Ausgabe Nummer 25 (2003)

zurück zur Übersicht

Mit Entschiedenheit und Konsequenzen

Obstbau: Wicklerbekämpfung richtig terminieren
 
 
Daniel Vetterli versteht seinen 40-Hektar-Familienbetrieb in erster Linie als professionelle Produktionsstätte von landwirtschaftlichen Rohstoffen. Drei Betriebszweige werden ohne grosse Investitionen rationell und effizient geführt und damit fit für die Zukunft gehalten. Massgebend ist für den Betriebsleiter, dass einmal getroffene Entscheide mit der notwendigen Konsequenz umgesetzt werden.
  
Bei Kontrollen an verschiedenen Standorten konnten wandernde Larven der Austernschildlaus beobachtet werden (sehr schwierige Kontrolle, wenn nicht irgendwo ein markierter Baum vorhanden ist). Der Behandlungszeitpunkt wäre daher jetzt günstig, Wirkungen sind durch den Einsatz verschiedener Phosphorsäureester möglich, aufgrund von Erfahrungen der FAW empfehlen wir aber, Pyrinex einzusetzen. Bei den Kontrollen in jenen Betrieben, welche Mineralöl im Frühjahr eingesetzt haben, sind die Produzenten durchwegs zufrieden mit dem Behandlungserfolg. Wichtig ist eine hohe Wassermenge und dass die beiden Baumseiten gegeneinander behandelt werden.
Für die Falter des Apfelwicklers herrschten gute Bedingungen für den Flug und die Eiablage. Die Fallenfänge sind allerdings sehr unterschiedlich, im Allgemeinen eher tief. Es muss mit einer potenziellen zweiten Generation gerechnet werden. Neu bewilligt ist das Mittel Prodigy. Es darf aber nur mit Sonderbewilligung in der IP eingesetzt werden. Der Wirkstoff ist mit jenem von Mimic vergleichbar und sollte deshalb nicht in einer Spritzfolge mit Mimic eingesetzt werden. Hingegen kann es als Alternative zu Mimic in der Nachbehandlung Verwendung finden, wenn mit einem anderen Wirkstoff bereits eine Behandlung gemacht wurde. Betriebe, welche erstmals verwirren und einen hohen Befallsdruck haben, können wie folgt vorgehen:
Gezielte Behandlung gegen Apfelwickler mit Granuloseviren, eventuell Wiederholung nach 10 bis 14 Tagen. Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von Stewart (Apfelwickler, Kl. Fruchtwickler, Schalenwickler) oder bei Mehrfachindikationen Pyrinex oder Reldan (zum Beispiel wenn gleichzeitig die Austernschildlaus behandelt werden muss. Diese beiden Mittel sind nicht nützlingsschonend).
Die erste Generation des Schalenwicklers scheint bereits abgeschlossen zu sein. Allgemein war die Flugaktivität auf tiefem Niveau. Behandlung falls nötig ähnlich wie beim Apfelwickler: Granuloseviren (Capex), Mimic oder Prodigy, im Notfall Pyrinex oder Reldan.
Der Flughöhepunkt des Kleinen Fruchtwicklers dürfte erreicht sein. Kontrollen auf Einbohrungen in den nächsten Tagen . Bei hohem Befall Stewart oder Phosphorsäureester einsetzen. Die Schadschwelle liegt bei 1 bis 2 Prozent Befall.

Schwierige Spinnmilbenbehandlung
Vermehrt sind Meldungen an uns herangetragen worden, wonach Akarizidbehandlungen gegen Spinnmilben notwendig geworden sind und die Behandlungen ungenügend wirkten. Wir möchten dies genauer ergründen und hoffen auf einige Hinweise zu den Hintergründen.
Wer Probleme hat, ruft uns bitte an oder faxt uns ehrliche Antworten zu folgenden Fragen:
? Welche Mittel wurden eingesetzt (Einsatztermine)?
? Sind Mittel mit anderen Akariziden gemischt worden? Zum Beispiel Apollo und Zenar usw.
? Wurde bei diesen Mischungen ein oder beide Mischpartner mit reduzierter Menge eingesetzt?
? Wie viel Wasser wurde für die Behandlung verwendet?
? Sind Raubmilben in der Parzelle vorhanden?
? Wie sieht das Fungizidprogramm aus, im Speziellen: wie oft wurde Captan, Folpet oder Euparen gespritzt, (eventuell in Mischung mit Schwefel).
? Wurde Mancozeb verwendet?

Steinobst
Der Falterflug des Pflaumenwicklers war nicht so hoch wie sonst, trotzdem ist die zweite Generation im Anzug. Behandlung mit Insegar in mittleren Lagen zwischen 400 bis 550 m ü. M. gegen Ende der Woche 26. Höhere Lagen Woche 27. Gemäss H. Höhn, FAW, genügt eine Behandlung mit Insegar auch bei längerem Flug. Stewart hingegen muss zirka 5 Tage später eingesetzt werden, und die Behandlung ist nach 14 Tagen zu wiederholen. Obwohl bei Insegar bisher keine Resistenzen bekannt sind, kann ein Mittelwechsel nicht schaden, besonders bei Betrieben, welche schon seit Jahren mit Insegar einsetzen.
Gegen die Kirschenfliege bei späten Sorten beim Farbumschlag von gelb auf rot behandeln. Ein Nachweis der Behandlungsnotwendigkeit durch das Aufhängen von gelben Klebfallen wird erwartet, im Thurgau ist dieser Schädling nicht überall vertreten. Die Wartefrist von drei Wochen unbedingt einhalten. Spritzflecken vermeiden, d.h. mit wenig Wasser und Netzmittel in halber Konzentration behandeln. Kombination mit Bitterfäule und Moniliabehandlung möglich. Mittel: Dimethoat. Gegen Monilia kann in nicht abgedeckten Kulturen Teldor bis 10 Tage vor dem Erntetermin eingesetzt werden. Bei starkem Befall keine Spritzungen mehr ausbringen. Dann Bäume besonders genau ernten, damit der Pilz nicht überwintern kann.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle
Pflanzenschutz und Ökologie, Urs Müller,
Fax 071 663 33 19, Telefon 071 663 33 04.
  
  
top     schliessen