Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


"Mut haben, seinen eigenen Weg zu gehen"

Ausgabe Nummer 24 (2016)

Seit über fünf Jahren ist Markus Hausammann (51) Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft VTL. Der Meisterlandwirt wohnt mit seiner Familie in Langrickenbach, wo er von 1995 bis 2011 als Gemeindeammann amtete.

Er ist nicht mehr so oft wie auch schon auf dem Hof anzutreffen. Als Markus Hausammann 2011 für die SVP in den Nationalrat gewählt wurde, musste er sein bisheriges Leben etwas umorganisieren. Auch vor dem Mandat schon politisch aktiv, kam nun doch etwas ganz Neues auf ihn zu. Dies betraf natürlich auch seine Familie, die in seiner Abwesenheit (Sessionen und Kommissionssitzungen) zusammen mit einem Mitarbeiter und dem Lehrling zum Rechten schaut.

300 000 Liter Käsereimilch
Der Hof der Familie Hausammann umfasst gut 20 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche (davon 2 ha Pachtland) und ca. 1,5 ha Wald. Der grösste Teil mit über 15 ha sind Naturwiesen und Weiden, knapp 3 ha sind Kunstwiesen und noch etwas extensive Wiesen im Vernetzungskorridor. Dazu kommen 70 Hochstamm-Obstbäume und rund 1,5 ha Mais (Grünmais und Vollpflanzenwürfel), welche angebaut werden. Im Stall stehen gut 40 laktierende Kühe, Aufzuchtkälber bis vier Monate und ein Zuchtstier. Die Rinder sind im Aufzuchtvertrag in Gais AR (Bergzone II) und die Galtkühe bei einem Nachbarn verstellt. «Wir produzieren für die Herstellung von Emmentaler Käse jährlich rund 300 000 Kilogramm Käsereimilch, welche täglich abgeholt wird», so Hausammann.

Familie hält den Rücken frei
Jetzt, während der Sommersession, ist er in Bern, wohnt in einem Hotel und kommt nur am Wochenende nach Hause. Dann stehen die Wochenendablösung des Angestellten und die administrative Betriebsführung auf dem Programm, er nimmt politische Verpflichtungen wahr, besucht Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen oder hält selbst ein Referat. In dieser Zeit sieht er seine Familie, Frau Brigitte, die Kinder Chantal (22), Lukas (20), Eric (18) und Marco (16), nicht sehr oft. «Das wäre alles gar nicht machbar, hätte ich nicht eine Familie, die voll und ganz hinter mir steht, mich unterstützt und mir den Rücken freihält. Vor allem meine Frau Brigitte ist der ruhende Pol. Sie bringt mich nötigenfalls

Nimmt gerne Verantwortung wahr
Bereits mit 23 Jahren sass Hausammann im Gemeinderat von Langrickenbach, arbeitete sich zum Orstvorsteher und Gemeindeammann hoch und wurde 1995 in den Grossen Rat gewählt. «Schon immer habe ich mich gerne für die Allgemeinheit eingesetzt. Ich finde es wichtig und gleichzeitig faszinierend, sich für die Gesellschaft und deren Entwicklung zu engagieren und Verantwortung mitzutragen», meint Hausammann über seinen politischen Antrieb. So bekleidet er unter anderem seit 2014 das Präsidentenamt bei Profi Lait und ist seit vier Jahren im Vorstand des Schweizer Bauernverbandes. Angesprochen auf die politische Leiter, die er noch besteigen könnte, winkt Hausammann ab: «Die Wahrscheinlichkeit, dass meine politische Laufbahn im Nationalrat irgendwann ein Ende hat ist grösser, als dass ich noch weitere Stufen erklimme». Wobei er schmunzelnd gesteht, dass er 2003 und 2011 der Politik schon zweimal den Rücken kehren wollte.

Sich selber treu bleiben
Hausammann ist ein «Macher». Hat er Verantwortung, fällt es ihm nicht leicht loszulassen. Er betreut, begleitet und kontrolliert. «Wer sich selber treu bleibt, hat auf jeden Fall gewonnen», so sein Motto. Dass dabei der «Gewinn» auch mal nur eine Erfahrung sein kann, nimmt er gelassen in Kauf. «Dafür ist die Gefahr kleiner, mein Gesicht zu verlieren», so sein Argument. Er sieht sich auch als Brückenbauer. So arbeitet er seit Kurzem als ÖLN-Betriebsleiter ehrenamtlich im Stiftungsrat des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) mit.

Eigene Strategie finden
Seit über fünf Jahren setzt er sich als Präsident des VTL und seit vier Jahren als Nationalrat für die Belange der (Thurgauer)-Landwirtschaft ein. «Wir müssen heute viele Herausforderungen meistern. Die Betriebsleiterfamilien sollten noch vermehrter den Mut haben, ihren eigenen, auf sie zugeschnittenen Weg zu gehen», zeigt er sich besorgt. «Die Strategie des Nachbars, die diesem zum Erfolg verhilft, kann für einen selbst die Finanz- und Arbeitsfalle bedeuten. Die betriebliche Ausrichtung ist den eigenen Bedürfnissen anzupassen und unabhängig derzeit aktueller Trends zu wählen.»

Abschalten ist wichtig
Hausammann freut sich, wenn auch einmal nichts in der Agenda steht und er sich «nur» seiner Familie oder seinem Freundeskreis widmen kann. Das gibt ihm die nötige Ruhe und Kraft, die er für seinen Alltag braucht. «Ich achte sehr darauf, dass wir uns austauschen können, freue mich über gemeinsame Ausflüge oder Ferien oder an einem regnerischen Sonntag einfach einmal zu faulenzen». In zehn Jahren wird Markus Hausammann über sechzig Jahre alt sein. Gedanken hat er sich darüber noch keine gemacht, «ausser vielleicht, dass es mir dann sicherlich Freude bereiten würde, auf dem Betrieb meines Sohnes noch etwas mithelfen zu dürfen», sagt er lachend während bereits wieder sein Handy klingelt.


Daniel Thür










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