Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
25. September 2020


Mit Grips anstelle von Muckis

Ausgabe Nummer 37 (2020)

Effizienter, angenehmer und sicherer Umgang mit Rindern

Rinder sind gute Beobachter
Rinder sind Herdentiere und als solche sehr intelligent und hervorragende Beobachter. Diese Eigenschaften lassen den Umgang mit ihnen stressfrei und effizient gestalten. Oft beobachten uns die Rinder schon von Weitem. Aber erst, wenn wir eine gewisse Nähe zu den Tieren erreicht haben, beginnen sie auf uns zu reagieren. Machen wir dann noch ein paar Schritte auf sie zu, sind wir in der Bewegungszone der Rinder und es wird den meisten Tieren zu viel. Sie weichen dem Druck, den wir auf sie ausüben, indem sie Abstand gewinnen.

Rinder reagieren stark auf Körpersprache
Selbstverständlich ist die Reaktion der Rinder auf uns je nach: Position zum Tier, Winkel zum Tier, Geschwindigkeit und Timing verschieden. Also, trete ich in der Kopfregion seitlich auf ein Tier zu, so werden die meisten Tiere sich nach vorne von mir abwenden. Übrigens, wenn sie frontal auf ein Rind zulaufen, ist das eine Kampfansage und sie müssen damit rechnen, dass das Tier sie angreift. Also immer seitlich sich dem Tier nähern. Wollen sie das Tier bewegen, so laufen sie im Zickzack auf das Tier zu, denn ein Grundsatz beim stressfeien Umgang mit Tieren heisst:
«Bewegung erzeugt Bewegung»
Ist das Tier einmal in Bewegung, können sie es nur durch Beherzigen der oben genannten Punkte leiten. Laufen sie am Rande der Bewegungszone mit dem Tier mit, so wird es langsamer werden und nach kurzer Zeit stehen bleiben. Laufen sie aber in entgegengesetzter Richtung zum Tier ebenfalls am Rande seiner Bewegungszone, so wird das Tier schneller. Es möchte möglichst schnell wieder seine Komfortzone erreichen und den Druck, den sie mit ihrer Anwesenheit auf das Tier auslösen, loswerden.

Gegenseitiges Vertrauen ist das Fundament im Umgang mit Rindern
Nur wenn das Tier die Erfahrung hat, dass die Person, die da mit ihm arbeiten will, ihm gut gesinnt ist, wird es gerne das von ihm Verlangte mitmachen. Das gilt selbstverständlich auch für den Tierbetreuer. Hat einer der beiden Beteiligten Angst, kann daraus leicht Panik werden und dann wird es richtig gefährlich. Aber auch gut gemeinte Zuneigung kann zu tragischen Missverständnissen im Umgang mit Rindern führen. Eigentlich wollte der Stier ja nur spielen, heisst es dann nicht selten. Aber leider hatte er die Wirkung seiner Kräfte nicht dem Menschen angepasst.

Guter Umgang mit Rindern kann jedermann lernen
An der landwirtschaftlichen Schule am Arenenberg wird auch dieses Jahr im November wieder ein eintägiger Kurs zum Thema «Stressfreier Umgang mit Rindern» angeboten. Philipp Wenz ist ein hervorragender Spezialist auf diesem Gebiet. Er begeistert seit Jahren in ganz Europa Neugierige für diese Methode. Vorteile von stressfreiem Umgang mit Rindern:
− Tiere werden kontrollierbar
− Die Arbeitsleistung steigt
− Die Leistung der Tiere wird besser
− Verluste gehen zurück
− Weiden wird effizienter

Mit den Tieren arbeiten macht Spass
Doris Guhl aus Oppikon hat den Kurs besucht und ist seitdem mit noch mehr Spass am Arbeiten mit ihren Milchkühen. «Ich kann seit diesem Tag viel entspannter in den Stall», sagt sie. «Ich habe mit meinen Kühen einen völlig neuen Umgang gelernt. Seitdem mache ich viel weniger Aktionen meinerseits, ich beobachte die Tiere viel mehr und setze meine Körpersprache zielbewusst und klar verständlich für die Tiere ein. Immer wieder einen Schritt zurückgehen, um den Tieren Zeit für ihre Reaktion zu geben, ist entscheidend», meint sie. «In der Mensch-Tier-Beziehung ist der Mensch der Schlaue. Es liegt also an ihm, Wege und Lösungen zu finden, damit die Arbeit mit den Tieren zum Ziel führt. Setzte ich meinen Körper und die von mir gewählten Gegenstände so ein, dass die Tiere mit Freude und aus freiem Willen meine erwünschte Reaktion zeigen, habe ich einen grossen Schritt zum stressfreien Umgang mit Tieren gemacht.»

Neuer Kurs am 5. November 2020 in Tänikon
Habe ich Ihre Neugier geweckt? Gerne gebe ich weitere Auskünfte zum Kurs oder nehme Ihre Anmeldung entgegen:
Bruno Ottiger, Tel. 058 345 85 27 oder E-Mail an bruno.ottiger@tg.ch.


Text und Bild:
Bruno Ottiger, Milchviehteam, BBZ Arenenberg




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