Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


"Naturpark ist politischer Naturschutz"

Ausgabe Nummer 7 (2017)

Befürworter und Gegner eines möglichen Naturparks im Zürcher Berggebiet und den Thurgauer Gemeinden Fischingen und Bichelsee- Balterswil kreuzten die Klingen.

Auch wenn das kontradiktorischen Podium öffentlich ausgeschrieben war, blieben die Landwirte der Interessengemeinschaft Grundeigentümer, Bewirtschafter und Einwohner im Bachtelschutz-Perimeter unter sich. Rund 40 Mitglieder hielten vorgängig ihre zweite Generalversammlung ab und durften im zweiten Teil der Veranstaltung den zwei prominenten Befürwortern, Ernst Koch, Präsident von Pro Zürcher Berggebiet (PZB), und Michael Dubach, Regionalmanager PZB, sowie den beiden Kontrareferenten Bruno Schweizer und Ruedi Lieberherr, Gegner des Naturparks Neckertal, die brennensten Fragen stellen. Als Moderatorin führte Kantonsrätin Ruth Frei (SVP), Wald, das Gespräch und wollte nach der Vorstellung der beiden Parteien als erstes wissen, wer denn nun das Projekt Naturpark im Neckertal im 2014 gebodigt habe. «Es war die Landwirtschaft, aber auch das Gewerbe», sagte Ruedi Schweizer. Hingegen war man sich bei den Gewerblern lange nicht so sicher, weil sie sich erst nach der Abstimmung konkret dazu äusserten. Bauern hätten schon immer betont, dass sie lieber produzieren als Geld bei Bund und Kanton abholen.

«natürli» ist doch schon gut
Im Neckertal seien sich die Bauern schon früh einig gewesen, dass die Landwirtschaft bereits überreguliert sei und sie nicht noch mehr Vorschriften, Regulierungen, Einschränkungen und Bevormundungen wollen. Bundesgelder seien immer auch mit Gegenleistungen verbunden, erklärte Schweizer. Das Ziel des Bundes sei, 17 Prozent der Schweiz unter Schutz zu stellen, deshalb würde ein Naturpark zu mehr extensiver Landwirtschaft führen. Die Anwesenden applaudierten. Während Ernst Koch erklärte, die neuen Schutzflächen hätten nichts mit dem Naturpark- Instrument zu tun, gab er den Bauern zu verstehen, dass er als Landwirt auch die andere Seite der Medaille sehe. Er zeigte den Anwesenden aber auch die positiven Aspekte der nationalen und kantonalen Fördergelder auf und schilderte die Vorzüge der Vermarktung mit einem starken Label eines Naturparks. Über das geplante Punktesystem für eine intakte Landschaft könne man noch keine abschliessende Antwort geben. Im Kanton Schaffhausen konnten hingegen dank dem regionalen Naturpark gewisse Projekte ermöglicht werden, die durchaus Bestandteil einer etablierten Landwirtschaft seien. Michael Dubach wurde gefragt, weshalb man denn unbedingt diesen Naturpark wolle, man sei doch als Marke «natürli» schon sehr gut unterwegs? «Verbesserungspotenzial ist immer vorhanden», so Dubach. An verschiedenen Beispielen könne nachgewiesen werden, dass Naturpärke wirtschaftliche und insbesondere touristische Impulse auslösen.

Zusammen mit Pro Natura geht gar nicht
Für Dubach ist wichtig, dass man Herr der eigenen Dinge bleibe. Die verschiedenen Regionalförderprojekte laufen weiter, doch wie lange die Gelder noch so fliessen, wisse niemand, warf Koch ein. «Was machen wir denn mit den vielen Wintertouristen, die unsere Schlittelbahnen benutzen, sämtliche Parkplätze blockieren und Strassen verstopfen?», fragte ein Anwesender. Dubach verwies auf Lenkungsmassnahmen, die nötig würden. Ein anderer Landwirt fand es schlecht, dass Pro Natura in der 20-köpfigen Begleitgruppe mit allen Branchen- und Interessenvertretern mitmache. Für ihn war klar: «Das kann nie gut herauskommen, ein Naturpark ist politischer Naturschutz in Reinkultur, und wollen wir denn das?» fragte er seine Berufskollegen. Schliesslich sagte ein Anwesender aufgebracht: «Ein Naturpark will die Landwirtschaft unter Schutz stellen, wir werden bevormundet, und zudem wird uns das Geld aus dem Sack gezogen – es bringt nichts und kostet nur, basta!» Wieder klatschten die Anwesenden. Michael Dubach relativierte, dass die Mittel in Projekte vor Ort fliessen, zudem hätte das Zürcher Berggebiet das kleinste nationale Parkbudget. Er riet den Anwesenden, die bestehenden Naturpärke zu besuchen, mit den Leuten vor Ort zu sprechen und sich dann selber eine Meinung zu bilden.


Ruth Bossert



















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