Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Modernste Anlage für Sortierung von Pflanzkartoffeln

Ausgabe Nummer 48 (2016)

In Marthalen neue Kalibrier- und Sortieranlage eingeweiht

Die Vermehrungsorganisation OST für Pflanzkartoffeln hat in Marthalen die landesweit modernste Kalibrier- und Sortieranlage für Pflanzkartoffeln eingeweiht. Dabei kommt die gleiche Technologie wie für die Sortierung von Karotten zum Einsatz.

Heute werden an Pflanzkartoffeln in allen Bereichen qualitativ sehr hohe Anforderungen gestellt. Dies ist insbesondere bei der Lagerung und Aufbereitung von zentraler Bedeutung. Die Qualität der einzelnen Pflanzkartoffel entscheidet schlussendlich über Ertrag und Knollengrösse. Entsprechend wird heute sehr vieles unternommen, um diesen ständig steigenden Qualitätsansprüchen gerecht zu werden. Die Vermehrungsorganisation OST (VO OST Pflanzkartoffeln), welche sich über die Ostschweizer Kantone Aargau, Zürich, Schaffhausen, Thurgau, Graubünden teilweise noch St. Gallen erstreckt, hat in den Räumlichkeiten der fenaco eine Kalibrier- und Sortierungsanlage eingerichtet. «Die Kartoffeln sollen im Frühling noch knackig sein und über eine grosse Triebkraft verfügen. Deshalb haben wir von der VO OST nach Lösungen gesucht, und die fenaco hat uns dafür die notwendigen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt», erklärte VO Ost Präsident Ueli Morf. Diese neue, mit viel Weitsicht realisierte Anlage trägt nun wesentlich dazu bei, dass die gesteckten Qualitätsziele erreicht werden können. «Wir haben dafür in die gesamte Anlage von der VO OST rund 200 000 Franken investiert», führte Andreas Rüsch als einer der Väter dieses nun realisierten Projektes aus.
Die jetzt in Marthalen aufgebaute Anlage ist die landesweit erste, welche mit dieser modernen Techno- ausgestattet, aber grundsätzlich nicht neu ist. Diese findet bereits ihre Anwendung bei der Sortierung von Karotten. Entsprechend sind es bis heute 60 Anlagen, welche im In- und Ausland für Karotten im Einsatz sind. Jede einzelne Kartoffel wird schonend mit einer Bürste gereinigt und fotografisch, in Bruchteilen von Sekunden, mehrmals erfasst. Die dabei gelieferten Daten zur Knolle, deren Grösse, Zustand sowie Fremdstoffe wie Erdknollen, Steine oder weitere Fremdkörper, dienen danach der Sortierung, respektive Aussortierung, wobei die Knollen buchstäblich durch die Anlage geschossen werden. Zugleich erlaubt es die Technologie, dass die Knollen gezählt werden können.
«Für uns ist die Anlage eine Win-win-Situation am Standort Marthalen, mitten in einem der bedeutendsten Schweizer Kartoffelanbaugebiete. Wir können damit den Saatkartoffelproduzenten eine Perspektive bieten», zeigte sich Christoph Kohli von der fenaco überzeugt.

Rund 1000 Tonnen verarbeiten
Die Saat- oder Pflanzkartoffeln werden nun von den Produzenten erstmals direkt ab Feld, entweder lose oder in Paloxen, in Marthalen ohne grosses Vorsortieren angeliefert. Die Loseware wird vor Ort paloxiert und anschliessend wie die andere Ware in einer der grossen Kühlzellen bei 10 °C eingelagert. «Wir haben in diesem Sommer und Herbst von knapp 30 Produzenten erstmals rund 1000 t Saatkartoffeln von 10 Sorten angenommen», erklärt David Schmid. Mit der neuen Kalibrier- und Sortieranlage können in einem Durchgang sechs verschiedene Komponenten aussortiert werden. Eine entfällt auf Abfall, wo die Fremdkörper landen. Danach können für das Saatgut die Normalsortierung mit einer Seitengrösse von 35 bis 50 mm, die Kleinsortierung von 28 bis 35 mm sowie kleinere oder übergrosse vom angelieferten Posten in die entsprechenden Grössen getrennt werden. Die zu kleinen oder übergrossen Kartoffeln können für Raclette oder als Handelsware abgesetzt werden. Nach diesem Arbeitsschritt wird das heraussortierte Pflanzkartoffelsaatgut bei nun noch 4 °C einlagert, um ein frühzeitiges Auskeimen zu vermeiden.
Saatgutproduzenten, aber auch andere Saatgutkunden, können die Ware auch direkt selber abholen und zu Hause lagern. Mit diesem Schritt zur gemeinsamen zentralen Aufbereitung der Pflanzkartoffeln wird wohl den Betrieben etwas Wertschöpfung entzogen, dafür können die Ernte und Abgabe zügiger erfolgen. «Solange in der Schweiz Kartoffeln angebaut werden, braucht es Pflanzgut», betonte Patrick Kreienbühl von der fenaco. Er hielt auch fest, dass jeder angelieferte Posten etwas anders ist, was die Mitarbeiter an der Anlage besonders fordere.


Roland Müller










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