Ausgabe Nummer 19 (2010)

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Mit Raketen gegen Eiskörner

Dreizehn Freiwillige absolvierten am Samstag in Niederbüren die Prüfung zum Hagelabwehrschützen. Mit von der Partie war Amriswil, das nach langer Abwesenheit wieder Mitglied des Hagelabwehrverbandes ist und fünf neue Schützen stellte.

 

Während sich der Himmel über der Ostschweiz gelblich-grau verfärbt und Windböen den schönen Frühlingstag abrupt beenden, heisst es in einigen Thurgauer Gemeinden: Klar zum Schuss! Neu ist auch Amriswil wieder mit dabei und lässt gleich fünf Schützen im Kurs ausbilden. Raketen, gefüllt mit Silberjodid, sollen dafür sorgen, dass sich keine grossen Hagelkörner bilden. Schwere Hagelschäden, wie sie letztes Jahr vorgekommen sind, sollen so verhindert werden. «Das Problem beim Hagelschlag letzten Frühling war, dass die Hagelwolke auf dem Radar nicht gesehen wurde, weil sie von einer anderen Wolke verdeckt war», klärt ein langjähriger Schütze auf. Die Meinungen über das Hagelabwehrverfahren sind geteilt – schon öfters kam es deshalb in der Ostschweiz zu heftigen Diskussionen. Die Gemeinde Salmsach nahm diese Diskussionen zum Anlass, ihren Austritt aus dem Hagelabwehrverband zu erklären. «Dabei können wir mit mehreren Studien belegen, dass die Hagelabwehr wirkt», so Emil Müller, der Verantwortliche der Ostschweizer Hagelabwehr. Dank seiner Ausdauer konnte der pensionierte Landwirt auch Amriswil wieder ins Boot holen, das 1997 seinen Austritt gegeben hatte.

 

Fundierte Ausbildung

Die Teilnehmer wurden bei ihrer Ankunft im Gemeindesaal Niederbüren direkt auf die Probe gestellt. Fragen zum Sprengstoffgesetz, zur Aufbewahrung der Raketen und zur sicheren Handhabung brachten einige von ihnen ins Schwitzen. Die Sprengkörper, die zu den pyrotechni- schen Gegenständen gehören, stellen bei unsachgemässer Handhabung eine grosse Gefahr dar. Der Hagelabwehrverband setzt deshalb auf eine fundierte Ausbildung seiner Schützen. Nur wer die Prüfung des Verbandes bestanden hat, darf eine Rakete zünden.

 

Batterie vom Zünder trennen

Im praktischen Teil der Ausbildung zeigte Instruktor Felix Tiefenbacher seinen Schülern, wie eine Rakete korrekt gezündet wird. «Der Zünder und die Batterie dürfen niemals zusammen transportiert werden», warnte Tiefenbacher. Zündschnur also in den einen Hosensack, Akkubatterie in den anderen. Erst wenn Abschussständer und Kabelrolle montiert sind, darf die Rakete geholt werden. Sind Zünder und Rakete befestigt, zieht sich der Schütze in seinen etwa fünfzig Meter entfernten Unterstand zurück. Dann erst darf gezündet werden. Der Schütze ist zudem verpfl ichtet, die Rakete im Blick zu behalten, bis sie detoniert.

 

Flugsicherung einschalten

1000 bis 1500 Meter steigt so eine Rakete in den Himmel. Mitarbeiter der Schweizer Flugsicherung Skyguide klärten die zukünftigen Schützen am Samstag über die Wichtigkeit ihrer Zusammenarbeit auf. «Die Ausbildung des Verbandes ist sehr umfassend, ich habe viel gelernt die letzten Tage», freute sich einer der neuen Schützen aus dem Oberthurgau.

 

Bianca Binder