zusätzlich unter Druck gerät? Besonders die Milchwirtschaft ist am stärksten vom Ausland abhängig und wird leider nicht ungeschoren davonkommen. Ruedi Schnyder, Präsident Thurgauer Milchproduzenten, nimmt Stellung.

Ruedi Schnyder, ist es so dramatisch wie es klingt oder hält sich das Ausmass in Grenzen?
Es hält sich zurzeit noch in Grenzen, dies aber nur, weil man die effektiven Auswirkungen noch nicht kennt. Dazu kommt, dass beispielsweise Emmentaler Käse mit einem hohen Exportanteil viel stärker betroffen ist als eine Molkerei, welche regional arbeitet. Jetzt kommt es auf die Bewahrheitung der verschiedenen Prognosen an. Es gibt welche, die voraussagen, der Euro-Wechselkurs bleibe bei 1 : 1, andere behaupten, er pendle sich auf Fr. 1.10 ein, was noch eher zu verkraften wäre.

Wie sieht das Szenario aus, wenn sich der Euro nicht einpendelt?
Die Auswirkungen sind jetzt schon spürbar und unausweichlich. Sie dürfen aber nicht ausschliesslich am Bauern hängen bleiben, sondern sollen auf Milchproduktion, Hersteller, Handel und Grossverteiler sowie natürlich die Konsumenten verteilt werden. Der Druck darf nicht einseitig auf uns lasten. Die Verhandlungen laufen im Moment mit sämtlichen Beteiligten. Wir zählen darauf, dass alle mithelfen, einen allfällig drohenden Verlust zu entschärfen.

Ist der Konsument bereit, mehr zu bezahlen?
Derjenige, der in Konstanz einkauft, natürlich nicht. Wir sind jedoch darauf angewiesen, dass der grösste Teil, inklusive Grossverbraucher, seinen Beitrag leistet und weiterhin den einheimischen Produkten den Vorzug gibt. Letztendlich profitieren damit alle, im Speziellen auch über die Erhaltung der Arbeitsplätze.

Was kann auf politischer Ebene gefordert werden?
Persönlich bin ich eher zurückhaltend mit rein finanziellen Forderungen. Der SBV hat bereits einen ganzen Strauss davon eingereicht. Die Aufstockung der Mittel für das Schoggigesetz sowie verschärfte Einfuhrregelungen dürften dabei wohl am ehesten Chancen haben, erfüllt zu werden.

Die Unsicherheit bleibt, wie geht es jetzt weiter?
Aktuell laufen Verhandlungen in allen Bereichen der Milchbranche. Die Empfehlungen der Sortenorganisationen, kombiniert mit dem Verhandlungsgeschick der Vermarktungsdelegationen, werden die neuen Milchpreise für Silo- und Käsereimilch ergeben. Dabei gilt es, unbedingt mit Besonnenheit und Fairness nach Lösungen zu suchen.
An den Regionalveranstaltungen in Frauenfeld und Sulgen vom kommenden Dienstag werden wir nach dem Fachvortrag so detailliert wie möglich über die neuesten Entwicklungen auf dem Milchmarkt informieren. Ein Grund mehr, eine dieser Veranstaltungen zu besuchen!


Interview: Daniel Thür



Ruedi Schnyder

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