Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Nährstoffversorgung im Obstbau

Ausgabe Nummer 5 (2015)

Obstbau-Seminar in Hohentannen

Fachberater thematisierten die Wechselbeziehungen der Nährstoffe, welche das Pflanzenwachstum beeinflussen.

Heinz Mathys, Pflanzenbauberater, eröffnete das von der Firma Landor organisierte Obstbau-Seminar 2015 mit Gedankenanstössen zur Klimaveränderung. Die Obstbauern bekommen den Klimawandel bereits heute hautnah zu spüren. So blühen Apfelbäume zirka 19 Tage früher als noch vor 30 Jahren. Die frühe Blüte kann durch häufigere Spätfröste Schaden nehmen. Der Klimawandel erfordere Anpassungen bei Bewirtschaftung, Pflanzenschutz und Düngung, so Mathys.
Zum Auftakt des Seminars hielt Christian Hubener von «Acadian Seaplants Ltd.» ein Referat über den Einsatz von Algen zur hormonellen Steuerung der Pflanzen. Er hob hervor, dass Algen bereits seit 50 Jahren in der Landwirtschaft hierzu eingesetzt würden. Die Algen beeinflussen zum Beispiel das Wurzel-, jedoch nicht das vegetative Wachstum. Hubener griff die Thematik Klimawandel auf und bezeichnete die hormonelle Steuerung der Pflanzen im Obstbau als eine Chance, um resistenter gegen Winterschäden zu werden. Algen ersetzen keine Nährstoffe. Durch die hohe Konzentration von Zuckerformen (Kohlenhydraten) können diese auf die Hormone der Pflanzen Einfluss nehmen. In der Zellteilungoder Zellstreckungsphase kann dies entscheidend sein. Aus den Reihen des Publikums wurde die Frage gestellt, wie sich eine allfällige Überdosierung von Algenprodukten auswirke. Hubener meinte, es sei durch Überdosierung keine Alternanz bekannt. Wichtig sei jedoch, Düngung und Stimulation dem Potenzial der Pflanzen anzupassen.

Nacherntebehandlung nimmt an Bedeutung zu
Hans-Josef Weber vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, Rheinpfalz (D), thematisierte die Ausdünnung und Physiologie bei Kern- und Steinobst. Da mit dem mechanischen Schnitt in den Kulturen nicht selten ein erhöhter Fruchtansatz einhergeht, nehme neben Schnitttermin und Ergänzungsschnitt die Fruchtbehangsregulierung eine wichtige Bedeutung bei der Sicherstellung der Fruchtqualität ein. Zu deren Erhalt und Förderung trage unter anderem die (frühe) mechanische Blütenausdünnung bei. Eine klare Behangsregulierungsstrategie verhindere einen Über-, respektive Unterbehang.
Martin Keller, Pflanzenbauberater, ging in seinem Referat der Frage nach, ob die Blattdüngung Luxus oder Notwendigkeit ist. In diesem Zusammenhang stellte er fest, dass Pflanzenschutz und -düngung jene Faktoren sind, welche das wirtschaftliche Ergebnis eines Betriebes am meisten beeinflussen. In diesem Zusammenhang wies er auf «Arbokost», ein betriebswirtschaftliches Simulationsprogramm von Agroscope, hin. Dieses ermöglicht Obstproduzenten und Obstbauberatern, die Einkommenssituation zu analysieren und den Cashflow zu hinterfragen. Die Nacherntebehandlungen im Kernobstbau sind im Sinne regelmässiger Erträge unabdingbar, so Keller. Im Frühjahr sind viele Böden lange kalt, und somit ist die Nährstoffverfügbarkeit schlecht. Der Baum könne von den im Herbst eingelagerten Nährstoffen zehren.


Isabelle Schwander




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