Ausgabe Nummer 26 (2010)
Mitteilung an die Rübenpflanzer
Aktuelle Situation
Momentan sieht es auf den Feldern nach einem guten «Normaljahr» aus. Einige Felder deckten den Boden bereits Ende Mai. Bis am längsten Tag geschah dies auf rund 80 Prozent der Felder; auf diesen darf mit guten Erträgen gerechnet werden. Leider gibt es aber rund 5 Prozent der Felder, die mehr oder weniger schlecht aussehen. Erfahrungsgemäss kann jetzt aber weder Kalk, noch Blattdünger oder die Maschinenhacke das Wachstum ankurbeln. Wegschauen und es das nächste Mal besser machen, heisst meine Devise. Suchen Sie aber zuerst noch nach den Ursachen für den Misserfolg. Nehmen Sie einen Spaten und beurteilen Sie Bodenstruktur und Rübenwurzel: Blaue, stinkende Zone, unverrottetes organisches Material, fehlende Saugwurzeln, dafür aber schwarze, wurzelbrandgeschädigte Seitenwurzeln, schwarze Wurzelspitzen, beinige Wurzeln oder quer wachsende Wurzeln. War der Boden bei der Bearbeitung wirklich genügend abgetrocknet? Konnte der Boden nach der Bearbeitung genügend antrocknen? Liegt der pH-Wert über 6,8? Kalk bildet die Grundlage für eine stabile Bodenstruktur mit genügend Bodenluft. Rund 95 Prozent der momentan schlechten Felder zeigen pH-Werte von unter 6,5. Der ertragslimitierende Faktor im Rübenbau und Auslöser diverser Probleme ist weder P, K, Mg oder N, sondern der Kalk. Unglücklicherweise reagieren an diesen Feldstellen die Herbizide auf die Rüben zusätzlich stark hemmend. – Achten Sie auf die Kalkversorgung Ihrer Rübenböden; Kalk auf den Getreidestoppeln eingrubbern ist der Start für fruchtbare Rübenböden.
Cercospora – bakterielle Blattflecken
Die starken Juni-Niederschläge haben auf vielen Feldern zu den ungefährlichen bakteriellen Blattflecken geführt. Ab und zu sehen diese ganz ähnlich wie Cercospora aus, die bis Ende Juni aber noch nicht gefunden werden konnten. Cercospora zeichnet sich durch 2 bis 3 mm runde, rotbraun umrandete Flecken mit einem hellen Innenhof aus. Mit der Lupe lassen sich helle Pilzfäden mit dunklen Konidienträgern erkennen. Dies im Gegensatz zur Bakteriose, die einen «leeren» Innenhof hat. Um nicht unnötig früh, aber auch nicht zu spät zu spritzen, sollten die Felder nun wöchentlich durchwandert werden. Achtung: Jedes Feld hat seine eigene Geschichte. Gefährdet sind vorab Parzellen, die ans letztjährige Rübenfeld angrenzen und Felder in Regionen mit hohem Cerco- Druck im Vorjahr. In den letzten Jahren konnte eine deutlich Krankheitsentwicklung aus den Fluss- und Muldenlagen heraus beobachtet werden. Dies ist jedoch nicht immer so. Auch bedeutet ein später Reihenschluss nicht zwingend, dass die Cercospora spät auftritt. Das Mikroklima ist in der Schweiz kleinräumig sehr verschieden. Daher kann es auch passieren, dass die tolerante Budera früher befallen wird als Debora oder Robinson. Fungizideinsatz in Kurzform:
– Die Behandlungsschwelle liegt im Juli bei ein bis zwei befallenen Pfl anzen pro Are.
– Landwirte, die eher zurückhaltend spritzen wollen, dürfen die erste Behandlung nicht hinauszögern, sondern dies allenfalls bei den Folgespritzungen tun.
– Mindestens mit 300 l/ha Wasser fahren.
– Behandlungen durchführen solange die Spaltöffnungen offen sind
– kühle Morgenstunden, auch bei leichtem Tau, sind klar im Vorteil. – Nie welkende Bestände behandeln.
– Produkte mit einem Strobilurin sollten am Anfang und nicht am Schluss eingesetzt werden. Bei mehreren Behandlungen Mittel wechseln.
– Die Wirkungsdauer der Mittel liegt bei drei bis vier Wochen, bei starkem Blattzuwachs oder zu später ersten Behandlung aber kürzer! – Bei grösseren Parzellen, die ans letztjährige Feld stossen, kann vorerst eventuell eine frühzeitige Randbehandlung genügen.
– Eine starke Ausbreitung der Cercospora ist besonders bei Nachttemperaturen um 20 °C zu erwarten. Gefährliche Cercospora oder unbedeutende Bakteriose? Oft hilft nur ein genaues Hinsehen mit der Lupe weiter. (zVg) 26
Schosser – Wildrüben
Bereits schossen die ersten Rüben auf den Feldern. Diese Pfl anzen müssen unbedingt vor dem Versamen ausgerissen werden, sonst riskieren Sie, Ihre Felder mit Wildrüben zu verseuchen. Inzwischen findet man in praktisch allen Gemeinden Wildrüben! Jetzt dürfen diese «Unkräuter» noch im Feld liegen gelassen werden, später müssen sie aus dem Feld getragen und entsorgt werden. Damit kein Nachreifen oder Neuanwachsen möglich wird, sollten die Schosser sicherheitshalber gebrochen oder auf den Rübenbestand abgelegt werden.
Schweiz. Fachstelle für Zuckerrübenbau,
A. Bertschi, Lindau, Telefon 052 354 98 78
