Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Mit Biogasanlage in die betriebliche Zukunft investiert

Ausgabe Nummer 36 (2017)

Die kantonale Energiestrategie und beispielsweise das Biomassekonzept lassen sich nur umsetzen, wenn Unternehmen, Private und der Kanton eng zusammenarbeiten. Ein Beispiel für diese Zusammenarbeit ist die neue Biogasanlage der Familie Helfenberger.

Der Informationsdienst und das Departement für Inneres und Volkswirtschaft luden am 1. September zur Medienorientierung über Energiestrategie und Biomassekonzept auf den Betrieb der Familie Helfenberger, Bommershüsli, in Tuttwil ein. Hier wurde eine Biogasanlage besichtigt, die unmittelbar vor der Inbetriebnahme steht. Eingangs schilderte Kolumban Helfenberger, dass es inneres Feuer und Begeisterung brauche, um in der Landwirtschaft eine Perspektive zu sehen. Vor diesem Hintergrund plante er mit seiner Frau Heidi einen Trutenstall und eine Biogasanlage. Vor 31⁄2 Jahren übernahm Kolumban Helfenberger den elterlichen Betrieb. Sowohl seine Frau Heidi wie auch er entschieden, ihr Einkommen ausschliesslich in der Landwirtschaft erzielen zu wollen. Da Heidi Helfenberger den Impuls für den Betriebszweig der Trutenmast lieferte, sei es ein logischer nächster Schritt gewesen, die Feststoffvergärungsanlage zu errichten, um in geschlossenen Kreisläufen zu arbeiten. Für ein solches Vorhaben sei es wichtig, dass die ganze Familie dahinter stehe. Das Betriebsleiterpaar möchte andere Landwirte ermutigen, bei der Planung eines zusätzlichen Betriebszweigs den Bau einer Biogasanlage in Betracht zu ziehen. Kolumban Helfenberger schilderte, dass er in der rund zweijährigen Planungsphase, welche dem Bau der Feststoffvergärungsanlage voranging, eine gute Zusammenarbeit mit den Ämtern erlebte. Und er habe von der Unterstützung und Beratung des BBZ Arenenberg profitiert.

Geschlossene Kreisläufe
Für ein solches Bauvorhaben sei es empfehlenswert, frühzeitig mit Ämtern und Naturschutzverbänden zu kommunizieren. Der Konkurs ihres Baumeisters brachte Kolumban und Heidi Helfenberger nicht vom eingeschlagenen Weg ab. Nach nur einer Woche Unterbruch führten sie die Baustelle in eigener Regie weiter. Aus dem Trutenmaststall (mit 4500 Plätzen) sowie der Milchviehhaltung mit 30 Kühen und 20 Aufzuchtrindern fällt Mist an, der in der Feststoffanlage in Fermentern rund vier Wochen vergärt. Während dieser Zeit entsteht das Gas, aus welchem Strom und Wärme gewonnen wird. «Die Feststoffanlage ist so konzipiert, dass für deren Betrieb neben Mist beispielsweise auch Grüngut und Ernterückstände energetisch geeignet sind. In diesem Zusammenhang erklärte Kolumban Helfenberger, dass er von landwirtschaftlichen Betrieben in der Umgebung deren Mist aus Nutztierhaltung und Freizeitpferdehaltung in der Anlage mit verwertet. Die Anlage soll rund 1,2 Mio. KW/h pro Jahr produzieren. Die Wärmeproduktion, abzüglich Eigenbedarf und Wärmeverluste, wurde mit circa 340 000 KW/h beziffert. Damit können durchschnittlich 90 Haushalte mit Strom und 20 Haushalte mit Wärme für Heizung und Warmwasser versorgt werden. Das Blockheizkraftwerk mit Verbrennungsmotor erzeugt Abwärme, welche den Trutenstall beheizt.
Karl-Heinz Restle von der Firma Renergon International AG, welche mit dem Bau der Feststoffvergärungsanlage auf dem Hof Helfenberger betraut ist, erklärte die Feststofffermentation. Eine im Kreislauf geführte Prozessflüssigkeit, das Perkolat, wird zum Starten und Aufrechterhalten des Biogasprozesses benötigt. Es sorgt für die gleichmässige Verteilung der relevanten Mikroorganismen, Feuchtigkeit, Wärme, essentiellen Nährstoffen und stabilisiert mit den enthaltenen Puffersubstanzen den gesamten Biogasprozess. Störstoffe hätten weder Einfluss auf die robuste Anlagentechnik noch den stabilen anaeroben Abbau.

Hofdünger soll verstärkt vergärt werden
Gemäss dem Anlagenersteller handelt es sich bei der Anlage in Tuttwil um die erste landwirtschaftliche Feststoffvergärungsanlage der Schweiz. Christian Eggenberger, Leiter Beratung, Entwicklung, Innovation am BBZ Arenenberg thematisierte die Potenzialstudie von 2008 im Thurgau. Diese zeigte auf, dass Hofdünger das weitaus grösste Potenzial darstellt. Deshalb wurden verschiedene Massnahmen eingeleitet, um die Vergärung und damit die energetische Nutzung des Hofdüngers zu fördern. Die Biogasberatung am BBZ Arenenberg unterstützt Interessenten im Aufbau ihrer Biogasanlage, von der Idee bis zum Betrieb. In einer Erstabklärung werden Aspekte wie Lokalität, Standort, Absatz von Strom und die geschätzten Mengen an Substrat erörtert. Und selbstverständlich gehört auch Unternehmergeist zur Errichtung einer Biogasanlage, wie es für ihn das Beispiel des Betriebes Helfenberger aufzeige, sagte Christian Eggenberger.
Martin Eugster, Abteilungsleiter Abfall und Boden, Amt für Umwelt, erörterte die gesetzten Ziele des Biomassekonzeptes. Hofdünger soll verstärkt vergärt, und stofflich und energetisch nicht optimal genutzte biogene Abfälle für die Vergärung sollen verfügbar gemacht werden. Zu den gesetzlich verankerten Leitsätzen gehört die Kaskadennutzung (Teller-Trog-Tank), die den reinen Anbau von Energiepflanzen (ausser Zwischenfrüchten) ausschliesst. Martin Eugster sagte, dass eine Überprüfung der Separatsammlung nötig ist. Der Anteil von biogenen Abfällen (vor allem Rüstabfälle und Speisereste) im Kehricht beträgt rund 30 %. Den Gemeinden sollen Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden, damit die Separatsammlungen im Hinblick auf eine maximale Verwertung bei minimalen Kosten optimiert werden können.


Isabelle Schwander

























« zurück zur Übersicht