Ausgabe Nummer 25 (2003)

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Mit Enschiedenheit und Konsequenz

Thurgauer Zukunftslandwirtschaft/Teil 4
 

 
Daniel Vetterli versteht seinen 40-Hektar-Familienbetrieb in erster Linie als professionelle Produktionsstätte von landwirtschaftlichen Rohstoffen. Drei Betriebszweige werden ohne grosse Investitionen rationell und effizient geführt und damit fit für die Zukunft gehalten. Massgebend ist für den Betriebsleiter, dass einmal getroffene Entscheide mit der notwendigen Konsequenz umgesetzt werden.
  
«Landwirt ist und bleibt für mich ein Traumberuf.» Daniel Vetterli (37) ist mit Leib und Seele Landwirt. Der Vater von vier Kindern bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau Käthi, seinen Eltern und einem Lehrling in Rheinklingen einen 40-Hektar-Betrieb. Zwar hätte ihn der Berufsberater in die Kanti oder ans Semi «schicken wollen», doch für ihn sei von Anfang an klar gewesen, dass er Landwirt werden und den elterlichen Hof übernehmen will. So entschieden, wie er den Beruf ergriffen hat, so entschieden setzte Daniel Vetterli in den letzten Jahren Akzente in der Betriebsentwicklung.
Denn Traumberuf hin oder her, die wirtschaftliche Entwicklung verlangte tatkräftiges Handeln. «Ausreizen der bestehenden Strukturen», heisst dabei das Motto. Und so setzt der Schlatthof mit aller Konsequenz auf die drei traditionellen Standbeine Milchviehhaltung, Mutterschweine und Ackerbau (siehe Betriebsspiegel).
Der Entscheid für Vielseitigkeit und gegen eine Spezialisierung wurde Mitte der 90er-Jahre gefällt, als der bestehende Anbindestall in einen Laufstall umgebaut wurde. «Spezialisierung hätte Kosten nach sich gezogen und das Einkommen über lange Zeit gesenkt. Zudem konnten wir uns dabei auf Betriebszweige abstützen, die bereits eine rechte Grösse hatten», erklärt Vetterli dazu. Der Entscheid, sich auf die drei Standbeine zu konzentrieren, sei keineswegs auf «alle Ewigkeit» gefällt worden, präzisiert Daniel Vetterli. In den nächsten 10 bis 15 Jahren werde diese wohl so bleiben. In 10 Jahren werden die Investitionen abgeschrieben sein, und bis dann, so hält Vetterli weiter fest, «wird bereits die nächste Generation mitreden wollen.»

Nahrungsmittel produzieren
Die mehrschienige Strategie, aus den bestehenden Strukturen das «Beste herauszuholen», wurde seither konsequent umgesetzt. Um mit den geänderten Rahmenbedingungen Schritt halten zu können, wird versucht, in jedem der drei Standbeine so rationell und kostengünstig wie möglich zu arbeiten. «Ich habe für die Verkehrsmilch eine Vollkostenrechnung machen lassen, und weiss nun, wo für unseren Betrieb die Schmerzgrenze liegt», meint er mit Blick in die Zukunft. Die Kosten im Griff zu halten (zum Beispiel durch Silofütterung und Vollweide) ist eine Seite, die andere Seite bleibt die Ausdehnung der Produktion. Die Milchmenge und damit die Anzahl Milchkühe hat sich seit dem Umbau vor sieben Jahren verdoppelt. 40 Kühe dreier Rassen stehen im Stall. Damit sei das Optimum innerhalb der bestehenden Strukturen erreicht, einzig mit züchterischem Fortschritt könnten noch einige tausend Liter mehr gemolken werden.

«Optimum statt Maximum»
Ähnlich wie bei der Milchviehhaltung hat sich der Betrieb auch bei der Muttersauenhaltung und im Ackerbau entwickelt. Weil ein Nachbar seinen Betrieb Parzellenweise verkauft hat, konnte Daniel Vetterli die Fläche um sieben Hektaren erweitern. Kostenseitig wird mit überbetrieblicher Zusammenarbeit optimiert, bei den Einnahmen mit Label-Vermarktung (IP-Suisse). Bei Kartoffeln und Getreide baut Daniel Vetterli auch Saatgut an. «Je nach Jahr verkaufe ich einen Teil des Getreides als Saatgut. Allerdings liegt der Preis nicht wesentlich über dem von &Mac220;gewöhnlichem&Mac221; Getreide, da überlege ich es mir sehr gut, ob ich mit dem Saatgetreide eigens nach Winterthur zur Sammelstelle fahre», gibt er zu bedenken. Im Gegensatz zur Tierhaltung könne man im Ackerbau aber flexibler auf die Verhältnisse am Markt reagieren, dies zeige sich etwa beim Anbau von Soja oder von Sonnenblumen.

Zurückhaltung beim Nebenerwerb
Daniel Vetterli versteht sich als Unternehmer, der landwirtschaftliche Rohstoffe herstellt. Die rationell und effizient geführten Betriebszweige lassen denn auch wenig Raum für Nebenerwerb. Trotzdem ist er vor einigen Jahren zusammen mit einem Berufskollegen in die Grüngutverwertung «eingestiegen». «Die Arbeiten rund um die Feldrandkompostierung lassen sich sehr gut in die Betriebsabläufe einbinden,», begründet Vetterli diesen Schritt. Dank Zusammenarbeit mit Gemeinden soll dieser «Betriebszweig» in Zukunft noch mehr zum wirtschaftlichen Erfolg des Hofes beitragen
Die direkte Vermarktung der Produkte ab Hof ist für Daniel Vetterli ebenso wenig ein Thema wie beispielsweise eine Umstellung auf biologische Landwirtschaft. «Für Direktvermarktung fehlt bei uns schlicht und einfach der Markt», wirft er ein. Und eine Umstellung auf Bio wäre zwar grundsätzlich möglich, hätte aber einschneidende Konsequenzen auf den Ackerbau (Kartoffeln/Zuckerrüben) und auf die Ferkelproduktion. Das ausgewogene Dreigestirn Milchviehhaltung-Mutterschweine-Ackerbau will er aber keineswegs fahrlässig aufs Spiel setzen. «Wenn man sich einmal für etwas entschieden hat, ist es besser, dies professionell weiterzuführen, als ständig die Strategie zu wechseln», ist Vetterli überzeugt.

Spass am Unterrichten
Bei allem Hang zur Tradition bei den Betriebszweigen bleibt die junge Familie Vetterli neuen Ideen gegenüber mehr als aufgeschlossen. So ist gerade in dieser Woche die gesamte Schule Wagenhausen mit rund 60 Schülerinnen und Schülern zu Gast bei Käthi und Daniel Vetterli. Im Rahmen von SchuB (Schule auf dem Bauernhof) verbringen die Kinder klassenweise jeweils vier Stunden auf dem Hof. «Wir wollen den Schülern einen Bezug zum Rohstoff vermitteln, denn die meisten kennen nur das Produkt aus dem Laden», begründet Vetterli sein Engagement. Vor vier Jahren war bereits die Schule Kaltenbach zu Besuch. «SchuB ist für uns kein Nebenerwerb, aber wir können die Schülerinnen und Schüler für die Sache der Bauern sensibilisieren.» Und schliesslich mache es ihm Spass, zu unterrichten. Trotzdem wäre aus ihm nie ein Lehrer geworden. «Im Schulzimmer ist es mir zu eng. Als Landwirt kann ich selbstständig und in der freien Natur arbeiten.»
Die Natur ist aber nicht nurArbeitsort der Familie Vetterli, sie dient auch der Erholung. Die Abkühlung im nahen Rhein gehört bei den hochsommerlichen Temperaturen zum Tagesablauf. «Das möchten wir wirklich nicht mehr missen», macht Daniel Vetterli klar. (hil)
   

Käthi und Daniel Vetterli mit Marcel und Eliane:
Verwurzelt in ihrer Umwelt
zwischen Seerücken, Rodenberg und Rhein. (hil)

 

Betriebsspiegel
Schlatthof, Rheinklingen, Käthi und Daniel Vetterli mit David, Robin,
Marcel und Eliane.
Die Eltern wohnen auf dem Hof und arbeiten ebenfalls mit.
Lehrlingsausbildung (1 bis 2 Lehrlinge), Saisonale Aushilfen
Nutzfläche: 40 ha
Betriebszweige:
-
Verkehrsmilchproduktion
-Mutterschweine
-Ackerbau
(Zuckerrüben 7 ha, Kartoffeln 7 ha, Silomais, Getreide, Lagergemüse)
-Feldrandkompostierung
-10,5 Prozent Öko-Ausgleichsfläche
-150 Hochstammbäume

  

Betriebsporträts
Unter dem Titel «Thurgauer Zukunftslandwirtschaft» porträtiert der Thurgauer Bauer regelmässig Betriebe aus dem Kanton. Die Serie soll aufzeigen, wie sich die Thurgauer Bauernfamilien im Einzelfall der Zukunft stellen, welche Überlegungen gemacht werden, und welche Schritte unternommen werden, um dem Betrieb und der Familie eine
sichere Zukunft zu ermöglichen. Bereits erschienen: Interview mit Andreas Binswanger, Präsident TBV (Nr. 9, Freitag, 28. Februar); Beatrice und Albert Schönholzer, Sulgen (Nr. 13, Freitag, 28. März); Felix Graf, Happerswil (Nr. 20, Freitag, 16. Mai). (hil)

 
 
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