Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Dezember 2019


Mit zielorientierter Weidetechnik zum Erfolg

Ausgabe Nummer 9 (2007)

Eine erfolgreiche Weidetechnik entwickelt sich selbst,wenn der Landwirt danach strebt, mit seinen Kühen mit möglichst wenig Zufütterung bei geringsten Verlusten an gewachsenem Gras möglichst viel Milch pro Hektare zu produzieren.

Mit Weidewirtschaft wären doch drei erreichbare Ziele anzustreben: Arbeitszeitreduktion und Arbeitserleichterung, Futterkostensenkung und Tiergesundheit (gute Fruchtbarkeit, tiefe Tierarztkosten). Forschung und Praxis haben dafür den Beweis erbracht. Allerdings ist die entscheidende Voraussetzung dazu, dass der Betrieb genügend hofnahe Fläche hat. Grundsätzlich bietet sich die Umtriebsweide oder die Kurzrasenweide an, welche bei guten Bedingungen und guter Führung leistungsmässig ähnlich sind. Die Kurzrasenweide ist arbeitswirtschaftlich interessanter, ihr Wasen ist trittfester, die Herde ist sehr ruhig, und der Aufwand für Zäune und Wasserversorgung ist geringer. Sie setzt allerdings gleichmässige, höchstens wenig geneigte und genügend grosse Parzellen (maximal 3 bis 4) voraus. Sobald die Flächen stärker parzelliert, steiler und ungleichmässiger sind oder die Herdengrösse viel Fläche verlangt, ist die Umtriebsweide zu wählen.Auch eine Kombination beider Systeme ist möglich: Im Frühling, wenn noch weniger Fläche benötigt wird ,beginnt man mit Kurzrasenweide und stellt dann bei der Flächenausdehnung im Sommer auf Umtriebsweide um.

Weidemanagment als "Kunst"
Die Kunst der Weideführung besteht darin, den Kühen genügend Gras von bester Qualität anzubieten, damit der Verzehr möglichst hoch ist, aber nicht zu viel, damit alles gewachsene Futter gefressen wird und nicht als Weiderest verdirbt. Bei einer dichten Grasnarbe nähert sich der Verzehr schon bei 6 bis 8 cm Aufwuchshöhe seinem Maximum, ab 15 bis 20 cm geht er wieder zurück. Bei der Kurzrasenweide soll die Besatzstärke (= Kühe pro Hektare) immer so gross sein, dass die durchschnittliche Aufwuchshöhe etwa 6 bis 8 cm beträgt. Die Umtriebsweide wird bestossen, wenn die Wuchshöhe 15 bis 20 cm beträgt (Ausnahme:Weidebeginn viel früher) und der Weideabtrieb bei hoher Besatzstärke erst bei 5 bis 6 cm. Damit geht wenig Gras verloren und der nächste Aufwuchs enthält wenig vergilbtes oder altes Futter, welches den Verzehr hemmt.

Früher Weidbeginn, auch zur Weidepflege
Der Weidebeginn im Frühling muss auf jeden Fall früh sein, am besten bei Wachstumsbeginn, also zweite Hälfte März bis Anfang April. Ziel wäre die Beweidung aller zugänglichen Wiesenparzellen, auch der im Mai für die Konservierung vorgesehenen Parzellen, vor Mitte April. Diese Massnahme reinigt die Weiden von Resten und erhöht die Rasendichte durch Bestockung, und die Halme bleiben dann kürzer. Dieser erste Durchgang wird grossflächig mit geringer Besatzstärke gemacht und mit sorgfältiger Übergangsfütterung. Anschliessend wird die Fläche stark eingeschränkt und im Umtrieb oder als Kurzrasenweide mit hoher Besatzstärke betrieben. Sind Anfang März Weideparzellen in unbefriedigendem Zustand betreffend Pflanzenbestand und Grasnarbe, ist Walzen allein oder eine Übersaat mit 200 g/Are Übersaatmischung (meist U-440) angezeigt mit Striegeln, Einsäen, Anwalzen. Übersaaten in Weiden macht man aber allgemein am besten während des Weidens, weil dann die Samen durch die Weidetiere eingetreten werden.

Kurzrasenweide: Futterangebot mit Fläche oder Zufütterung steuern
Bei der Kurzrasenweide wird das durch den täglichen Zuwachs bestimmte Futterangebot an durch Änderung der Koppelgrösse oder der Zufütterung an den Bedarf der Kühe angepasst. Für Vollweide mit Zufütterung von etwa 3 kg TS Heu oder/und Maissilage gelten folgende Richtwerte für den Flächenbedarf pro Kuh: 12 bis 15 Aren von Mitte April bis 20. Mai, 22 bis 25 Aren Ende Mai bis Ende Juli, etwa 30 Aren ab August. Somit kann also etwa die Hälfte der Weidefläche ein bis zweimal geschnitten werden, was auch eine sehr gute Massnahme gegen eine Verfilzung der Grasnarbe darstellt. Entscheidend ist die Kurzhaltung des Rasens durch genügenden Weidedruck, besonders im Mai, wenn die Gräser Halme bilden wollen, die durchschnittliche Rasenhöhe soll dann 6 bis 7 cm betragen. Im Sommer/Herbst ist die Erhaltung genügender Assimilationsfläche wichtig, Rasenhöhe dann 7 bis 8 cm. Sollte die Kurzrasenweide einmal aus dem Ruder laufen, muss die Zufütterung reduziert oder die Fläche vorübergehend verkleinert werden. Die Weidereste können auch etappenweise bei trockenem Wetter 10 cm hoch abgemäht werden, die Tiere fressen dann das Schnittgut.

Düngung der Kurzrasenweide
Eine Weide wird in grossen Teilen durch die Weidetiere selbst gedüngt, allerdings ist die Verteilung nicht ganz optimal. Als Ergänzung ist eine Gabe verdünnter Rinder- oder Schweinevollgülle von etwa 25 m3/ha im Vorfrühling und zu jeder Schnittnutzung empfohlen und für jeden Wachstumsmonat ohne Gülle eine Stickstoffgabe von etwa 25 kg pro Hektare in Form von Mg-Ammonsalpeter oder eines Weidevolldüngers. Die Bodenvorräte an Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalk sind zu beachten.

Umtriebsweide mit genügender Besatzstärke
Bei der Umtriebsweide kommt es darauf an, durch Vorausplanung immer Koppeln in der richtigen Aufwuchshöhe von 15 bis 20 cm zu haben und diesen mit genügender Besatzstärke in kurzer Zeit genügend kurz, d.h. auf etwa 5 bis 6 cm herunter abweiden zulassen. Bei Vollweide mit geringer Zufütterung bedeutet dies: Koppelgrösse pro Kuh 2 bis 4 Aren, dies genügt für eine kurze Besatzzeit von 2 bis 4 Tagen. Im April/Mai beträgt die Umtriebszeit etwa 15 Tage, später etwa 3 Wochen und dann etwa 4 Wochen. Dies ergibt die gleichen Werte für die gesamte Weidefläche wie oben für die Kurzrasenweide angegeben. Ohne genügenden Weidedruck und mit Nachfütterung im Stall werden die Weidereste und damit die Verluste zu gross und der Pflanzenbestand verschlechtert sich. Wird der nächste Aufwuchs als Dürrfutter konserviert, wirkt sich dies nicht nachteilig aus. Säuberungsschnitte mit Vernichtung von wertvollem Futter sollten vermieden werden. Damit die Weiden sauber abgeweidet werden, muss eine gewisse Konkurrenz um das Futter herrschen, das heisst, die Weide wird erst gewechselt, wenn die Milchmenge der Herde gegenüber dem ersten Tag etwa um 10% sinkt. Damit erreicht man dann aber die grössere Milchleistung pro Hektare.

Trittschäden vermeiden und beheben
Auf Kurzrasenweiden sind Trittschäden meistens gering, weil der Rasen sehr dicht ist und den Tieren eine grosse Fläche mit kurzem Futter angeboten wird. Bei einer Umtriebsweide nimmt das Risiko für Trittschäden zu, je länger die Besatzzeit pro Koppel dauert. Bei nasser Witterung sollten deshalb nur Koppeln mit frischem, jungem Gras beweidet werden, und der Weidewechsel soll vorzeitig erfolgen, dafür wird die nächste Ruhezeit verkürzt. Das gänzliche Einstallen sollte vermieden werden. Nach Trittschäden bekommt die Weide sicher eine kleine Stickstoffdüngung zur Förderung der Bestockung und Walzen, besonders bei Mähweide, drückt entwurzelte Pflanzen an und ebnet aus. Eine Übersaat ist nur bei schlechtem Pflanzenbestand und in Extremfällen nötig.

Lange Fresszeiten erlauben hohen Verzehr
Ohne Einstallung weiden Kühe von 4 bis 5 Uhr bis 22 bis 23 Uhr in 4 bis 5 Fresszeiten während total 8 bis 10 Stunden, unterbrochen durch Ruhezeiten mit Wiederkauen. So ist auch der tägliche Verzehr an Weidegras am höchsten.Wenn man auf das Eingrasen verzichten will, sollte man deshalb die Kühe zweimal pro Tag austreiben, sonst geht der Vorteil des günstigen Weidegrases durch den Bedarf von viel teurem konservierten Futter wieder verloren.

Bernhard Kraft, BBZ Arenenberg


Kühe auf der Weide, auch ein Werbespot für Milch und Landwirtschaft.

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