Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
31. Juli 2020


Mitteilung an die Rübenpflanzer

Ausgabe Nummer 32 (2011)

Die Ertragserhebung von Ende Juli bestätigt, was wir schon fast seit der Saat beobachten: Das Rübenjahr 2011 marschiert Richtung Rekord. Vielversprechend sehen die Resultate bezüglich Ertrag, Zuckergehalt und Ausbeute aus, und auch die Blattgesundheit könnte kaum besser sein. Gewisse Abstriche gibt es aber da und dort wegen Bormangel oder unbefriedigender Unkrautbekämpfung.

 

Blattkrankheiten

Immer wieder hören wir, dass früher Reihenschluss und hohe Juni-Temperaturen zu frühem und starkem Blattfl eckendruck führen. Dass dies nicht zwingend so sein muss, zeigt das aktuelle Jahr. Bei dieser Behauptung wird oft kaum berücksichtigt, dass es neben der entsprechenden Temperatur auch Sporen und Feuchtigkeit braucht, damit eine gefährliche Situation entstehen kann. War es Anfang Juli zu trocken, fehlte in der zweiten Monatshälfte die nötige Nachttemperatur, was andererseits aber den weniger gefährlichen Mehltau förderte. Seit Anfang August herrschen nun Bedingungen, die für eine starke Cercospora-Ausbreitung gefährlich sind! In diesem Jahr sind viele Felder prophylaktisch und ohne Bonitur zu früh mit Fungiziden behandelt worden. Fühlen Sie sich dadurch nicht in falscher Sicherheit, denn die Mittel wirken nur drei bis vier Wochen. Achten Sie jetzt bei den Kontrollen eher auf Streubefall (jede dritte Pflanze zeigt erste Flecken) als auf die August-Behandlungsschwelle von ein bis zwei kleinen Befallsherden pro Are. Bevorzugen Sie Behandlungen auf taufeuchte, nicht aber nasse Blätter. Die systemische Wirkung der zugelassenen Produkte beschränkt sich nur auf die Verteilung innerhalb des getroffenen Blattes, nicht aber vom einen Blatt zum andern. Um die Trefferquote der Blätter zu erhöhen, sollte daher sowohl der Spritzdruck als auch die Wassermenge erhöht werden – dies führt unweigerlich zu besseren Resultaten.

Schosser und Unkraut

Noch stehen auf zahlreichen Feldern Schosser, Wildrüben und hochwachsende Unkrautexoten. Das Problem dieser Pflanzen liegt weniger bei der Ernteerschwernis, als vielmehr beim erfolgreichen und kostengünstigen Zuckerrübenanbau der Zukunft. Die meisten Pflanzen sind inzwischen in der Samenreife so weit fortgeschritten, dass ein Liegenlassen im Feld nicht mehr möglich ist. Bei den Unkrautexoten denke ich vor allem an Schierling, Knorpelmöhre oder Samtpappel. Noch vor wenigen Jahren zählten auch Hundspetersilie, Amarant oder sogar Hirse dazu, die inzwischen auf vielen Feldern bedeutende Mehrkosten verursachen.

Basis legen für 2012

Gute Rübenjahre sind nicht programmierbar, und doch haben Sie als Landwirt einige Möglichkeiten, Ihren Rübenerlös in die richtigen Bahnen zu lenken. Der Zuckerertrag ist umso höher, je früher die Rüben die Reihen schliessen. Dies ist wiederum abhängig von einem frühen Saattermin und einer guten Bodenstruktur. Da Wurzeln nur dorthin wachsen, wo genügend Luft, Wasser und Nährstoffe vorhanden sind, haben stabile Bodenkrümel eine so wichtige Funktion. Bekanntlich können Sie als Landwirt eine gute Bodenstruktur nicht «machen». Da Fehler in einer stehenden Kultur nicht korrigierbar sind, kommt der Zeit nach der Ernte eine so wichtige Bedeutung zu:

– Mehrjährige Unkräuter lassen sich nur kostengünstig auf der Stoppel bekämpfen.

– Auf Böden mit pH-Werten unter 7 ist eine Kalkung oft hochrentabel.

– Wie Kalk fördern auch organische Dünger das Bodenleben und die Krümelbildung.

– Nutzen Sie den tragfähigen Boden zum Streuen der PK-Grunddüngung.

– Verdichtungen bei gut abgetrocknetem Boden aufreissen und mit der Saat einer abfrierenden Gründüngung den lockeren Boden stabilisieren. Machen Sie vor der Saat einer Gründüngung alles, damit im nächsten Frühjahr eine Mulch- oder Direktsaat möglich wäre. Dadurch haben Sie für den Faktor Boden bestimmt das Richtige getan. Detaillierte Angaben finden sie auch im «Rübenpfl anzer III/03» oder auf unserer Homepage. Gerne helfen wir Ihnen auch am Telefon weiter.

Schweiz. Fachstelle für Zuckerrübenbau,
A. Bertschi, Lindau, Telefon 052 354 98 78

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