Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Mit "Sindy" und "Janni" hat alles begonnen

Ausgabe Nummer 19 (2017)

Ziegenzüchter Marc Gerber aus Kaltenbrunnen ist einer der dreizehn Züchter, die am 20. Mai an der Frühlingsschau des Ziegenzuchtvereins Thurgau ihre Tiere zeigen. Der Heldswiler ist einer der grössten Ziegenzüchter im Thurgau.

Zottel, Zick und Zwerg sind im Thurgau wieder im Kommen; dass die Geissen nicht mehr zur Marginale der Nutztiere gehören und eine deutliche Wachstumsrate aufweisen, beweist auch der 33-jährige Züchter Marc Gerber aus Heldswil. Auf seinem Hof zählt man heute 92 gämsfarbene Gebirgsziegen, 12 Saanenziegen und 13 Zuchtböcke. «Als Zehnjähriger habe ich von meinem Götti auf Weihnachten zwei junge Geissen mit den Namen Sindy und Janni erhalten, und so hat alles angefangen mit der Zucht als Hobby», erinnert sich Gerber. Im Jahr 2000 sind die Kühe vom Hof seines Vaters, den er vor drei Jahren übernommen hat, verschwunden und seither gibt es nur noch Ziegen in Kaltenbrunnen.

92 Kilogramm Käse wöchentlich
Im Verlaufe dieser 17 Jahre hat Gerber viel aufgebaut und sein Ziel ist klar: «Ich hoffe, dass meine Ziegenhaltung vom Teilzeithobby zur Haupttätigkeit wird». Momentan ist er nachts noch als Lastwagenchauffeur unterwegs, dies nebst den elf Hektaren Futterbau die er bewirtschaftet. Die Ziegenmilch aus Kaltenbrunnen wird im St. Gallischen Mosnang zu 92 Ziegenkäsen à zwei Kilogramm mit dem Namen «Ziegenkönig» verarbeitet. Als Folge der Unverträglichkeit von Milchzucker ist heute in der Schweiz jede fünfte Person von Laktoseintoleranz betroffen. Da Gerbers Ziegenkäse aus reiner Ziegenmilch hergestellt wird, bevorzugen insbesondere diese Menschen seinen Käse, aber auch Feinschmecker sind auf den Geschmack gekommen. Er ist bei den Grossverteilern der Ostschweiz im Offenverkauf erhältlich. Der Heldswiler freut sich über die Marktsteigerung seines Produktes. Dass der Preis für einen Liter Ziegenmilch höher ist als für einen Liter Kuhmilch hat seine Berechtigung. Die Ziegen bedürfen einer intensiveren Fütterung und Haltung. Deshalb lassen sich die beiden Preise nicht miteinander vergleichen. «Der Ziegenkäse riecht heute nicht mehr und böckelt auch nicht, wie viele Leute glauben», versichert Gerber. Er wünscht sich, dass die Ziegenmilch ein Nischenprodukt bleibt. Auf seinem Hof betreibt er eine Hochleistungszucht, und eine Ziege muss bei ihm jährlich 1000 Liter Milch liefern.

250 Tiere in Laktation
An der Ziegenschau in Weinfelden war der Heldswiler schon mehrere Male erfolgreich. Eines seiner Tiere wurde in den letzten drei Jahren zur Miss Weinfelden erkoren, und auch zweit- und drittplatzierte Tiere stammten aus seiner Zucht. Auch von den Schauen in Wattwil und in Münsingen-Schwand hat er schon mehrmals eine Glocke als Auszeichnung heimgebracht, und an der Togesa (Toggenburger, Gämsfarbige und Saanenziege) in Schwyz sowie der Schau in Sargans im August, wird er dabei sein. An der Schau in Weinfelden ist Gerber dieses Jahr mit 45 bis 55 Tieren vertreten. Seine Vision sind 250 Tiere in Laktation auf seinem Hof und eine Existenz für seine Familie. Gerber verkauft auch frische Ziegenmilch ab Hof, und die einwöchigen Gitzi werden aussortiert und an Mastbetriebe weiterverkauft. Gemäss Gerber ist die Ziege ein sensibles Tier und allfällig für Lungenentzündungen, aber auch für Parasiten, welche die Tiere an Schauen auflesen können. «Eine kranke Ziege gibt es nicht, entweder ist sie gesund oder tot», sagt Gerber. Wichtig ist für ihn, mit Blick auf die Gefahr von Würmern, ein gutes Weidemanagement. Auf der Weide sind die Kaltenbrunner Ziegen ab Mitte April bis Mitte Oktober vier Stunden täglich. In der restlichen Zeit werden den Tieren im Stall Futtermischungen zugeführt.


Werner Lenzin







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