Ausgabe Nummer 16 (2009)
Mit Blick nach vorne den Ausweg suchen
Mitgliederversammlung der Thurgauer Milchproduzenten in Weinfelden
In der Milchbranche soll der Waffenstillstand zwischen Milchproduzenten und Verarbeitern eingehalten werden, forderte Ruedi Schnyder, Präsident der Thurgauer Milchproduzenten an deren Mitgliederversammlung.Ruedi Schnyder, Präsident der Thurgauer Milchproduzenten (TMP), stellte seine Berichterstattung an der TMP-Mitgliederversammlung unter das Motto eines Zeitungsartikels zur Wirtschaft «Im Vorwärtsgang durch die Krise». Getreu diesem Motto gelte für die Milchwirtschaft nur eines, nämlich mit Blick nach vorne den Ausweg suchen. Dies gelinge aber nur, wenn marktrelevante Fragen, welche das Produkt Milch betreffen, breit abgestützt diskutiert und gemeinsam Spielregeln defi niert werden. Dies bedinge eine Branchenorganisation, in der sich alle Akteure vertreten fühlen. «Sehr wichtig scheint mir, dass durch den Einbezug des Bundes als verlängerter Arm des Gesetzgebers Sanktionsmassnahmen möglich sind», sagte Schnyder. Nach seiner Meinung muss nach der Aufhebung der Milchkontingentierung per 1. Mai zwischen Preis und Mengenstrategie ein Konsens gefunden werden.
Zu lange zu teure Milch gekauft
In seinem Referat «Der Milchmarkt ? eine Herauforderung für alle» stellte Damian Henzi, Geschäftsführer der Hochdorfgruppe, fest, dass die Hochdorfgruppe einen Reingewinn von 1,6 Millionen Franken oder 61,4 Prozent weniger als im Vorjahr, erzielte. Die Hochdorfgruppe habe die verarbeitete Milchmenge um 21,8 Prozent auf 359,4 Millionen Kilogramm Milch gesteigert. «Wir haben zulange, zuviel und zu teure Milch gekauft», so Henzi. Für die Zukunft stelle sich die Frage, ob die Schweizer Milchwirtschaft «Landschaftspflege» betreiben oder sich als Milchland Schweiz entwickeln wolle. Um einen geordneten Markt zu gewähren, brauche es zwischen den Produzenten und Verarbeitern marktorientierte Instrumente wie Mengenkoordination, Milchbörse und einen garantierten Export zur Marktentlastung. Sorgen bereitet Henzi das Butterlager von 7326 Tonnen. Diese tickende «Zeitbombe» sollte mit rund 70 Millionen Franken abgeschrieben werden. Die Hochdorfgruppe habe bis 2012 Investitionen von 124 Millionen Franken geplant. Dies beweise, dass sie an die Schweizer Milchwirtschaft glaube, bekräftigte Henzi.
SMP-Delegiertensitze neu verteilen
Schnyder liess nochmals die Verdienste des ehemaligen Geschäftsführers Alfred Ernst Revue passieren. In seinem Jahresbericht machte Geschäftsführer Jürg Fatzer auf die sinkenden Käseexporte von 10 800 auf 8821 Tonnen (minus 18 Prozent) aufmerksam. Im Gegensatz dazu nehme der Importdruck (plus 3752 Tonnen) zu. Der Preis von Emmentaler werde um Fr. 1.? und der Preis von Appenzeller um Fr. 1.05 und damit auch der Milchpreis um 8 bis 9 Rappen gesenkt. Christian Wolf erklärte seinen Rücktritt aus dem Vorstand.
In einer Konsultativabstimmung wurde ein Antrag des Vorstandes der PMO Biedermann/ Züger an den Vorstand der TMP überwiesen, der verlangt, dass mindestens die Hälfte der TMP-Delegierten für die SMP-Delegiertenversammlung durch Präsidenten oder Vorstandsmitglieder der im Thurgau tätigen PO und PMO besetzt sein müssen.
Mario Tosato

Ruedi Schnyder (rechts) bedankt sich beim ehemaligen Geschäftsführer Alfred Ernst für die geleisteten Dienste. (tos)
