Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Mitteilung an die Rübenpflanzer

Ausgabe Nummer 41 (2017)

Rübenernte
Dank den vergangenen Niederschlägen sind die Böden in einem idealen Rodezustand. Die Rüben lassen sich ohne bedeutenden Wurzelbruch und mit wenig Verletzungen und anhaftender Erde aus dem Boden holen. Dank den zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten sollte mit angepasster Rodegeschwindigkeit auf praktisch allen Standorten nur wenig verletzte Rüben an der Miete liegen. Als Landwirt sollten Sie zumindest bei Erntebeginn dabei sein, damit Sie allenfalls rechtzeitig Einfluss auf die Rodequalität nehmen können. Erfahrungsgemäss bringen Reklamationen im Nachhinein für beide Seiten wenig Befriedigung. Beachten Sie auch, dass die Zuckerfabrik inzwischen deutlich höher geköpfte Rüben (Ø 3 cm, Grösse eines Fünflibers) toleriert. Wichtig dabei ist aber, dass Blattstielresten mit der Putzschleuder sauber entfernt werden.
Lässt sich ein regelmässiger Köpfschnitt nicht einhalten, ist dies oft auf eine unregelmässige Rübengrösse oder Kopfhöhe zurückzuführen. Das Problem liegt dann weniger beim Roderfahrer als vielmehr bei der Frühjahrswitterung respektive bei der Person, die das Saatbett herrichtete und die Rübe wegen fehlendem Bodenschluss stufenweise aufliefen.

Rübenlagerung und Mietenschutz
Damit die Zuckerverluste an der Miete möglichst gering ausfallen, sollen die Rüben einerseits sauber und andererseits möglichst ohne Verletzungen und wenig Wurzelbruch gerodet werden. Ich bin mir bewusst, dass dies ab und zu ein Widerspruch bedeutet! Wichtig ist zudem, dass bei Temperaturen über 10 °C die Rüben nicht länger als zwei Wochen an der Miete liegen bleiben, da sonst die Veratmungsverluste zu hoch ausfallen. Da die Verarbeitung voraussichtlich über die Weihnachtstage hinausgehen wird, sollten im Oktober noch keine Rüben für die Langzeitlagerung gerodet werden. Bedenken Sie, dass Rüben im Boden am besten aufgehoben sind. Dies gilt insbesondere auch für Parzellen mit faulen, kranken Rüben. Hier gilt eine kurze Lagerzeit ganz speziell.
Der Mietenschutz mit Vlies hat unbestrittene Vorteile gegenüber Nässe, Kälte und Erdanhang. Die Abdeckung führt aber auch zu einer geringeren Luftzirkulation, was zu einer erhöhten Mietentemperatur mit möglichen Neublattaustrieben und somit zu zusätzlichen Veratmungsverlusten führen kann. Idealerweise werden Haufen erst zugedeckt, wenn die Rüben ausgekühlt und abgetrocknet sind und die Temperaturen dauerhaft unter 5 °C fallen.
Wichtig ist, dass das Vlies bis an den Mietenfuss gezogen wird, denn dort erfrieren die Rüben am schnellsten. Zudem wird dadurch Regenwasser bis ausserhalb der Miete abgeleitet.

Blattgesundheit
Bezüglich Blattgesundheit sieht es in der Ostschweiz ähnlich bis leicht besser aus als vor einem Jahr. Dies ist ein kleiner Trost, denn in Tallagen sind die Rübenfelder inzwischen wiederum mehrheitlich braun. Und dies trotz Saat einer weniger anfälligen Sorte, eines besseren Produktewechsels bei den Fungiziden und einer konsequenteren Bekämpfungsstrategie. Die meisten Landwirte haben das momentan Mögliche weitgehend ausgeschöpft. Eine Hilfe könnte allenfalls noch der Pflug nach der Rübenernte bieten, indem die Infektionsquellen nicht auf der Bodenoberfläche liegen bleiben! Beim einen oder andern Produzenten gibt es womöglich noch Verbesserungsmöglichkeiten bei der Applikationstechnik.
Offenbar geraten wir bei den herrschenden Sommer- Witterungsbedingungen mit den verfügbaren Sorten und schwächelnden Fungiziden an Grenzen; hoffen wir, dass es diesbezüglich bereits ab nächstem Jahr Verbesserungen gibt ...
Achtung: auch wenn Sie jetzt Felder mit viel Blattflecken haben, sollten sie diese nicht auf Vorrat ernten. Wenn die Rüben im Boden bleiben, kann der Zuckerertrag zumindest gehalten werden, liegen sie aber an der Miete, gibt es nur noch Verluste!

Schweizer Fachstelle für Zuckerrübenbau Strickhof
A. Bertschi
8315 Lindau, Telefon 058 105 98 78







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