Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Mit Investitionen Zukunft des Zuckers sichern

Ausgabe Nummer 7 (2017)

Klare Botschaft der Schweizer Zucker AG

Vor den Mitgliedern der Ostschweizer Vereinigung für Zuckerrübenbau (OVZ) skizzierte Andreas Blank, Verwaltungsratspräsident der Schweizer Zucker AG, die Strategie, wie die Zukunft der Schweizer Zuckerwirtschaft gesichert werden soll.

Bekanntlich läuft in diesem Jahr die Zuckermarktordnung in der EU aus. Diese auf 2005 basierende Ausgangslage bei einem Eurokurs von 1.60 Franken beinhaltet eine Zuckerquote von 13,5 Mio. Tonnen, wobei deren 1,3 Mio. für den Export bestimmt sind. Ab dem 1. Oktober 2017 bei einem Eurokurs von 1,10 Franken ist die Produktion offen und die Exporte unlimitiert. Konkret heisst das, dass 2005 die Tonne Zucker etwas mehr als 1000 Franken kostete und jetzt knapp unter 600 Franken liegt. «Die Neuausrichtung der EU hat für die Schweiz zur Folge, dass überschüssiger EU-Zucker als nächstes mit Dumpingangeboten in die Schweiz drängt», hielt Andreas Blank fest. Die EU hingegen hat einen eigenen Grenzschutz von 419 Euro pro Tonne, sodass ein Schweizer Export in die EU gar nicht möglich ist. Entsprechend ist der Umsatz bei den beiden Schweizer Zuckerfabriken massiv eingebrochen. «Wir verzeichnen gegenüber 2014 mit einem aktuellen Ertrag von 140 Mio. Franken einen Mindererlös von 55 Mio. Franken», führte Blank aus.
Blank kam auch auf die aktuelle Situation auf den Zuckermärkten zu sprechen. Auf dem Weltmarkt stelle man aktuell steigende, volatile Weltmarktnotierungen fest. In der EU sorgen abnehmende Importe und die geringere Ernte 2015 zu einer kurzfristigen Verknappung und steigenden Preisen. «In der Schweiz haben die stark gesunkenen Erträge aus Zucker und Rüben dazu geführt, dass wir bereits zweimal Reserven auflösen mussten. Ab 2017 erwarten wir eine Produktionserhöhung in der EU, was zu einem hohen Importdruck mit EU-Überschusszucker mit aggressiven Preisen führen kann», so Blank mit etwas Sorgenfalten.

Schweizer Zuckerbranche handelt
Auf diesen enormen wirtschaftlichen Druck haben die Zuckerunternehmen bereits stark reagiert, indem sie unter anderem den Personalbestand um 36 Vollzeitstellen (–14 %) abbauten. «Uns ist es mit einem Fitnessprogramm gelungen, seit 3 Jahren jährlich 5 bis 8 Mio. Franken einzusparen», so Blank. Doch dies reicht für die Zukunft nicht. Entsprechend kündigte Blank weitere Effizienzsteigerungen an. «Auch die Landwirtschaft muss ihren Anteil erbringen und die Produktionskosten senken. Zugleich sind die Transporte zu optimieren, um damit ebenfalls die Kosten zu verringern». Blank hofft auch auf eine Erhöhung der Einzelkulturbeiträge für Zuckerrüben und einen verbesserten Grenzschutz, wobei dieser an klare Bedingungen geknüpft sein muss. Die Schweizer Zuckerwirtschaft will zudem mit einem weiteren Sparprogramm für 2017 10 % bei allen Kostenpositionen sparen, und mit einer Arbeitszeiterhöhung von 1,5 Stunden pro Woche, weiter Mitarbeiter abbauen plus Energie einsparen. Er sieht zudem ein grosses Potenzial in der Ausdehnung der Biozuckerproduktion, wo auch Exporte möglich sind. Um beide Werke weiter gut oder gar besser auszulasten, steht weiterhin der deutsche Rübenanbau im Fokus. Mit dem Ausbau der Lagerkapazitäten bezüglich Zucker und Futtermittel soll eine bessere Anpassung an die preislichen Marktverhältnisse ermöglicht werden. «Mit einem Zuckersilo für zusätzlich 40 000 t Zucker und einem Investitionsvolumen von 12 bis 14 Mio. Franken können wir Zwangsverkäufe verhindern, wobei man sich auch eine Fremdfinanzierung vorstellen kann», so Blank.
Zudem will man den Perimeter öffnen, indem man in zuckernahe Bereiche strategische Investitionen tätigt. Dabei stehen für Blank die Schnitzeltrocknung, eine optimierte Energieerzeugung und die Pektinproduktion im Vordergrund. Im Werk Frauenfeld befinden sich bereits Projekte mit dem Abpressen der Rübenerde, das Pelletlager und die Pilotlinie Rübenpektin in der Umsetzung. Für Aarberg ist ein Holzheizkraftwerk entscheidungsreif. Dieses soll mit zwei weiteren Partnern realisiert werden und einen Gaskessel ersetzen. Ebenso steht auch bei der Rübenlogistik das Containersystem vor dem Entscheid, ob man die Container allenfalls selber kauft oder least und ausserhalb der Rübensaison die Nutzung Dritten zur Verfügung stellt.
Abschliessend machte Blank aber deutlich, dass man weiterhin dem Unterhalt und den Erhaltungsinvestitionen grosse Bedeutung zumessen wird, um die weltweit höchste Qualität des Zuckers weiterhin zu gewährleisten.


Roland Müller




« zurück zur Übersicht