Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Mostbirnen - wo sind die Taten?

Ausgabe Nummer 35 (2014)

Dringender Brief an den Schweizerischen Obstverband

Vor einem Jahr geschah es. Das Parlament bewilligte einen Sonderkredit von 2,4 Millionen Franken zum Abbau der Mostbirnenkonzentrat-Vorräte in den Mostereien. Das fast Unmögliche wurde wahr! Die Bevölkerung ist aussergewöhnlich sensibilisiert, wenn sie zusehen muss, wie die letzten Mostbirnbäume (Oasen) aus der Landschaft verschwinden. Das Parlament verfolgte zwei Ziele. Einmal wollten sie die aufgestauten Birnenkonzentrate abbauen infolge kleinerem Bedarf der Mostereien und der unmissverständlichen Streichung jeglicher Exportbeihilfen des Bundes. Mit dem Sonderkredit müssten neue Birnenprodukte gefördert und Märkte im In- und Ausland gefunden werden.
Und fast nichts ist passiert. Das BLW war nicht bereit, einen Teil des Sondergeldes für Exportbeihilfen einzusetzen und das Deza wollte auch nichts wissen von Konzentratlieferungen in Hungergebiete. Die Migros bot (noch) nicht Hand für eine landesweite Birnelaktion. Jedoch das Schweizer Fernsehen liess mit ihrem Beitrag unter «Schweiz aktuell» zum Erhalt der mächtigen Mostbirnbäume in der Landschaft aufhorchen. Alles umsonst?

Keine Ruhmestat für unser Land
Nur 12 Prozent der bewilligten BSK-Menge gingen in die Lebensmittelbranche, 88 Prozent landeten im Tierfuttertrog (mit Verwertungsbeitrag von Fr. 2.63 je kg, Produktionskosten Fr. 2.93!) Die Mostbirnenernten sind kleiner geworden. Der Vierjahresdurchschnitt betrug nur noch 1382 Wagen à 10 t (noch vor fünf Jahren Inlandjahresbedarf 1800 Wagen. Die Ernte 2013 brachte noch 978 Wagen ein. Und wieder stehen wir vor einem neuen Herbst. Es wird wiederum eine kleinere Ernte erwartet. Die Vorernteschätzung dürfte unter 1200 Wagen liegen. Trotzdem sickern Szenarien vom Schweizerischen Obstverband mit Abzügen bis zu 10 Franken je 100 kg durch. Das darf auf keinen Fall passieren! Neue Wege müssen eine Wende bringen. Dringend bitten wir die Bauern, solche Ideen nicht zu akzeptieren, aber auch um Geduld. Auch Kühe fressen gern ein paar Mostbirnen. Freuen wir uns, wie grün und erholt die Birnbäume in diesem Jahr dastehen. Und vergessen wir nicht, ein mächtiger Birnbaum ist für die Biodiversität weit wertvoller, als ein paar Holzbrocken und Steinhaufen unter den Bäumen oder 10 Vogelkästen in Hochstamm-Apfelanlagen.


Vereinigung Hochstammobstbau Schweiz
Guido Schildknecht, Präsident, Mörschwil
Ernst Peter, Vizepräsident Kefikon

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