Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Mit Neuheit Arbeit erleichtern

Ausgabe Nummer 41 (2014)

Mechanisches Decken und Abdecken vorgeführt

Das Decken und anschliessende Abdecken der Zuckerrübenmieten nach der Ernte ist eine strenge Arbeit. In Oberstammheim wurde eine eigens dafür entwickelte Maschine vorgeführt, welche diese Arbeit mechanisch übernimmt.

Das Abdecken der Rübenmieten am Feldrand mit Vlies ist nach der Ernte ist körperlich sehr anstrengend, besonders bei Nässe, Schnee und Kälte auch mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden. Jetzt ist technische Abhilfe in Sicht, denn was man in Deutschland bereits kennt, soll sich nun auch in der Ostschweiz mit dem mechanischen Decken und Abdecken der Rübenmieten bewähren.
Am vergangenen Samstag wurde in Oberstammheim durch die Rübentransportgruppe Stammertal und Umgebung das maschinelle Decken und wieder Entfernen der Vliese vor dem Verlad vorgestellt. «Zum Einsatz kommen Vliesrollen mit einem Ausmass von 12 auf 35 Meter», erklärte Werner Schwendimann von der Rübentransportgruppe Stammertal und Umgebung. Diese Grösse wurde gemäss Schwendimann mit Blick auf neue Lademäuse gewählt, welche bald in der Lage sind, Rübenhaufen bis zu einer Breite von 10 Meter aufzunehmen. «Je breiter die Miete, desto weniger Vlies wird pro Tonne Rübe benötigt», so Schwendimann. Der Verein hat vorerst 52 Rollen dieser Grösse eingekauft. Die Beteiligung beim mechanischen Rübendecken ist für die 52 im Ring organisierten Rübenpflanzer mit einem Gesamtkontingent von 16 000 Tonnen freiwillig, drei Viertel machen aber gleich zu Beginn mit. Um die Investitionskosten der Transportgruppe im Umfang von 40 000 Franken zu decken, wird der Verein während der nächsten vier Jahre allen Beteiligten jeweils je 60 Rappen je Tonne in Rechnung stellen. Wer später dazu stösst, liefert 70 Rappen ab. Die eigentlichen Kosten für den Technikeinsatz sind noch nicht bekannt. Schwendimann betonte aber, dass die beiden dafür zuständigen Lohnunternehmer den Aufwand notieren werden. Nach Saisonschluss sollen die erreichten Kosten gemessen an der gedeckten Bruttorübenfläche verteilt werden.

Decken und Abdecken ohne Körpereinsatz
In einem ersten Arbeitsschritt müssen die auf Kartonrollen angelieferten Vliese auf die speziellen Metallrollen umgewickelt werden, erst danach wird der maschinelle Einsatz möglich. Mit einem am Heck eines schweren Traktors angebrachten 8-Tonnen-Kran wird die Rolle über die Miete angehoben und mittels eines angetriebenen Drehkopfes langsam abgerollt. Bei diesem Arbeitsschritt hilft der Pflanzer mit, das Vlies seitlich festzuhalten, damit eine optimale Abdeckung erreicht wird. Danach wird das Vlies wie gewohnt entweder am Mietenfuss mit Rüben beschwert oder mit Weidepfählen befestigt. Das Entfernen der Vliesabdeckungen vor dem Verlad mit der Rübenmaus übernimmt dieselbe Maschine. Ist das Vlies auf den Rüben festgefroren oder hat es Eis und Schnee auf der Abdeckung, kann es mit einer speziell am Arbeitskran montierten Spindel durch Rotation und Anheben gelöst und von möglichem Schnee befreit werden. Bedingung ist, dass die Miete beidseitig umfahren werden kann. Danach wird mit der Rolle das Ende der Vliesabdeckung erfasst. Die an den Rollen angebrachten Nägel ermöglichen es, dass das Vlies wieder durch Rotation auf die Rolle gewickelt werden kann.
Um das anschliessende Trocknen des Vlieses zu sichern, wird wieder der Transportcontainer eingesetzt. Durch einen in der Mitte angebrachten Kanal ist die zum Trocknen notwendige Belüftung gewährleistet. Schwendimann sieht für das Vlies weitere Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel zum Decken von Holz.

Tiefer Erdbesatz, bessere Wirtschaftlichkeit
«Erdbesatz verursacht Kosten auf allen Stufen der Zuckerproduktion», erklärte Schwendimann. Das Decken der Mieten liegt durchaus im Sinn der ganzen Kette, da es eine bewährte Massnahme zur Reduktion des Erdbehanges ist und zugleich einen Zuckerverlust während der Lagerung verhindert. Unter dem Vlies können die Rüben abtrocknen, sodass sich beim Verlad mit der Rübenmaus ein deutlich höherer Anteil an abgetrocknetem Erdbesatz von der Rübe löst. Gleichzeitig bleibt der Boden unter der Miete trocken, was den Einsatz der Rübenmaus massiv erleichtert. Das Abdecken wird insbesondere empfohlen, wenn Niederschläge vorausgesagt werden oder die Tagestemperaturen unter 5 bis 10 °C sinken. Im Spätherbst sollen die Mieten generell abgedeckt werden, um sie vor Nässe, Schnee oder Frost zu schützen. Gefrorene oder verfrorene Rüben bringen Zuckerverluste.
Aktuell läuft die Verarbeitungskampagne in den beiden Zuckerfabriken Frauenfeld und Aarberg auf Hochtouren. «Wir dürfen bereits Tagesleistungen von etwas mehr als 10 000 Tonnen verzeichnen», zeigte sich Joachim Pfauntsch, Werkleiter in Frauenfeld, am Rand der Vorführung erfreut. Das bisher sehr günstige Erntewetter mache dies möglich, da die Rüben mit einem sehr tiefen Erdbesatz angeliefert werden.


Roland Müller







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