Ausgabe Nummer 20 (2005)
Moderne Energie mit traditionellem Käse
| 4 Millionen Kilowatt Strom aus der grössten landwirtschaftlichen Biogasanlage | |||
|
|
|||
| Otto und Claudia Wartmann betreiben neben der Holzhofkäserei, Milchwirtschaft, Schweinemast in Bissegg die grösste landwirtschaftliche Biogasanlage der Schweiz. |
|||
|
|||
| Seit der Inbetriebnahme der Biogasanlage im Jahr 1999 wurden 4 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Nach Otto Wartmanns Aussagen wird eine Jahresproduktion von rund 800 000 Kilowattstunden erreicht. Rund ein Drittel wird auf dem eigenen Betrieb verbraucht, der Rest wird durch die Genossenschaft Ökostrom Schweiz, Frauenfeld, verkauft. 1999 wurde auf dem Holzhof der Schweinestall mit einem Auslauf- und Aktivitätsbereich für die Tiere erweitert. Geschlossene Kreisläufe sind von Bedeutung «Integrierte Produktion gilt auf dem Holzhof als Prinzip und bedarf fortlaufend neuer Anstrengungen», stellt Wartmann fest. Eine weitere Zielsetzung seien die «geschlossenen Kreisläufe». Die Leistung soll ganzheitlich im gleichen Unternehmen erbracht werden, sodass möglichst wenige Teilleistungen von aussen kommen oder erbracht werden. Bei der Schweinehaltung als Folgeproduktion der Käserei bleiben die Tiere von der Geburt bis zur Schlachtreife auf dem Holzhof. Damit entfallen stressige und infektionsträchtige Transporte. Neben der Schotte aus der Käserei wird auch das Futtergetreide im eigenen Ackerbau produziert. Tiere liefern die Biomasse Seit 1999 nutzt Wartmann die Jauche und den Mist seiner 30 Milchkühe, zehn Mastkälber und 800 Mastschweine als Brennstoff. Zusätzlich werden Grüngut und organische Abfälle von Lebensmittelbetrieben vergoren. In einem Tank wird die Gülle bei einer Temperatur zwischen 35 und 45 Grad unter Luftabschluss vergoren. Bei diesem biologischen Abbauprozess entsteht Methangas. Das entschwefelte und getrocknete Gas treibt einen Dieselmotor an, der den Strom erzeugt. Die anfallende vergorene Jauche ist nach Meinung von Wartmann für Pflanzen und Bodenwesen verträglicher und wird auf die landwirtschaftlichen Böden ausgebracht. Die landwirtschaftliche Biogasanlage Holzhof gilt als die grösste der ganzen Schweiz. Seit 1869 wird Käse hergestellt Seit 150 Jahren gibt es den Holzhof, einen traditionsreichen Familienbetrieb in Bissegg im Kanton Thurgau. Er liegt in einem Landstrich mit sanften Anhöhen und fruchtbaren Ebenen, saftigen Wiesen mit reich tragenden Obstbaustämmen und sauber bebauten Äckern. Seit 1869 wird auf dem Holzhof Käse hergestellt. Am Anfang wurde Emmentaler produziert. Heute werden auf dem Holzhof jährlich 160 Tonnen Käse hergestellt. Davon entfallen rund 60 Prozent auf die Sorte Rohmilchtilsiter und 30 Prozent auf den original Holzhoferkäse, der seit zwei Jahren produziert wird. Der Holzhoferkäse wird nach einem traditionellen Rezept mit Milch von Thurgauer Kühen hergestellt und im eigenen Gewölbekeller sorgfältig gereift. Hier entwickelt er dank stetiger Pflege sein unverkennbares Aroma. Wartmann verzichtet freiwillig auf jeglichen Einsatz von Zusatzstoffen. Die Milch, die verwertet wird, stammt von 14 Betrieben aus der Region. Gewappnet für ausländische Konkurrenz Neben der Qualitätsoptimierung wird auf dem Holzhof auch die Umweltpolitik gross geschrieben. «Wir haben erkannt, dass ökologisches Handeln keineswegs mit Rentabilitätseinbussen einhergehen muss. Vielmehr glauben wir, mit einem fortschrittlichen Betrieb auch für die sich anbahnende schärfere Konkurrenz aus dem Ausland gewappnet zu sein», gibt sich Wartmann optimistisch. Mario Tosato |
|||
|
|
|||

