Ausgabe Nummer 50 (2010)

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Milchproduktion: Motionen Aebi und Bourgeois notwendig

Wie an der regionalen Milchwirtschaftstagung in Märwil zu erfahren war, kennen 95 Prozent der Milchproduzenten ihre Kosten nicht und würden Milch zu jedem Preis liefern.

 

Wenn man die landwirtschaftliche Buchhaltung konsultiere, habe man das Gefühl, der Betrieb rentiere, erklärte Andreas Guhl, Präsident der Agro-Beratungsvereine Thurgau, an der regionalen Milchwirtschaftstagung der Agro-Beratungsvereine Birwinken, Bissegg, Braunau, Bussnang, Märstetten, Märwil und Wäldi-Raperswilen. Nehme man aber die Betriebsbuchhaltung zur Hand, stelle man vielfach einen Unternehmensverlust fest. «95 Prozent der Milchproduzenten kennen ihre Kosten nicht und würden deshalb Milch zu ‹jedem› Preis liefern», sagte Christian Eggenberger, Berater Milchproduktion am BBZ Arenenberg. Wichtig sei aber für die Betriebsleiter, dass sie die Kosten, Stärken und Schwächen ihres Betriebes kennen, um entsprechende Massnahmen zu ergreifen. Bei der Kostenberechnung sei der Break-even entscheidend und nicht die Vollkostenrechnung.Laut der Auswertung Vollkosten Milch von 233Talbetrieben betragen die Kosten im Durchschnitt 102,8 Rappen, bei den unteren 25 Prozent 120,0 Rappen, und bei den Top-Ten 84,5 Rappen je kg Milch. Laut Eggenberger erzielen rund ein Drittel der ausgewerteten Betriebe bei einem Stundenlohn von 28 Franken einen kostendeckenden Preis. Die Besten seien vielfach die Besten, weil sie bessere Strukturen haben und das Potential nutzen. Gemäss Eggenberger haben rentable Betriebe tiefere Tierarztkosten.

 

Der Milchviehbetrieb von morgen

Eggenberger stellte einen Modellbetrieb vor mit einem Betriebsleiter, der Freude an der Milchviehhaltung hat und über das nötige Wissen und die notwendigen Fähigkeiten verfügt. Die Betriebsziele sollen unter Einbezug der Familie und Freizeit klar defi niert sein. Die Strategie soll überdenkt und der Betrieb regelmässig einem Controlling unterzogen werden. Als ideal sieht der Berater eine Arbeitskraft auf 300 000 kg Milch. Für die benötigten Grundfutter soll genügend Betriebsfl äche vorhanden sein. Investitionen sollen nach Finanzierung, Wirtschaftlichkeit und Tragbarkeit geprüft werden. Eggenberger empfahl, Synergien im Bereich der überbetrieblichen Zusammenarbeit zu nutzen. Wichtig sei aber auch, dass auf dem Betrieb die richtige Kuh stehe.

 

0,9 Prozent mehr Milch

Peter Gfeller, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), sprach zur Motion Aebi: Zurück zur Kontingentierung oder Modell für die Zukunft? Gfeller wies darauf hin, dass der Rindviehbestand mit über 830 000 sehr hoch ist. Die kumulierte Milchproduktion werde mit 2 612 573 Tonnen Milch um 0,9 Prozent höher liegen als im Vorjahr. Während die Käseproduktion und die Konsummilch im ähnlichen Rahmen liegen wie im Vorjahr, ist die Produktion der Dauermilchwaren (unter anderem Milchpulver) und Butter weiterhin steigend. Entsprechend seien die Butterlager bei einem rollenden 12-Monate-Durchschnitt von fast 10 000 Tonnen zu hoch. Gespannt verfolgten die Milchproduzenten die Referate.

 

Drei wichtige Handelsachsen

Nach Gfellers Abgaben setzt der «ideale Markt» symmetrische Strukturen bei den Marktteilnehmern voraus. Es müsse bei Angebot und Nachfrage unverzüglich eine Anpassung erfolgen. Weitere wichtige Voraussetzungen seien die Markttransparenz und dass der Staat nicht eingreifen dürfe. Gfeller wies darauf hin, dass es schwierig sei, alle Milchproduzenten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Um die Position der Produzenten zu stärken, brauche es drei Handelsachsen: Produzentenorganisationen, Politik und BO Milch. Bei der Segmentierung sei folgende Aufteilung der 3,5 Millionen Tonnen Liter Milch vorgesehen: A-Segment: 3,0 Millionen Tonnen, beziehungsweise 86 Prozent, B-Segment 0,3 Millionen Tonnen, und C-Segment 0,2 Millionen Tonnen. Für die A-, B- und C-Milch soll ein Richtpreis festgelegt werden. Laut Gfeller ist die Stossrichtung der Segmentierung der BO Milch richtig und notwendig. Dazu sei die Motion Bourgeois eine wichtige Ergänzung für die verbindliche Umsetzung der Instrumente der BO Milch. Die Motion Aebi sei eine notwendige Ergänzung zu den Beschlüssen der BO Milch zur Steuerung der Menge. Sie verhindere den Preisdruck im A- und B-Segment. Im dritten und letzten Teil sprach Lukas Rediger, Strickhof, zum Herdenmanagement USA/Kanada.

 

Mario Tosato