Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Mit Wind voran!

Ausgabe Nummer 48 (2014)

Die nun vorliegende Windpotenzialstudie für den Thurgau zeigt auf, dass wirtschaftlich nutzbare Windressourcen bestehen.

Anlässlich einer Medienorientierung Mitte November präsentierten Regierungsrat Kaspar Schläpfer, Chef des Departements für Inneres und Volkswirtschaft (DIV); Andrea Paoli, Leiter Abteilung Energie, und Thomas Volken, Projektleiter, Abteilung Energie, die Ergebnisse der «Windpotenzialstudie Kanton Thurgau». Kernaussage dieser Studie, mit deren Erarbeitung das DIV die «New Energy Scout GmbH» in Winterthur beauftragt hatte, ist die Quantifizierung des Windenergiepotenzials (nur mit Grosswindanlagen) im Kanton Thurgau. Werden nur die Standorte ausserhalb von BLN-Gebieten (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung) betrachtet, ist mit einem Potenzial von rund 90 MW oder zirka 145 GWh zu rechnen. Zusammen mit den Standorten innerhalb von BLNGebieten erhöht sich das Potenzial auf rund 140 MW, respektive 230 GWh. Im Vergleich zum Potenzial von Kleinwindanlagen ist dasjenige von Grosswindanlagen um ein Vielfaches grösser. Die Stromgestehungskosten liegen unter den gegebenen Annahmen bei sämtlichen Potenzialgebieten zwischen 17.8 Rp und 20.6 Rp./kWh. Das Fazit der Studie lautet: Windenergie ist keine «quantité négligable»: 10 bis 15 Prozent des Strombedarfs im Kanton Thurgau könnten durch Windenergie abgedeckt werden. Die Windenergienutzung soll auf wenige Standorte konzentriert werden.

Gebiete im Detail erfasst
Die Studie liegt in zwei Teilen vor: Teil 1 ermittelt die Windressourcen im Kanton und legt potenzielle Standortgebiete anhand von Ausschlusskriterien und Abwägungsfällen fest. In Teil 2 werden die einzelnen Gebiete im Detail bewertet. Dem Kanton ist es ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass er selbst keine Windenergieprojekte plant und mit den nun vorliegenden Ergebnissen kein Präjudiz für Windparks oder Standorte von Windenergieanlagen schafft. Die Parklayouts (Anzahl und Anordnung der Windenergieanlagen im jeweiligen Gebiet) in der nun vorliegenden Studie wurden mit dem Ziel einer sorgfältigen und vollständigen Beurteilung der einzelnen Gebiete und des Windenergiepotenzials gewählt. Die Realisierung zukünftiger Projekte ist Sache der Projektentwickler, beziehungsweise der Stromwirtschaft. Sie benötigt Bewilligungen von Gemeinde und Kanton. Sollte in einem Gebiet ein Projekt entstehen, werden die Parklayouts voraussichtlich im Detail anders gewählt, je nach Ergebnis der vom Projektanten durchgeführten detaillierten Untersuchungen und der notwendigen Optimierungen. Ebenfalls wird darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse zu den einzelnen Gebieten Projektentwickler nicht von eigenen Untersuchungen im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) entbinden.

Aktive Rolle des Kantons
Diese UVP ist Bestandteil des Baubewilligungsverfahrens und beinhaltet Untersuchungen zu Vögeln, Fledermäusen, Lärm, Schattenwurf, usw. Für die Beurteilung der Landschaftsverträglichkeit ist für jedes Potenzialgebiet separat eine Sichtbarkeitsberechnung durchgeführt worden. Daraufhin sind die Potenzialgebiete ausserhalb von BLN-Gebieten zusammen mit Vertretern der Abteilung Natur und Landschaft und des Forstamtes des Kantons Thurgau sowie mit dem Auftraggeber begangen worden, um die Vereinbarkeit von Windenergieanlagen mit den Zielsetzungen des Landschafts- und Waldschutzes zu beurteilen. Zudem ist anhand von Konfliktpotenzialkarten der Vogelwarte Sempach der mögliche Einfluss von Windenergieanlagen auf die Vögel beurteilt worden. Schattenwurf und Lärm von Windenergieanlagen ausgehend, sind weitere qualitative Beurteilungskriterien. Die Studie, die unter Einbezug von Vertretern der Schutz- und Nutzungsinteressen erarbeitet wurde, weist für den Kanton Thurgau acht Windpotenzialgebiete aus: Salen-Reutenen, Eschlikon/ Littenheid, Thundorf, Braunau/Wuppenau, Ottenberg, Rodebärg, Cholfirst und Bichelsee/Fischingen. Aufgrund der positiven Studienresultate lässt das Departement für Inneres und Volkswirtschaft zusammen mit dem Departement für Bau und Umwelt ein Umsetzungskonzept erarbeiten.


Isabelle Schwander







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