Ausgabe Nummer 30 (2010)
Mutterkuhhalterstamm 2010
Bei herrlichem Sommerwetter trafen sich die Thurgauer Mutterkuhhalterinnen und Mutterkuhhalter auf dem Betrieb von Godi und Viktoria Bachmann in Belzstadel zum siebten Mutterkuhhalterstamm. Auf der Weide konnten die wertvollen Zuchttiere der Gastgeberfamilie besichtigt werden. Urs Vogt, Geschäftsführer von Mutterkuh Schweiz, berichtete danach über Aktualitäten vom Verband. Vor dem geselligen Teil des Abends informierte Tierarzt Benjamin Pogorzelski die Anwesenden in einem spannenden Vortrag, warum Kälberdurchfälle bei Mutterkühen auftreten, was im Tier abläuft und was dagegen getan werden kann.
Traum erfüllt
Mitten in seiner Mutterkuhherde stehend, berichtete Gastgeber Godi Bachmann, wie er zur Mutterkuhhaltung gekommen ist: «Unser Hauptgeschäft ist mit 130 Zuchtsauen und 600 Mastschweineplätzen eindeutig die Schweinehaltung. Trotzdem waren die Kühe immer eine Leidenschaft von mir. Deshalb kauften wir im Jahr 2001 an der Auktion, damals noch in Brugg, unsere erste Mutterkuh, die tragende Lilly. Der Zufall wollte es, dass sie uns ein ganz tolles Kalb brachte, und so waren wir mit dem Virus Mutterkühe infi ziert». Dass Godi Bachmann mit Leib und Seele Tierzüchter ist und keine Halbheiten mag, zeigte sich dann schnell. So studierte er Zuchtlinien und Kataloge und baute sich nach und nach eine Limousinherde auf, welche wertvolle Zuchttiere hervorbringt. Besonderen Wert legen Godi und Viktoria Bachmann auf ruhige und feingliedrige Tiere mit einem mittleren Rahmen. «Um möglichst wenig dem Zufall zu überlassen, besuche ich vor dem Einsatz eines Stieres zahlreiche Nachzuchtschauen. Ich möchte die Nachzucht kennen, bevor ich mich für einen Stier entscheide», erzählt er.
Kontakt zur Herde
Für die Limousin-Rasse hat sich Godi Bachmann entschieden, weil es sich um eine intensive Mastrasse handelt und weil ein Limousin-Stier auf praktisch alle Rassen eingesetzt werden kann. Sämtliche seiner Kühe werden künstlich besamt. Probleme mit dem Handling hat Bachmann keine. «Ich verbringe jeden Tag ganz bewusst 15 Minuten in der Herde. Einerseits kann ich so kontrollieren, ob alles in Ordnung ist und zum anderen vereinfacht sich so der Umgang mit den Tieren ungemein, da alle sehr zutraulich sind». Durchfallprobleme bei den Kälbern kennen Bachmanns kaum. «Bestimmt ist es ein Vorteil, dass die Abkalbungen auf das ganze Jahr verteilt sind und die Herde eher klein ist. So ist der Keimdruck nie besonders gross», erklärt Godi Bachmann
Ist das Boot voll?
Urs Vogt, Geschäftsführer von Mutterkuh Schweiz, informierte die Besucherinnen und Besucher gleich selber über Aktualitäten aus der Mutterkuhhaltung. Er zeigte weiter auf, dass infolge des Strukturwandels weiterhin viele Milchproduzenten die Milchviehhaltung aufgeben werden. Ein Teil dieser Milchviehhalter wird vermutlich in die Mutterkuhhaltung einsteigen. Mit einer Überproduktion von Rindfleisch rechnet Vogt aber nicht, da eine Milchkuh mit Kalb erwiesenermassen gleich viel Fleisch produziert, wie eine Mutterkuh. «Zudem ist der Rindfl eischkonsum mit 11 kg pro Kopf im Moment sehr erfreulich. Dies hilft uns natürlich, das Fleisch auch an die Konsumentin und den Konsumenten zu bringen», ist Vogt überzeugt. «Die Marktaussichten sind positiv. Ein Ausbau ist in drei Richtungen möglich. Beim Natura-Beef muss die Menge erhöht, beim Natura-Veal, Kalbfleisch aus Mutterkuhhaltung, die Produktion aufgebaut werden, und beim SwissPrimBeef sind mehr Angus-Tiere gefragt. Gemäss heutigen Schätzungen können die Produktionsmengen gesamthaft um gut 10 Prozent erhöht werden», meint der Geschäftsführer von Mutterkuh Schweiz erfreut.
beef.ch – Weidfäscht am Pfannenstiel
Mit grosser Vorfreude erwartet Urs Vogt die beef.ch, welche vom 26. August bis am 5. September 2010 am Pfannenstiel stattfindet. Während 11 Tagen bringt die beef.ch nun schon zum fünften Mal Produzenten und Konsumenten zusammen. «Es macht mich sehr stolz, dass wir Mutterkuhhalter mit diesem Anlass rund 100 000 Menschen mobilisieren können».
Flüssigkeitsverlust unbedingt ausgleichen
Zum Thema Kälberdurchfall in der Mutterkuhhaltung referierte Dr. med. vet. FTA Benjamin Pogorzelski von der Tierklinik Stockrüti. Zu Beginn seines Vortrages stellte der Tierarzt fest, dass rund 95 Prozent der Kälberdurchfälle in der Mutterkuhhaltung infektiös bedingt sind. Durchfall durch Überfütterung kommt in der Mutterkuhhaltung kaum vor, da die Kälber regelmässig und keine zu grossen Mengen saufen. Besonders problematisch beim Kälberdurchfall ist der grosse Flüssigkeitsverlust des Tieres, der in schlimmen Fällen pro Tag bis zu acht Liter betragen kann. Die verlorene Flüssigkeit sowie verlorene Elektrolyte muss den Kälbern unbedingt wieder zugeführt werden. Ansonsten kommt es zu einer Blutübersäuerung und zum Tod. In der Mutterkuhhaltung kann es schwierig sein festzustellen, wie viel ein an Durchfall erkranktes Kalb bei der Mutter sauft, und auch das Eingeben von Elektrolyten ist nicht immer einfach. Manchmal ist deshalb das Anlegen eines Tropfes von Nöten.
Kokzidiose als Ursache von Kälberdurchfall
Häufigste Ursache von Kälberdurchfall in der Mutterkuhhaltung ist eine Kokzidiose. Erreger dieser Kokzidiose sind Kokzidien, einzellige Parasiten. Der Kokzidien-Durchfall tritt erst drei Wochen nach der Geburt auf. Der Kot ist grünlich, manchmal blutig und stinkt. Die Bekämpfung einer Kokzidiose ist schwierig, da auch nicht erkrankte, ältere Tiere die Erreger ausscheiden. Die Bekämpfung der Kokzidiose kann über eine kostspielige Impfung erfolgen. Die Verbesserung der Hygiene, sprich ein trockener, sauberer und desinfizierter Kälberbereich, ist aber der sicherste Weg, die Kälber vor Kokzidien zu schützen.
BBZ Arenenberg, Fleischproduktion, Fabienne Schälchli
