Ausgabe Nummer 40 (2007)

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Mit möglichst wenig Feuerbrand in den Winter gehen

Nacherntearbeiten in Obstanlagen



Die Obsternte ist bereits bei den späten Sorten angelangt. So bleibt eine kurze Verschnaufpause, um die weiteren Arbeiten in den Obstanlagen in Angriff zu nehmen. Die Feuerbrandsituation erfordert aber auch jetzt noch grosse Aufmerksamkeit. Die folgenden Zeilen sollen dazu beitragen, mit möglichst wenig Feuerbrand in den Winter zu gehen.



Stickstoff wird bei immer noch hohen Bodentemperaturen und genügend Bodenfeuchte reichlich eingelagert. Trotzdem kann es bei den guten Behängen von Vorteil sein, wenn bei noch aktivem Blatt, ein bis zwei Harnstoffspritzungen (15 kg/kg) appliziert werden. Baumauswahl: Durch Engerlinge geschädigte Bäume, Bäume mit hohen Erträgen, zu schwachwüchsige Bäume. In Parzellen, welche vom Feuerbrand heimgesucht wurden, mit Stickstoffgaben eher zurückhaltend agieren. In den letzten Wochen stellen wir eine deutliche Zunahme des Mäusedruckes fest. Die Bekämpfung baldmöglichst in Angriff nehmen und das Gras möglichst spät nochmals mulchen. In einzelnen Obstanlagen wurden in den letzten Jahren Pilzinfektionen verschiedener Pilze festgestellt, welche bisher als Schaderreger wenig bekannt oder nie im grösseren Ausmass aufgetreten sind. Ob das mit wärmeren Temperaturen oder der Hygiene in den Obstanlagen zusammenhängt, sei dahingestellt. Ein Zusammenhang könnte aber Fallobst sein, welches in den Anlagen liegen bleibt.Wenn möglich also Fallobst aus den Anlagen entfernen oder zumindest in die Fahrgassen rechen und vermulchen. Wo die Begrünung zu dicht wurde, evtl. nochmals mit Glufosinate abbrennen. Sind viele mehrjährige Kräuter dabei, kann auch Glyphosate eingesetzt werden. Die Wirkung ist jetzt aber sehr langsam, es findet jedoch ein Transport in die Wurzeln statt, und die Wirkung ist dadurch recht nachhaltig.

Feuerbrand, Stand der Dinge
Die Entschädigungen für Rodungen in Obstanlagen, nicht aber die Sanierungsprotokolle, sind bis auf wenige Betriebe abgeschlossen. Bei den Hochstämmen laufen teilweise noch Nachkontrollen, besonders weil bei Birnbäumen noch Triebbefall auftrat. Sobald der Kontrolleur die Formulare abschliesst, fliesst auch Geld. Dazu sind die angeordneten Massnahmen, wenn noch nicht erledigt, auch durchzuführen. Auch die Entfernung von Befall an punktierten Bäumen gehört dazu.
Allerdings ist es jetzt weit schwieriger als im Sommer, die Befallsstellen zu finden. In den meisten Obstanlagen wurde bei der Ernte noch übersehener Feuerbrand festgestellt. Auch hier ist es sehr wichtig, dass dieser noch entfernt wird resp. Bäume mit Anzeichen von Cankern noch gerodet werden. Zudem tritt hauptsächlich in Betrieben mit sehr starkem Befall, oder wo Rückriss nicht erfolgreich war, Unterlagenbefall auf. Dies ist auch ein Problem in Baumschulen. Bei Birnen wurde vermehrt später Befall festgestellt und zurückgeschnitten. Wir weisen darauf hin, dass wir dies in der Regel nicht empfehlen können. Befallene Bäume zeigen mit hoher Wahrscheinlichkeit im folgenden Jahr erneut Symptome, oder im Umfeld dieser Bäume tritt Feuerbrand vermehrt auf.

Feuerbrand,Vorsorgemassnahmen
Wir empfehlen in Anlagen und bei Hochstammbäumen, drei bis vier kg Reinkupfer zur Feuerbrandbekämpfung einzusetzen. Diese Wirkstoffmenge übersteigt die offiziell für die Labelproduktion zugelassenen Mengen. Diese sind ausdrücklich als Feuerbrandbekämpfung gemäss Empfehlung der Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie im Spritzplan zu vermerken. Die Applikation sollte möglichst viel Kupfer auf das Holz bringen. Der Laubfall sollte also schon ziemlich fortgeschritten sein, wenn appliziert wird. Unterlagenbefall kann auch durch sehr hohe Kupfermengen nicht verhindert werden. Allenfalls in Parzellen, wo Unterlagenbefall aufgetreten ist, separate Behandlung der Veredlungsstelle mit hoher Kupferkonzentration.

Neupflanzungen in Obstanlagen
Die Nachpflanzung von Bäumen auf früh gerodeten Flächen in Obstanlagen stellt kein Problem dar. Die Gefahr von Neuinfektionen ist über den Boden relativ gering, vorausgesetzt, es wurde sauber gerodet und es stehen nicht noch abgebrochene Bäume mit infizierten Stockausschlägen herum. Die Neuinfektionsgefahr von Bäumen im Umfeld, bei welchen Rückriss vorgenommen wurde, ist wesentlich grösser. Bei Parzellen mit Rodungen infolge Unterlagenbefall sollte mindestens vier bis fünf Wochen bis zur Neupflanzung zugewartet werden. Gegenwärtig besteht beim Baummaterial ein Engpass. Die frühe Ernte verleitet dazu, jetzt bereits Bäume setzen zu wollen.Wir konnten uns selber davon überzeugen, dass selbst bei Bäumen, welche mit Viviful ruhig gestellt wurden, die Triebspitzen zwar am Abschliessen sind, das Blatt aber noch sehr grün ist und noch nicht ablöst. Die zu frühe, unnatürliche Entlaubung durch den Baumschulisten stellt für das Pflanzmaterial keine günstigen Vorraussetzungen dar. Pflanzmaterial mit nicht abgeschlossenen, schlecht verholzten Triebspitzen ist unerwünscht. Die Versuchung ist gross, jetzt bereits die bestellten Bäumevon den Baumschulisten zu verlangen. Wir appellieren an alle, noch etwas Geduld zu haben!

Neupflanzungen Hochstämme
Die Feuerbrandsituation wird nächstes Jahr sehr stark von der Witterung abhängen. Trotzdem kann bereits jetzt davon ausgegangen werden, dass durch das vorhandene Ausgangspotenzial noch viel Feuerbrand auftreten wird. Dies kann sich auch in starkem Triebbefall an zurückgeschnittenen Bäumen äussern.Wir empfehlen deshalb, die Situation z.B. örtlicher Befall, Umfeld usw. genau zu klären und nur dort zu pflanzen, wo auch die Chancen für die erfolgreiche Pflanzung bestehen. Bei hohem Druck in der Umgebung eher ein Jahr warten und die Situation dann neu beurteilen. Besondere Beachtung sollte auch den Sorten gewährt werden. Bei der Pflanzaktion von Pro Natura wurde die Sortenliste bereinigt. Die angebotenen Sorten sind aus unserer Sicht relativ robust, was nicht heisst, dass sie keinen Feuerbrand bekommen. Unter www.arenenberg oder www.fructus.ch ist zudem eine beurteilende Sortenliste des BBZ Arenenberg zu finden. Darin sind auch viele Thurgauer Lokalsorten aufgeführt. Die Sorten Gelbmöstler, Egnacher und Luzerner Mostbirne, Biessenhofer, Kellers Mostbirne = Metzer Bratbirne, sollten bei den Birnen sicher nicht mehr gepflanzt werden. Bei den Apfelsorten sind die Unterschiede grösser. Zukünftig sind Mostapfelsorten wie Reglindis, Rewena und Remo mit einer gewissen Feuerbrandtoleranz im Anbau zu prüfen. Die Qualität des Saftes ist für die Mostereien jedoch von oberster Priorität.

Erkennen von Feuerbrand im Herbst und Winter
Feuerbrand kann auch im Herbst und Winter erkannt werden. Stammnekrosen mit am Rand aufgerissener Rinde deuten auf Überwinterungsstellen. Befallene Triebe lösen das Laub nicht ab, sind im Winter aber meistens ganz abgestorben. Das Bakterium dürfte dann im Holz vorhanden sein. In Obstanlagen besteht die Verwechslung mit Schildlausbefall durch Austernschildläuse. Rindennekrosen mit aufgerissenen Randstellen sind verdächtig. Canker sind meistens im untern Baumbereich spindelförmig um die untersten Äste gelegt.

Vorsichtsmassnahmen beim Schnitt von Obstbäumen
Wird bei absoluter Winterruhe geschnitten, ist das Verschleppungsrisiko sehr gering. Wer vorher beginnt, sollte der Desinfektion von Scheren und Sägen genügend Zeit widmen. Möglichkeiten sind das Abflammen mit dem Gasbrenner (bei Sägen oft Holzreste zwischen den Sägezähnen, diese vorher mit der Drahtbürste abbürsten). Eintauchen in Heisswasser oder die Desinfektion mit zehn Prozent Gigasept instru (in Genossenschaften und bei U. Papst erhältlich).

BBZ Arenenberg, Urs Müller


Violette Blattverfärbung bei Unterlagenbefall, andere Ursachen sind aber auch möglich.
(um)
Violette Blattverfärbung bei Unterlagenbefall, andere Ursachen sind aber auch möglich. (um)