Ausgabe Nummer 48 (2009)
Milchproduzenten setzen so ein klares, politisches Signal
Kampagne «Kostenoptimierung in der Milchproduktion»
Die SMP, die regionalen Milchproduzenten-Organisationen, die kantonalen Beratungsstellen, das Beratungsforum Schweiz BFS, AGRIDEA und Profi-Lait lancieren in diesem Herbst das dreijährige Projekt «Kostenoptimierung in der Milchproduktion». Im Sinn der Devise «Nur wenn du die Produktionskosten deiner Milch kennst, kannst du diese senken», soll mit diesem Projekt erreicht werden, dass sich möglichst viele Landwirte mit der Kostenfrage auseinandersetzen. Die Thurgauer Milchproduzenten TMP unterstützen und befürworten dieses Projekt. Jürg Fatzer, Geschäftsführer der TMP, steht Red und Antwort, wie sie die Thurgauer Milchproduzenten unterstützen.
Wie unterstützt der TMP die Thurgauer Milchproduzenten ganz allgemein?
Jürg Fatzer: Wir unterstützen die Milchproduzenten in allen marktwirtschaftlichen Fragen rund um die Milch. Dazu gehören auch Fragen zum Lebensmittelrecht, Direktzahlungen; auch nehmen wir zu verschiedenen Vernehmlassungen Stellung. So können wir ihnen aus unserer Erfahrung Wissen rund um die Milch vermitteln. Auch in vertragsrechtlichen Fragen sind wir gerne bereit, beratend mitzuhelfen. Anfragen zu Einzelverträgen nehmen wieder zu, auch Fragen zum Revisionsrecht oder Vereinen sind aktuell. Oft werden wir auch um Zweitmeinungen angefragt, da es für den Milchproduzenten heute schwierig ist, vor allem an Informationen in finanzieller Hinsicht heran zu kommen. Meist geht es da um Feinheiten für einen Entscheid. Zudem engagieren wir uns in diversen land- und milchwirtschaftlichen Organisationen und Kommissionen für das Wohl und die längerfristige Existenz unserer Landwirte ein.
Wie sieht die Unterstützung ganz spezifisch rund um den Milchpreis und die Produktionskosten aus?
Jürg Fatzer: Wenn es um konkrete Zahlen des Milchpreises geht, verweisen wir nachdrücklich auf das Milchpreismonitoring der Schweizer Milchproduzenten. Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass noch dringend Preismelder gesucht werden! Das Preismonitoring kann nur überleben, wenn aus allen Milchhandelsorganisationen und Käserei-PMO Milchproduzenten ihre Milchabrechnungsdaten monatlich den SMP zur Verfügung stellen. Leider schneiden wir im schweizerischen Vergleich nicht gerade gut ab. Beim Milchpreis besteht ein West-Ostgefälle.
Wenn es um die Produktionskosten in der Milchproduktion geht, so können wir auf die Kurse des BBZ Arenenberg hinweisen. Ein Kursbesuch wird von den Schweizer Milchproduzenten finanziell unterstützt.
Wer und warum soll ein Milchproduzent die Vollkosten berechnen?
Jürg Fatzer: Jeder Milchproduzent, der längerfristig sein Einkommen aus der Milchproduktion erzielen möchte, muss meiner Meinung nach Kenntnisse über seine Kostenstruktur haben. Es kann existenzbedrohend sein, wenn man sich als Unternehmer nicht über seine anfallenden und bestehenden Unkosten im Klaren ist. Nur wer seine Kosten kennt, kann auch korrigierend einwirken und somit eine finanzielle Schieflage verhindern. Zudem muss jede Seite seine Hausaufgaben machen: Viele Verbände und Organisationen setzen sich für einen guten Milchpreis ein. Die Arbeit auf der Kostenseite liegt zu einem grossen Teil bei den Bauern. Darüber hinaus setzen die Milchproduzenten so ein deutliches, starkes politisches Signal, wenn sehr viele Landwirte über die Daten einer Vollkostenrechnung ihrer Milchproduktion verfügen, und die Sparpotentiale umsetzen. Damit können sie den Vorwurf entkräften, dass sie der Effizienzsteigerung und Kostensenkung im eigenen Betrieb zu wenig Beachtung schenken.
Jeder Milchproduzenten kann beim SMP 100 Fr. einfordern. Wie funktioniert das genau?
Jürg Fatzer: Beim Besuch eines entsprechenden Kurses oder Beratung zur «Vollkostenrechnung der Milch“ wird dem Milchproduzenten ein Formular abgegeben. Damit kann er den Kostenbeitrag der SMP von 100 Fr. einfordern. Der Landwirt füllt das Formular vollständig aus und gibt dieses dem Kursleiter oder Berater des BBZ Arenenberg ab. Das BBZ Arenenberg bestätigt, dass dieser Milchproduzent seine Produktionskosten berechnet für den Betrieb Ziele und Massnahmen erarbeitet hat, die zur kostengünstigeren Milchproduktion führen. Das BBZ Arenenberg leitet das Formular an uns weiter. Wir klären ab, ob der betreffende Milchproduzent Mitglied bei den Thurgauer Milchproduzenten und somit beitragsberechtigt ist. Das Geld wird ihm anschliessend direkt von den SMP überwiesen.
BBZ Arenenberg
Milchproduktion
Jenifer van der Maas
