Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Mutter, Bäuerin und Feuerwehrfrau mit Leidenschaft

Ausgabe Nummer 6 (2016)

In Rosenhuben, am Stadtrand von Frauenfeld, ist VTL-Vorstandsmitglied Eveline Bachmann (40) zuhause. Zusammen mit ihrem Mann Reto bewirtschaftet sie einen Milch- und Ackerbaubetrieb. Wenn immer es die Zeit erlaubt, ist sie an der frischen Luft oder pflegt ihre Freundschaften in der Feuerwehr Gachnang.

Müsste man Eveline Bachmann in ein Berufsschema stecken, wär die Auswahl reichlich: Hausfrau, Bäuerin, LKW-Aushilfschauffeuse oder Feuerwehr-Frau. Für sie sind die Prioritäten allerdings klar: «In erster Linie bin ich Mutter und Hausfrau. Mutter sein, ist meine spannendste Herausforderung. Meine grosse Leidenschaft ist natürlich auch der Hof. Dort helfe ich, wo es mich braucht», so Bachmann.

Leidenschaft Maschinen
Am liebsten arbeitet sie mit Maschinen und Traktoren, legt aber auch gerne Hand an, wenn es um das Melken geht. Man merkt schnell: Einheitsbrei und festgefahrene Tages- oder gar Wochenabläufe sind nicht ihr Ding. Nebst Versorgung von Familie, Haus und Hof macht sie an zwei bis drei Tagen im Monat mit einem Milch-Laster die sogenannte Hofabfuhr. Langeweile kommt also mit Sicherheit nicht so schnell auf.

Hauptaufgabe Milchwirtschaft
Seit bald 13 Jahren ist Eveline Bachmann mit ihrem Mann Reto verheiratet, und mit Livio (11), Moris (9) und Mira (7) ist die Familie komplett. Vor bald fünf Jahren übernahmen sie den Milch- und Ackerbaubetrieb von Retos Eltern, bauen rund 11 ha Mais, 6 ha Weizen, 4,5 ha Gersten, 1 ha Raps, 13,5 ha Naturund Kunstwiese an und pflegen rund 120 Hochstammbäume. «An der Betriebsstruktur haben wir nicht viel verändert. Nach wie vor liegt unser Hauptaugenmerk auf der Milchwirtschaft», so Bachmann. Im Stall neben dem Wohnhaus leben rund 55 Holsteinkühe, welche täglich beste Milch liefern.

Direktverkauf aufgebaut
«2012 erfüllte ich mir einen lange gehegten Wunsch und kaufte einen Milchautomaten. Durch Zufall bekamen wir kurz darauf ein altes Hühnerhäuschen geschenkt und konnten so neben der Rohmilch ab Automat auch frische Eier in Selbstbedienung anbieten. » Dabei blieb es nicht. Hinzu gekommen ist auch noch der Verkauf von Most von den eigenen Hochstammbäumen sowie Honig aus der Imkerei ihrer Schwiegermutter. Arbeit ist also genug vorhanden; so viel, dass auch Retos Eltern, Vreni und Alwin Bachmann, sowie die Praktikantin Michelé Meier tatkräftig mithelfen.

Seit zwei Jahren im Vorstand VTL
Seit 2010 leistet E. Bachmann Vorstandsarbeit im Thurgauer Landfrauenverband (TLFV), und im Landfrauenverein Strass amtet sie seit rund zwei Jahren als Aktuarin. Ebenso lange hält sie im Vorstand des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL) Einsitz und betreut die Ressorts Landwirtschaftsnahe Tätigkeiten. Dazu gehören unter anderem Betreuungsleistungen, Erneuerbare Energien und Agrotourismus und Direktvermarktung, drei grundverschiedene Ressorts. Sie ist die Verbindung zwischen dem Verband VTL und den Fachgruppen. «Spannend ist für mich dabei, dass ich so mit verschiedensten Menschen zusammen treffe.» Obwohl ihr alle drei Aufgabengebiete wichtig sind, gibt es im Ressort Agrotourismus und Direktvermarkter im Moment am meisten zu tun, da die Vorbereitungen für den Event «Buurehof und Hoflade erläbe» vom 11.und 12. Juni 2016 auf Hochtouren laufen.

Leidenschaft Feuerwehr
Auch wenn das tägliche Pensum von Eveline Bachmann wie bei vielen Bauernfamilien viele Stunden umfasst, lässt sie sich ihr grosses Hobby nicht nehmen: die Freiwillige Feuerwehr Gachnang, wo sie dem Zug des Atemschutzes angehört. «Die Erlebnisse und Ausbildungen als Offizierin sind besonders beim Atemschutz sehr bereichernd und lehrreich. Zudem konnte ich in der Feuerwehr sehr gute Freundschaften aufbauen», so Bachmann weiter. Und wenns mal nicht gerade «brennt», frönt sie gerne dem Laufsport, welcher für sie in erster Linie nicht Leistung, sondern mentales Auslüften bedeutet. «Da kann man so richtig den Kopf auslüften oder, wenn man mit Laufkollegen/innen unterwegs ist, gute Gespräche führen.» Und wenn tatsächlich mal gar nichts auf dem Programm steht, gibt es einen erholsamen Spaziergang mit Mann Reto, sofern dieser Zeit hat. Wenn nicht, sind da noch Handarbeiten, einen schönen Abend mit einer Freundin geniessen oder eben mal «gar nichts tun», wobei das bei Eveline Bachmann kaum je vorkommt.

Alles unter einen Hut bringen
Die Landwirtschaft liegt Bachmann sehr am Herzen. So gibt es für sie nicht nur eine, sondern mehrere Herausforderung. «Alle in der Landwirtschaft Tätigen müssen neben der körperlich sehr anspruchsvollen Arbeit auch einem hohen administrativen Aufwand gerecht werden. Bei den langen Arbeitstagen ist es manchmal ein Balanceakt, daneben noch Familienleben und Partnerschaft unter einen Hut zu bringen », so Bachmann.

Mit Regionalität punkten
Nachdenklich wird sie, wenn sie sich Gedanken über die Zukunft der Landwirtschaft macht. «Wir können uns heute auf dem Markt nur behaupten, wenn wir regional produzierte Produkte und Spezialitäten von hoher Qualität anbieten. Wir müssen uns von der ausländischen Billigware abheben», ist sie überzeugt. Die weltweit instabilen Agrarmärkte, die daraus resultierenden stark schwankenden Preise, der Druck, welcher auf der Schweizer Landwirtschaft lastet sowie der zunehmende Kulturlandverlust stimmen Bachmann sehr nachdenklich. Aber sie zeigt sich gewohnt kämpferisch: «Ich werde auch in zehn Jahren noch glücklich mit meinem Mann auf unserem schönen Hof wohnen!»


Daniel Thür










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