Ausgabe Nummer 22 (2005)
Milchproduzenten bereiten sich jetzt auf 2009 vor
Liberale und schlanke Strukturen überzeugen
Milchproduzenten bereiten sich jetzt auf 2009 vor
Mit Produzenten der Arnold Produkte AG, verschiedenen Käsereien und Molkereien wurde am 12. April in Sulgen die Produzentenorganisation (PO) Ostschweiz gegründet.
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Reto Rauch (links) und Walter Arnold setzen sich für schlanke und liberale Strukturen ein. |
Wie Geschäftsführer Reto Rauch erklärte, ist die PO Ostschweiz als Verein organisiert und dadurch flexibel und schnell. Die PO sei für das ganze Management der Mengenregelung zuständig. Mitglieder sind die aktiven Milchproduzenten, und auch die Vorstandsmitglieder sind alle in der Milchproduktion tätig. Walter Arnold und Rauch gehören dem Vorstand ohne Stimmrecht an. Bis jetzt haben sich rund 550 Milchlieferanten als Mitglieder eingeschrieben. Dies seien aber noch lange nicht alle, welche zurzeit der Arnold Produkte AG die Milch liefern, stellt Arnold fest. Es werde noch etwas Zeit brauchen, bis sich einzelne Produzenten entschieden haben, mit der PO Ostschweiz aus der Milchkontingentierung auszusteigen. Arnold rechnet damit, dass die meisten seiner Lieferanten sich für den vorzeitigen Ausstieg entscheiden werden. Mit dabei werden auch einige Käsereigenossenschaften sein. Die beiden Exponenten der PO Ostschweiz rechnen zwischen 80 und 110 Millionen Kilogramm Milch bündeln zu können. Für den Milchhandel bleibt nach wie vor die Arnold Produkte AG oder die Käsereien verantwortlich Das Risiko tragen zu 100 Prozent die Arnold Produkte AG und die Käsereien, bekräftigt Walter Arnold. Nach seiner Meinung hat sich der direkte Weg zwischen Verkäufer und Käufer bewährt und soll auch in Zukunft beibehalten werden. Über die PO Ostschweiz könne auf einfache und liberale Art aus der Kontingentierung ausgestiegen werden. Zudem sei die PO eine starke Stimme für die Milchwirtschaft, auch nach dem definitiven Ausstieg 2009 und sei sie für Molkereien und Käsereien eine echte Alternative, ist Rauch überzeugt.
Der Milchkäufer trägt eine grosse Verantwortung
Den Statuten wurde an der Gründungsversammlung zugestimmt. Das Reglement wurde vom Bundesamt für Landwirtschaft mit kleinen Korrekturen genehmigt und wird jetzt den Mitgliedern zur schriftlichen Abstimmung zugestellt. Rauch betont, dass ein vorzeitiger Ausstieg für die Milchbauern keinen Nachteil habe. Als Vorteil sieht er in der etwas freien PO eine stärkere Stimme für die Produzenten sowie auch die Produktion einer eventuellen Mehrmenge, von welcher nur ausgestiegene Produzenten profitieren würden. Entscheidend für die Zukunft sei aber, wer die Milch kaufe. Hier kennen die Produzenten die hohe Zahlungsmoral und den guten Service der Arnold Produkte AG, erklärt Rauch. Auch mit den Käsereien habe man von Anfang an eine sehr liberale Lösung angestrebt. Das heisse, der Käser habe die Möglichkeit, direkt mit dem Bauern zu verhandeln.
Die hohe Qualität Schweizer Milch
Als Vorteil sieht Arnold die Tatsache, dass seine Firma bereits seit elf Jahren im Milchhandel tätig ist und somit gegenüber der Konkurrenz zehn Jahre Vorsprung hat. Seine Firma sei damit am Markt bekannt. In der Ostschweiz haben die Produzenten viel profitiert, weil sie viele Mitbewerber hatten. Arnold ist sich der grossen Verantwortung gegenüber seinen 50 Angestellten und seinen rund 1200 Lieferanten bewusst. Deshalb will er auch in Zukunft keine Abmachungen eingehen, welche dieses Vertrauen gefährden würden. Arnold will weiterhin auf hochwertige Milch setzten. Dieser Qualitätsvorteil der Schweizer Milch müsse auch bei der Öffnung der Grenzen klar kommuniziert werden. Er sieht im Milchexport durchaus reelle Chancen. Rauch glaubt, dass die verschiedenen PO und PMOs einen starken Dachverband brauchen. Das heisse, der Verband Schweizer Milchproduzenten sollte nicht nur mit den verschiedenen Verbänden kooperieren, sondern auch mit den POs und PMOs. Als wichtig erachten die beiden für die Zukunft auch eine günstige und schlanke Struktur. Rauch glaubt, dass in Zukunft «nicht die Grossen die Kleinen fressen, sondern die Schnellen die Langsamen.»

