Ausgabe Nummer 23 (2008)

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Milchstreik beendet! Kommentar der Thurgauer Milchproduzenten

Der Vorstand der Thurgauer Milchproduzenten hat sich durch Ruedi Schnyder an den Streikversammlungen in Rikon vertreten lassen und hat die Anliegen der Streikinitianten unterstützt. Aufgrund des in der Nacht von Montag auf Dienstag erzielten Resultats des Vorstandes SMP mit den grossen Milchverarbeitern konnte die Sitzung des Vorstandes der Thurgauer Milchproduzenten mit den Vertretern der PO/PMO und der Arbeitsgruppe Käsereimilch abgesagt werden. Ausgehandelt wurde eine Milchpreiserhöhung ab 1. Juli 2008 um 6 Rp./kg Milch. Damit werden die seit 2007 massiv gestiegenen Kosten der Produktionsmittel (Treibstoffe, Dünger, Pflanzenschutz, Kraftfutter) teilweise kompensiert. Für viele Landwirte ist die Milchproduktion die Haupteinnahmequelle. Deshalb ist die Deckung der gestiegenen Kosten zwingend nötig.
Die Umsetzung an der Verkaufsfront wird sich im Herbst und Vorwinter entscheiden. Vor allem im Käsemarkt sind zwingende Voraussetzungen nötig, um die Preiserhöhungen umzusetzen:

? Der Milchpreis muss auch in Europa, vor allem in Deutschland, über 36 Eurocent liegen, damit die Exportpreise für Schweizer Käse konkurrenzfähig bleiben.

? Der Käsehandel muss sich im Export besser organisieren. Zum Beispiel sind im Hauptmarkt für Emmentaler, in Italien, bessere Preise zu realisieren. Schweizer Käse wird als qualitativ hoch stehendes Nischenprodukt zu billig verkauft.

Mit der Liberalisierung des Milchmarktes wirken nun auch die Marktkräfte stärker. Es ist zwingend nötig, dass sich die einzelnen Gruppierungen und Marktorganisationen nicht gegenseitig aushebeln, sondern im Interesse aller Milchproduzenten ohne Eigennutz am gleichen Strick ziehen und das von SMP angestrebte Pooling der Milch unterstützen. Das Vorfeld zum Milchstreik hat klar gezeigt, dass die Milchverarbeiter am längeren Hebel sitzen, wenn sich die Produzenten nicht genügend organisieren. Mit Befriedigung nimmt der Vorstand TMP zur Kenntnis, dass viel Konsumenten grosses Verständnis für die Aktionen aufbringen.
Der Vorstand TMP dankt allen Milchproduzenten, die sich aktiv und mit ihrer Solidarität für eine Verbesserung des Milchpreises eingesetzt haben.

Vorstand Thurgauer Milchproduzenten



Intensive Milchpreisverhandlungen

Zahlreiche Organisationen äusserten sich am letzten Dienstag, am Tag nach den intensiven Milchpreisverhandlungen zwischen der SMP und den vier grossen Milchverarbeitern öffentlich zum Ergebnis, einer Milchpreiserhöhung um 6 Rappen pro Kilo ab 1. Juli, gültig für 6 Monate. Hier einige Reaktionen:
Schweizer Milchproduzenten SMP: Die SMP als Dachverband forderten die Milchproduzenten auf, das Verhandlungsergebnis anzuerkennen und den Milchstreik zu beenden.
Bäuerliche Interessengruppe für Machtkampf BIG-M: Die streikführende Organisation BIG-M stellte fest, dass das Resultat zwar nicht vollumfänglich den Forderungen entspreche. Dennoch werde das Verhandlungsergebnis als Erfolg gewertet. Sie dankten für die Unterstützung der Milchbauern, die mit ihrer Solidarität einen enormen Druck aufbauen konnten.
Schweizerischer Bauernverband SBV: Der SBV zeigte sich erleichtert über die Milchpreiserhöhung. Den bäuerlichen Familien, die sich am Streik beteiligt haben und dafür auch Opfer brachten, gebühre Respekt und Dank. Die Grossverteiler und Abnehmer fordert der SBV auf, künftig den ruinösen Preiskampf auf Kosten der Bauern zu beenden und für Milch und andere landwirtschaftliche Produkte einen gerechten Preis zu bezahlen. Eine Bündelung auf der Angebotsseite in Form eines nationalen Milchpools sei dringend notwendig.
Bäuerliches Zentrum Schweiz BZS: Das BZS warf den SMP vor, dass sie wortbrüchig geworden seien, weil sie im Vorfeld kommuniziert hätten, sich mit den Streikenden zu solidarisieren, sofern keine angemessene Milchpreiserhöhung zu Stande käme. Das Ergebnis sei weit entfernt vom geforderten Niveau. Dem Vorstand der BIG-M wirft das BZS vor, über die Köpfe der Basis hinweg den Abbruch des Streiks entschieden zu haben.Auch das BZS dankte allen, die sich am Lieferboykott beteiligt hatten.

Ro/TBV