Ausgabe Nummer 5 (2010)
Milchproduktion
Angehende Agrartechniker übten den Ernstfall
Rund 450 Milchproduzenten aus der Ostschweiz besuchten die Strickhof-Milchtage zum Thema Leistungssteigerung in der Milchviehwirtschaft.
Müde, aber glücklich erzählte Julia Etter, Koordinatorin, über die erfolgreichen Strickhof-Milchtage. Der Tradition entsprechend waren die Absolventen der Höheren Fachschule für Agrarwirtschaft am Strickhof verantwortlich für die Milchtage. Dabei wurden die Absolventen von Lehrpersonen im Hintergrund begleitet. Die Organisation sei für sie etwas ganz Neues gewesen. «Die letzte Woche war recht happig», sagte Etter. Es habe aber praktisch keine Probleme gegeben, dennoch sei für sie die Ungewissheit wegen mangelnden Erfahrungen zum Teil recht gross gewesen. Sie freute sich über das grosse Interesse an den Strickhof-Milchtagen. Bereits am Schluechthof sei die Teilnahme sehr gross gewesen. Stolz erklärte der Strickhof-Direktor Ueli Vögeli: «So konnten die angehenden Techniker quasi den Ernstfall üben».
Milchleistung in 60 Jahren verdoppelt
Nach Ansicht von Vögeli ist es wichtig, dass die Milchproduzenten die Nase im fachlichen Bereich und im Management im Wind haben. Der Titel der Fachtagung «Leistungssteigerung?» sei mit einem Fragezeichen versehen. Dieser Titel lasse tatsächlich viel offen, dennoch sei er nicht so zu verstehen, dass die Leistungssteigerung in der Milchproduktion grundsätzlich in Frage gestellt werde. Die Milchleistung sei seit 1950 erstaunlich linear und regelmässig um je 50 kg gestiegen. Lag die durchschnittliche Milchleistung im Jahre 1950 je Kuh und Jahr bei zirka 2800 kg, liegt sie heute bei rund 6000 kg. Wie Vögeli feststellte, sind die technischen Fortschritte, die Preise und Löhne in den letzten 65 Jahren nicht in allen Bereichen gleich stark gestiegen.
Bei der Milchviehzucht hielt der Schlankheitswahn Einzug
Auf grosses Interesse stiess das Referat von Michael Neumayer, Kompetenzzentrum für innovative Milchviehhaltung aus Neukirchen (A) zum Thema «Hohe Leistung – hoher Stoffwechselumsatz, optimierte Fütterung». Er informierte über Struktur und Fasern der Fütterung. Im Prinzip sind die Kühe gesund zu erhalten, wofür das Gleichgewicht von schwerverdaulichen Kohlenhydraten und schnelllöslichen Kohlenhydraten sorge. Neumayer wies auch auf die Rationsgestaltung hin. «Leider haben es viele Menschen verlernt, Kühe so zu sehen, wie sie sein sollten. Auch hier hat sich der gleiche Schlankheitswahn wie beim Menschen entwickelt. Nur spricht man hier vom ‹scharfen Milchtypen›», sagte Neumayer.
Absolventen der HF für Agrarwirtschaft orientierten
Von Fachleuten wurden Heatime zur Brunsterkennung für ein effi zientes Fruchtbarkeitsmanagement, die Euterreinigung mit Holzwolle, die Gratwanderung der Energiekonzeption, das Sperma- Sexing sowie die Fütterung mit Mischwagen vorgestellt. Absolventen der Höheren Fachschule für Agrarwirtschaft am Strickhof orientierten über Wirtschaftlichkeitsüberlegungen zum Sperma-Sexing und über die Maissiliermeisterschaften, wo erste Resultate vorliegen. Die defi nitiven Resultate werden am Jubiläum der Silovereinigung Zürich – Nordwestschweiz bekannt gegeben. Felix Bischofberger, Hettlingen ZH, der die Höhere Fachschule für Agrarwirtschaft am Strickhof erfolgreich abschloss, erzählte über seine positiven Erfahrungen mit dem Sperma-Sexing. Samuel Kohler, Dozent für Tiergesundheit an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft SHL in Zollikofen, stellte in seinem Referat fest, dass die Regel «ein Jahr ein Kalb» weder ein alter Zopf noch eine allgemeingültige Regel sei.
Mario Tosato
