Ausgabe Nummer 38 (2005)
Myrta Roth auf Vertretung des Bauernstandes konzentrieren
Myrta Roth auf Vertretung des Bauernstandes konzentrieren
Myrta Roth war für zwölf Jahre Vorstandsmitglied des Thurgauer Bauernverbandes (TBV). Sie war in den beiden Ressorts «Agrarpolitik und Wirtschaft» und «Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation» tätig. Im folgenden Interview erzählt sie über die Zeit als Vorstandsmitglied und was ihr heute besonders wichtig ist

Seit einem Jahr ist Myrta Roth auch Grossmutter:
«Mit Freude widme ich meine freie Zeit meinem
Grosskind Nadine.» (zVg)
Myrta Roth, Sie waren zwölf Jahre im Vorstand des Thurgauer Bauernverbandes, gibt es etwas, woran Sie sich heute speziell erinnern?
Myrta Roth: Roland Eberle war damals noch Bauernsekretär. Ich hatte ihn in einem Leserbrief als Regierungsrat empfohlen. Er wurde dann gewählt und ist heute ein erfolgreicher Regierungsrat für den Kanton Thurgau. An die Zusammenarbeit mit ihm denke ich heute noch oft gerne zurück. Ich habe insgesamt drei Bauernsekretäre erlebt. Bei Urs Schneider und Hermine Hascher war ich dann bei den Wahlen selber mit dabei. Urs Schneiders Rücktritt habe ich nur ungern akzeptiert.
Welche markanten Veränderungen konnten Sie während dieser Zeit beobachten?
Myrta Roth: Eine Veränderung ist die Zusammenarbeit mit den übrigen Wirtschaftsverbänden im Thurgau, wie Gewerbeverband und Industrie- und Handelskammer.
Diese Öffnung und den gegenseitigen Gedankenaustausch finde ich gut. Meine Meinung ist aber, dort wo die Interessen unterschiedlich sind, sollte ein Berufsverband einen Standpunkt im Interesse seiner Mitglieder vertreten und nicht auf Konzessionen eingehen.
Sehen Sie Bauernbetriebe nicht als wirtschaftliche Unternehmen?
Myrta Roth: Doch, das schon, diesbezüglich fanden in den letzten Jahren Veränderungen statt, und zwar, dass die Bauern sich vermehrt um die Vermarktung ihrer Produkte bemühen müssen. In meiner Zeit ist daher auch das AgroMarketing entstanden. Auch ich habe Verständnis für die Notwendigkeit einer gut gehenden Wirtschaft. Der Bauernverband als Standesvertreter muss aber in erster Linie unsere eigenen Interessen in die Diskussion einbringen. Aus dieser Sicht müssen wir z. B. beim 50 ha Landverlust durch neue Strassen vor allem zum Ausdruck bringen, dass für die verbleibenden, produzierenden Bauern jeder Landverlust die Bodenpreise, Pachtzinse und somit unsere Produktionskosten erhöht.
Gibt es ein schwieriges Problem, dass Sie in dieser Zeit gelöst haben?
Myrta Roth: Aufgrund dieser Veränderungen hat sich der TBV vermehrt mit Öffentlichkeitsarbeit befasst, z. B. an der WEGA, der OLMA oder an der Frühlingsmesse. An diesen Veranstaltungen ergaben sich immer interessante Gespräche mit der Bevölkerung.
Welchen Bezug haben Sie zu Agrarpolitik und Wirtschaft, haben Sie politische Ambitionen?
Myrta Roth: Ich habe versucht, mich auf dem Laufenden zu halten. Mit der Landwirtschaft bin ich tief verbunden und stehe wirklich dazu, den Bauernstand im Ressort Agrarpolitik zu vertreten.
Werden Sie nun mehr freie Zeit haben, was möchten Sie damit anfangen?
Myrta Roth: Dazu möchte ich gerne sagen, dass die Zeit im Vorstand des TBV eine sehr gute, interessante Zeit war, in der ich viele Menschen kennen lernte und Kontakte knüpfen konnte. Nach 12 Jahren wurde es aber auch Zeit, jemand Neuem die Chance zu geben, im Vorstand mitzumachen.
Interessant war auch, das Verständnis für gewisse Dinge zu bekommen, der Blick hinter die Kulissen in die Verbandsarbeit, die Geschäftsstelle, das fand ich spannend. Seit einem Jahr bin ich aber auch Gross-mutter, mit Freude widme ich meine «freie» Zeit meinem Grosskind Nadine.
Was ist Ihnen im Moment besonders wichtig?
Myrta Roth: Ich hoffe, dass es immer Junge gibt, die Bauern sein wollen, die Nahrungsmittel produzieren, die Landschaft pflegen und dass es weiterhin Leute gibt, die sich auch in der Öffentlichkeit für die Landwirtschaft und den Bauernstand einsetzen.
Zum Schluss haben Sie ein Tipp für die neuen Vorstandsmitglieder?
Myrta Roth: Offene Ohren für die verschiedenen Anliegen der Bauernfamilien haben und diese im Vorstand einbringen.
