Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. September 2019


Mit Fütterungssingalen die Gesundheit und Leistung verbessern

Ausgabe Nummer 36 (2019)

Die Milchleistungsprüfung liefert dem Landwirt rückwirkend Informationen, wie es um seine Kühe stand. Mit den Fütterungssignalen Obsalim kann der Tierhalter tagesaktuell sehen, wie es um den Stoffwechsel seiner Tiere steht. Es braucht dazu keinen Tierarzt oder Berater, der Landwirt kann direkt selber agieren.

Der Arenenberger Anbindestallstamm stand ganz im Zeichen der Fütterungssignale Obsalim. Die Referentin Mechthild Knösel, selber Milchviehhalterin in Überlingen (D), erläutert den Anwesenden die Methode. Hier ein kurzer Einblick dazu.

Wie es entstand …
Der französische Tierarzt Bruno Giboudeau hat sehr viele kranke Tiere beobachtet. Dabei stellte er fest, dass im Übergang von gesund zu krank die Tiere spezifische Symptome zeigten, bevor dass sie krank wurden. Diese Symptome hat Giboudeau systematisch zusammengestellt, sodass der Tierhalter am Beobachtungstag sehen kann, wie es um den Stoffwechsel seiner Herde steht. Ein gesunder Stoffwechsel der Herde wirkt sich auf eine bessere Tiergesundheit, Leistungsbereitschaft und Wirtschaftlichkeit aus. Die Methode Obsalim kann für alle Wiederkäuer angewendet werden. Das System wurde für Milchkühe, Schafe und Ziegen ausgearbeitet. Als Hilfsmittel im Stall stehen dem Landwirten kleine Kärtchen oder eine App zur Verfügung.

Überblick über den Ablauf
Der Ablauf erfolgt in drei Schritten: Der Landwirt gewinnt als Erstes einen Eindruck über seine ganze Herde. Danach sucht der Tierhalter mithilfe der Kärtchen gezielt nach spezifischen Symptomen in der Herde. Die Symptome, die er in einem Grossteil seiner Herde festgestellt hat, geben Rückschlüsse über die Energie- und Eiweissverdauung, Rohfasern sowie Pansenstabilität und wo entsprechend in der Fütterung anzusetzen ist.

1. Schritt: Der erste Eindruck
Beim ersten Eindruck schaut man sich von ferne die Homogenität der Herde an: Wie ist ihr Verhalten, fressen oder liegen alle? Wie ist die Körperkondition, sind alle mager oder gibt es grosse Unterschiede? Wie sieht es mit der Vitalität oder dem Glanz des Felles aus, sehen alle Felle matt aus oder besteht eine grosse Streuung?
Je homogener sich die Herde präsentiert, umso weniger Fütterungssymptome wird man später finden – die Tiere haben bereits einen relativ ausgeglichenen Stoffwechsel und es besteht weniger Potenzial, die Fütterung zu optimieren. Gleichzeitig sind bei einer inhomogenen Herde viele Symptome zu erwarten – mit viel Luft nach oben bei der Fütterung. Ebenso gibt die Verschmutzung der Tiere Hinweise auf deren Ursache: Fütterung, Haltung, Elektrosmog oder Krankheit. Probleme mit der Haltung können nicht mit der Fütterung korrigiert werden.

2. Schritt: Einzelsymptome
Es gibt verschiedene Zonen, wo Symptome auftreten können: Nase, Augen, Klauen, Haarkleid, Urin, Kot. Eine völlig ausgeglichene Kuh zeigt keine Symptome, ein Zeichen eines guten Stoffwechselgleichgewichts. Eine im Stoffwechsel unausgeglichene Kuh zeigt hingegen viele Symptome.
Die Symptome geben Auskunft über die Pansenstabilität, und inwiefern die Kuh die ihr zur Verfügung stehende Energie, Eiweiss und Fasern auch tatsächlich nutzt, verdaut und in Leistung umsetzt.
Beispiele einiger Symptome:
− Schleckstellen hinter der Schulter (pHG-Zone): Diese weisen auf
   Pansenübersäuerung hin und können innert zwei Stunden auftreten
   und wieder verschwinden.
− Aufstehende Haare «Kamm» an der Schulter: Der Haarkamm ist
   eine Reaktion des Pansenmeridians und zeigt, dass mehr gefressen
   wird als abgebaut werden kann. Es kann innerhalb dreier Tage
   auftreten und verschwinden.
− Schwarze Krusten an den Augen: Dies tritt innert 24 Stunden auf
   und gibt Hinweise auf Energieund Faserversorgung.
− Anhaftende Futterreste an der Nase: Dies kann innert 48 Std.
   auftreten und zeigt ein Ungleichgewicht bei Energie- und
   Faserverdauung.
− Verschwommene, abgegrenzte Farbflecken im Fell (siehe Bild):
   Der Farbübergang kann innerhalb von zwei Wochen auftreten und
   wieder verschwinden und gibt Hinweise zum Energie und
   Eiweissstoffwechsel.

3. Schritt: Analyse und Umsetzung
Bei der Auswertung möchte man bei einer laktierenden Kuh möglichst eine Auswertung mit wenigen Unterschieden in der Verdauung von Energie, Eiweiss und Fasern finden. Dies bedeutet einen ausgeglichenen Stoffwechsel. Gemäss der Referentin Mechthild Knösel ist oft die Pansenstabilität die grösste Herausforderung: Die Mikroorganismen im Pansen möchten möglichst 24 Stunden, beziehungsweise morgens und abends, das gleiche Futter haben, das heisst, auch den gleichen Heuschnitt und die gleiche Fütterungsreihenfolge.
Knösel äusserte sich zudem kritisch über das ständige Futtervorlegen. Sie verglich das Fressen mit dem «Futter einkaufen» und das Wiederkauen mit dem «Kochen und Essen». Es brauche für beides genügend Zeit, nur immer «Futter einkaufen» funktioniere nicht. So könne es auch zu einer Überfütterung kommen: Es werde viel gefressen, jedoch zu wenig Leistung darauf erbracht. Die schlechte Futterverwertung zeigt sich dann auch in einem Kotkuchen von 27 mm und höher.


Text: Jenifer van der Maas, BBZ Arenenberg, Milchproduktion,
Bild: Michael Schwarzenberger




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