Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Mit allen Sinnen lernen

Ausgabe Nummer 25 (2016)

Schule auf dem Bauernhof (SchuB)

Vom SchuB-Anlass im Juni auf dem Bauernhof der Familie Marianne und Bruno Ottiger in Riedt war die Einschulungsklasse der Primarschulgemeinde Arbon so begeistert, dass sie sich wünschte, so einen Anlass am liebsten wöchentlich zu wiederholen.

Die Klassenlehrerin Sohra Munz und ihre Teamteaching- Kollegin Tamara Lüthi organisierten und begleiteten dieses besondere Lernerlebnis für die Kinder. «Im Unterricht haben wir uns zuvor bereits intensiv und fächerübergreifend mit dem Thema Bauernhof beschäftigt. Während des Aufenthaltes in Riedt bei Erlen bekamen die Kinder Zeit, einen Steckbrief über ein Hoftier auszufüllen. Diesen vervollständigten alle danach im Unterricht und gestalteten ihn aus.» Die Einschulungsklasse verbrachte zwei Tage auf dem Birkenhof in Riedt, wobei Spass, Bewegung und gemeinsame Aktivitäten auf dem Programm standen. Insbesondere für einige Mädchen war es die Erfüllung eines grossen Wunsches, erstmals auf einem Pferd reiten zu dürfen. Danach befragt, ob sie dieses Angebot auch anderen Lehrkräften empfehle, sagte Sohra Munz: «Auf jeden Fall ist es empfehlenwert. Die Kinder haben viel Neues erfahren, Zusammenhänge verknüpft und verstanden, was vorher im Unterricht nur theoretisch besprochen wurde. Der praxisnahe Unterricht ist wertvoll und intensiver für die Kinder.» Der Lehrerin, ihrer Begleitperson und den Kindern gefielen insbesondere die Unkompliziertheit und Spontanität des SchuB-Angebotes. «Der Vorteil eines SchuB-Anlasses mit Übernachtungsmöglichkeit ist, dass die Kinder wirklich Zeit haben, die Umgebung und deren vielfältige Eindrücke auf sich wirken zu lassen», so Sohra Munz. Sie räumte aber ein, dass Vorbereitung und Planung ziemlich gross waren, da wie erwähnt, auf dem Hof übernachtet wurde.

Neugierde auf Natur und Umwelt wecken
Die Familie Ottiger bietet seit 2005 SchuB an. Marianne Ottiger erklärt ihr Engagement damit, dass es ihnen ein Anliegen ist, Kindern den Bezug zur Natur und der ursprünglichen Nahrungsproduktion zu vermitteln. Sie stelle fest, dass die Wahrnehmung des unmittelbaren Lebensumfelds, respektive der Bezug zur Natur und zu Tieren bei manchen Kindern und Jugendlichen etwas verloren gegangen ist. «Dem wollen SchuB-Anbieter entgegenwirken und bei den Kindern über die Freude an Erlebnissen auf dem Hof die Neugier auf das Entdecken der Umwelt neu erwecken. So stellt SchuB sicherlich eine sinnvolle Unterrichtsergänzung dar», sagt Marianne Ottiger. Auch bei den Rundführungen mit der Einschulungsklasse aus Arbon war es ihr wichtig, den Kindern den respektvollen Umgang mit Tieren zu vermitteln. Der SchuB-Anlass bedeutete auch für die Bäuerin, einiges an Vorbereitungen zu tätigen. So galt es, genügend Lebensmittel einzukaufen und Plätze bereit zu halten, wo die Kinder essen und in der Tenne übernachten konnten. Bei SchuB nimmt der Aspekt der Sicherheit grossen Raum ein: SchuB-Anbieter wie die Familie Ottiger bestimmen, welche Bereiche des Betriebes die Kinder betreten dürfen und setzen dabei auch Grenzen. Nebst der Arbeit rund um die Durchführung eines SchuB-Anlasses teilen Gastgeber wie Marianne Ottiger immer auch die schönen Momente mit den Kindern und Lehrkräften. «Uns war wichtig, dass die Kinder die verschiedenen Tiere unmittelbar erleben und sich im Verlaufe des Besuchs zu Begriffen wie zum Beispiel Huhn, Hahn, Küken reale Bezüge ergeben. Oder dass die Kinder sehen und dann spontan selbst herausfinden, welche Getreidekörner es im Futter der Hühner hat.» Miteinander Brotteig kneten und Brot backen für das Frühstück sowie die Konfitüre dazu selber einkochen war für die Einschulungsklasse ein verbindendes Gemeinschaftserlebnis.


Isabelle Schwander







« zurück zur Übersicht