Ausgabe Nummer 6 (2005)
Nach der Fastnacht kommt die Fastenzeit
| Ernährung und Rezepte |
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Nach der Fastnacht kommt die Fastenzeit
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| Fastenzeiten sind in fast allen Religionen bekannt. In der katholischen Kirche umfasst die längste Fastenzeit seit dem 7. Jahrhundert 40 Tage und findet zwischen Aschermittwoch und Ostern statt. Fasten aus religiösen Hintergründen ist heute nur noch wenig aktuell, vermehrt fasten Menschen aus gesundheitlichen Aspekten. |
| Ist Fasten sinnvoll? Unseren Vorfahren war wohl bewusst, dass sie zur Winterzeit, wenn sie sich weniger bewegten und anders ernährten als in der warmen Jahreszeit, Speck, den Winterspeck sozusagen, ansetzten. Die Kost setzte sich aus überwiegend fetten Speisen, Kohl- und Rübengerichten zusammen, dazu kam Eingemachtes und Gepökeltes, was eben saisonal verfügbar war. Man brauchte auch mehr Energie, um die kalte Jahreszeit besser zu überstehen. Die Fastenzeit kam darum genau richtig, um zu entschlacken, und vielleicht könnte sie von uns, die wir die verschiedensten Diäten ausprobieren, wieder entdeckt werden. Ein altes Sprichwort besagt, dass das Fasten noch niemanden verhungern liess. Das Fasten hat demnach auch einen gesundheitlichen Aspekt, der nicht verkannt werden sollte. Fasten aus religiösem Glauben Die katholische Kirche schreibt heute im Unterschied zum Islam kein Fasten mehr vor, sondern regt nur an, diese Zeiten bewusster zu leben und in persönlicher Freiheit einen Verzicht zu üben. Es gibt lediglich zwei vorgeschriebene Fasttage: Aschermittwoch und Karfreitag. Im Mittelpunkt steht vielmehr eine selbstgewählte Entbehrung, die zum Anlass genommen werden kann, auch noch so lieb gewonnene Gewohnheiten zu überdenken. Dies kann sich auf die verschiedensten Bereiche des Lebens beziehen. Als klassische Form des Fastens verzichten die meisten Menschen aber nach wie vor auf Alkoholkonsum, das Rauchen sowie den Verzehr von bestimmten Lebensmitteln. Was durfte früher in der Fastenzeit gegessen werden? Im Mittelalter durfte man fast gar nichts essen ausser drei Bissen Brot und drei Schluck Bier oder Wasser. Die Mönche begannen nach und nach ihr eigenes Bier zu brauen, da das Bier, das die Bauern brauten, zu dünn war. Sie benötigten ein gehaltvolles, sättigendes Starkbier, das ihnen in der Fastenzeit als nahrhafte Beikost dienen sollte. Bier trug dem alten kirchlichen Grundsatz Rechnung: «Flüssiges bricht das Fasten nicht» und war daher in unbegrenzten Mengen erlaubt. Vermutlich hatten diese Biere nicht denselben Alkoholgehalt wie die heutigen Starkbiere, ihre Wirkung beruhte jedoch auf dem starken vitaminreichen Malzextrakt und auf dem Alkohol. Mit Sicherheit haben die Mönche dank ihres Bieres die Zeit der Enthaltsamkeit ohne Hunger, aber auch mit bester Laune überstanden. Süssigkeiten als Belohnung In den Klöstern, die nicht immer ein Hort der Enthaltsamkeit und der Sittlichkeit waren, peitschte man im frühesten Mittelalter die Mönche, wenn sie zur Fastenzeit unfolgsam waren, aus. Waren sie hingegen artig und gehorsam, wurden sie mit Süssigkeiten belohnt. Zuerst kannte man nur einfache Fladen, später durften die Mönche und Nonnen den Mehlbrei mit Öl und Honig anreichern und schliesslich auch Eier und Käse verwenden. Aus Brot entstand Kuchen, indem man dem Brotteig Gewürze, Früchte, Nüsse, Eier und Zucker zufügte. Mit der Zeit überboten sich die Mönche und Nonnen in den Klosterkuchen in der Erfindung immer raffinierterer Plätzchen, Kuchen und Torten. Das Nonnenfürzli Eines dieser Gebäcke ist auch das Nonnenfürzli, das aus einem Schweizer Frauenkloster stammt. Welches Kloster als erstes diese Spezialität im späten Mittelalter erfand, ist nicht mehr bekannt. Für ihren Namen sollen eine Novizin und ein junger Bischof verantwortlich sein, der in einem Frauenkloster die Küche besuchte. Eine Novizin, die gerade die kleinen Krapfen herrichtete, erschreckte sich beim Anblick des stattlichen Mannes so sehr, dass sie versehentlich ihre Krapfen noch feucht ins heisse Fett gleiten liess. Es zischte gewaltig. Der leutselige Bischof tröstete und segnete die unglückliche Novizin und nannte von nun an dieses Fastengebäck «Nonnenfürzli». Nonnenfürzli Zutaten: 2 1/2 dl Milch 1 EL Zucker 1 Prise Salz 1/2 TL Backpulver 50 g Butter 1 EL Mehl 125 g Mehl Frittieröl 3 Eier Zubereitung: Brühteig: 1. Milch, Salz und Butter in einer Pfanne aufkochen, Pfanne von der Platte nehmen, Mehl im Sturz zugeben, kräftig rühren, auf mittlerer Stufe weiterrühren, bis sich der Teig vom Pfannenboden löst, zusammenhängend und glatt ist und sich Bodensatz bildet, Teig leicht auskühlen. 2. Eier aufschlagen, mit Zucker und Backpulver vermischen, unter die Masse rühren. Formen, Backen: Mit einem Teelöffel kleine Plätzchen formen, auf einem Backpapier trocknen lassen. Dann im Brattopf oder in der Friteuse im heissen Öl schwimmend goldgelb backen. Basler Faschtewaije ![]() Zutaten: Teig: 400 g Mehl 20 g Hefe 1 TL Salz 3 dl Milch 1 EL Zucker 150 g Butter Garnitur: 1 Ei, Kümmel Zubereitung: Teig: Die Hälfte der Milch mit der Hefe und einigen Esslöffeln Mehl zu einem Vorteig rühren, zirka 30 Minuten bei Raumtemperatur stehen lassen, bis der Brei schäumt. Das restliche Mehl, Salz, restliche Milch und die Butter in Stücken beigeben, zu einem glatten, geschmeidigen Teig kneten, zugedeckt bei Raumtemperatur zirka 1 Stunde aufgehen lassen. Formen: Teig in 12 Stücke teilen, aus jedem Teigstück ein längliches Brötchen formen. Diese flach drücken und mit einem Messer vier Einschnitte (je zwei nebeneinander) schneiden. Die Stücke etwas in die Breite ziehen, sodass vier Löcher entstehen. Fastenwähen mit Ei bestreichen, mit Kümmel bestreuen. Backen: Zirka 20 Minuten in der Mitte des auf 200 Grad vorgeheizten Ofens. LBBZ Arenenberg, Hauswirtschaftliche Bildung, Marianne Barth |
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